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Was ein Medienhaus heute stark macht

FN-Geschäftsführer Jochen Eichelmann über KI, Transformation und die Zukunft des traditionsreichen Medienhauses. Was ihn antreibt und wie er die FN in die Zukunft führen will, berichtet Geschäftsführer Jochen Eichelmann im Interview. Von Sabine Holroyd

Jochen, Du hast mir vor ein paar Jahren mal gesagt, dass Du jeden Tag gerne zur Arbeit gehst. Ist das heute immer noch so?

Jochen Eichelmann: Ja, absolut. Ich gehe immer noch sehr gerne zur Arbeit - ehrlich gesagt sogar bewusster als früher, weil ich spüre, dass es gerade wirklich zählt. Klar gibt es Tage, die mir mal eine Schweißperle auf die Stirn zaubern, aber dieses Gefühl, mit einem starken Team etwas zu bewegen, eine Region zu begleiten und unser Haus in die Zukunft zu führen, empfinde ich als großes Privileg. Wenn ich morgens ins Büro komme, habe ich Lust, etwas zu bewegen.

Die FN haben sich immer wieder neu aufgestellt. Doch solch eine Transformation wie momentan haben unser Medienhaus und die gesamte Medienbranche wohl noch nie erlebt. Die KI macht vieles, das für unmöglich gehalten wurde, möglich. Du selbst hast Dich parallel zum Tagesgeschäft zum zertifizierten KI-Manager weitergebildet. Warum – und welche Erkenntnisse hast Du dabei gewonnen?

Eichelmann: Ich wollte KI nicht nur „beobachten“ oder irgendwohin delegieren. Wenn man ein Unternehmen führt, muss man selbst verstehen, worüber man entscheidet. Deshalb habe ich in den letzten zehn Monaten parallel zum Tagesgeschäft die Masterclass zum zertifizierten KI-Manager gemacht.

Mein größtes Learning: Es geht nicht darum, Entwickler zu werden. Es geht darum, ein solides Fundament zu haben, um Chancen realistisch zu sehen, Grenzen zu kennen und bessere Entscheidungen zu treffen. Und ich glaube, drei Dinge sind dabei entscheidend: selbst Kompetenz aufbauen, als Führungskraft Vorbild sein und die Teams befähigen, KI sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen.

Je tiefer ich eingestiegen bin, desto klarer wurde mir auch, wie groß das Feld ist. Ich habe heute eine deutlich bessere Idee davon, was ich alles noch nicht weiß. Das erdet, und das ist gut so.

Welche digitalen Tools begeistern Dich momentan am meisten?

Eichelmann: Drei Tools stechen für mich aktuell raus, weil sie im Alltag wirklich Wirkung haben. Miro mit KI-Funktionen, weil man Komplexität schnell sortiert und aus Ideen Struktur macht. Langdock, weil es KI in eine sichere, teamfähige Arbeitsumgebung bringt. Und Claude, oft in Kombination mit weiteren Applikationen.

Wichtig ist mir dabei: Das sind keine Spielzeuge. Das sind Werkzeuge, die uns schneller machen können, wenn wir sie sauber führen. Doch das Tool ersetzt nicht den journalistischen Kompass. Es kann aber helfen, schneller zu einem guten Ergebnis zu kommen - wenn man weiß, was man tut.

Wie findest Du es, die Transformation der FN mit all ihren Innovationen als Geschäftsführer mitgestalten zu können?

Eichelmann: Das ist anspruchsvoll, aber auch eine echte Chance. 80 Jahre nach der Gründung stehen wir an einem Punkt, an dem es nicht nur um „ein bisschen digitaler“ geht, sondern um die Frage: Wie bleibt ein Medienhaus relevant, wirtschaftlich gesund und journalistisch stark in einer völlig neuen Welt?

Ich bin dankbar, dies mitgestalten zu dürfen. Gleichzeitig ist es harte Arbeit, weil man das Tagesgeschäft liefern muss und trotzdem investieren, ausprobieren, umstellen. Aber genau das ist jetzt die Aufgabe. Hier geht es darum, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu arbeiten und täglich bereit zu sein, Veränderungen anzustoßen, sich gemeinsam als Team weiterzuentwickeln und sich flexibel auf Neues einzustellen.

Wie kann man als Medienhaus für die Leser und Kunden vertrauenswürdig bleiben und den Qualitätsanspruch nicht verlieren?

Eichelmann: Vertrauen entsteht nicht durch Schlagworte, sondern durch Konsequenz: Saubere Recherche, klare Einordnung und Transparenz mit sauberer Quellenangabe. Nach meiner Einschätzung wird dies in der Zukunft an Wert gewinnen.

Ein großer Teil der Inhalte im Internet stammt bereits heute nicht von Menschen. Wir leben in einer Zeit einer KI-Content-Flut und einem hohen Einsatz von Bots. Somit werden Vertrauen und Glaubwürdigkeit von verlässlichen Medienquellen eine deutlich größere Rolle in unserer Mediennutzung spielen.

Die FN veranstalten viele Events – sowohl für Leser als auch für ihre Kunden. Wie wichtig ist Dir dieses Community-Gefühl in Zeiten digitaler Anonymität?

Eichelmann: Erlebnisorientierte Angebote sind extrem wichtig und werden an Wert gewinnen. Digitalisierung bringt Reichweite, aber oft auch Anonymität. Als regionales Medienhaus leben wir davon, relevant Informationen zu liefern und echte Nähe herzustellen. Events sind dafür ein echter Schlüssel, weil sie Begegnung schaffen: Leser, Unternehmen, Partner, Diskussionen, Feedback, Vertrauen.

Ich sehe Events nicht als „Add-on“, sondern als Teil dessen, was ein modernes Medienhaus sein kann: integraler Teil unserer Region Tauber-Odenwald, verlässliche Plattform, Netzwerker und Moderator in der Region.

Wo siehst Du die größten Wachstumschancen für die FN? Welche Rolle spielen dabei Kooperationen?

Eichelmann: Die größten Chancen liegen dort, wo wir mit unseren Stärken und Kompetenzen Bedürfnisse der Menschen unserer großartigen Region bedienen können und in neue Angebote übersetzen: digital, in der Vermarktung, in Services für private Haushalte und regionale Unternehmen, aber auch in neuen journalistischen Angeboten. Wachstum entsteht selten aus einem großen Wurf, sondern aus vielen guten, gut gemachten Schritten.

Wir werden weiterhin viel ausprobieren und lernen ständig dazu.

Kooperationen sind heute bereits Standard. Die Entwicklung ist so schnell, dass niemand alles allein schaffen kann. Entscheidend ist, dass Partnerschaften zu unserer Marke FN passen und für Leser und Kunden echten Mehrwert schaffen.

Blicken wir einmal fünf oder zehn Jahre in die Zukunft – welches ist die für Dich inspirierendste Vorstellung von unserem Medienhaus?

Eichelmann: Ich wünsche mir ein Medienhaus, das regional tief verankert bleibt, im Kern verlässliche und wertige lokale Inhalte bietet und wir uns weiterhin technologisch modern aufstellen. Ein Haus, das Orientierung gibt, Debatten fair moderiert und Menschen zusammenbringt - nicht nur über Inhalte, sondern über echte Dialogformate. Zudem gilt es, einerseits die bestehenden Geschäftsmodelle auf die Mediennutzung der Zukunft anzupassen und andererseits neue Geschäftsfelder zu identifizieren und weiter zu diversifizieren. Besonders inspiriert mich, dass wir als Team diese Zukunft aktiv gestalten dürfen.

Nachrichten, Menschen, Teamgeist und Cappuccino

Seit 2021 ist Fabian Greulich Chefredakteur der Fränkischen Nachrichten. Im Interview bezeichnet er sich dienstlich gesehen als „immer empfangsbereit – auf allen Kanälen“. Empfänglich ist er aber auch stets für eine gute Tasse Cappuccino – gerne mit einem Schuss Schokolade. Dann klappt der „Dauersprint“, in dem er sich mit seinem Team tagtäglich befindet, einfach noch besser.

Sabine Holroyd: Fabian, du bist der erste Chefredakteur einer Tageszeitung in Deutschland, von dem es einen AI-Avatar gibt. Als „Avatar Fabian“ präsentierst du ausgewählte Nachrichten aus der Region. Was war dein erster Gedanke, als du deinen Avatar sahst?

Fabian Greulich: Ich war erschrocken und fasziniert zugleich. Ich glaube, das ist in Zusammenhang mit der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) eine ganz typische Reaktion. Da ich aber selbst einer derjenigen war, die die Idee zur Erschaffung meines digitalen Doppelgängers hatten, überwog natürlich die Faszination. Und die Freude darüber, gemeinsam mit dem Team etwas sehr Innovatives erschaffen zu haben.

Gibt es Leute, die glauben, dein Avatar wärest wirklich du selbst?

Greulich: Natürlich werde ich seit dem Projektstart bei Terminen und Konferenzen immer wieder scherzhaft gefragt, ob ich es wirklich bin, oder ob ich meinen Avatar geschickt habe. Ob tatsächlich jemand glaubt, diese immer gleich gekleidete, leicht unscharfe Person im Internet wäre wirklich ich, kann ich nicht sagen. Auffällig ist allerdings, dass mein Avatar bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Bei unseren Lesern und Followern, aber auch in der gesamten Medienbranche. Besonders freut mich die hohe Akzeptanz. Der Avatar ist zwar per KI erzeugt. Die Nachrichten aber kommen von unseren Reportern. Der Journalismus ist und bleibt menschlich. Das wird auch so verstanden - ein ganz wichtiger Punkt.

Dieses audiovisuelle Nachrichtenformat ist das beste Beispiel dafür, wie sehr sich die Fränkischen Nachrichten im Laufe ihrer 80-jährigen Geschichte verändert haben. Was ist es für ein Gefühl, Chefredakteur dieser Zeitung zu sein?

Greulich: Mit einem Wort? Stolz. Das beschreibt eigentlich meine gesamte Karriere bei den FN. 1999 war ich unheimlich stolz, Volontär dieses Medienhauses zu werden. 2001 wuchs dieses Gefühl mit der Übernahme als Redakteur und 2016 mit der Ernennung zum Redaktionsleiter weiter. So gesehen platze ich heute fast vor Stolz, seit 2021 Chefredakteur der Fränkischen Nachrichten sein zu dürfen. Ich habe eine großartige Redaktionsmannschaft, die den durchaus herausfordernden Weg des Wandels und der Transformation geschlossen mit mir geht.

Mit Blick auf die von Dir angesprochenen Veränderungen kommen aber noch ein paar weniger romantische „Gefühle“ hinzu: Verantwortung, Herausforderung, Offenheit, Transparenz, Flexibilität und Innovation sind da die ersten Schlagworte, die mir einfallen.

Ist das heute anders als früher?

Greulich: Die Medienbranche war schon immer im Wandel. Allerdings hat sich die Schlagzahl der Veränderungen durch die Digitalisierung und den allgemeinen technischen Fortschritt massiv erhöht. Sprichwörtlich unterscheidet man gerne zwischen Sprint und Dauerlauf. Wir befinden uns in einem Dauersprint.

Früher gab es nur Print. Heute machen wir Zeitung auf vielen verschiedenen Kanälen, in unterschiedlichen Formaten und für individuelle Nutzergruppen. Web, Print, Social Media, Ticker, Video, Push-Nachricht, Avatar – da kann man schon mal durcheinanderkommen. Darf man aber nicht, denn als seriöse Tageszeitung stehen wir auf all diesen Kanälen für faktenorientierten, sauber recherchierten Qualitätsjournalismus.

Du hast während der Pandemie auch täglich eine Kolumne über den Alltag im Lockdown geschrieben. Diese 58 Kolumnen kamen so gut an, dass sie unter dem Titel „Corona, meine Familie und ich“ als Buch veröffentlicht wurden. Wie blickst du heute auf diese Zeit zurück?

Greulich: Ich bin manchmal erstaunt, wie schnell man diese krasse Zeit vergisst – vielleicht auch verdrängt. Dann lese ich eine Kolumne in meinem Buch und bin wieder mittendrin in dieser wahnsinnig intensiven Corona-Welt, die uns allen so viel abverlangt hat. Es ist auf keinen Fall so, dass ich diese Zeit vermisse. Niemals. Aber: Es war ein so unglaublich intensiver Lebensabschnitt, der bei all dem Leid in der Welt, den Entbehrungen, den Ängsten und Sorgen auch Spuren hinterlassen hat, die ich heute als positiv bezeichnen würde. Meine kleine Familie (Mama, Papa, Sohn, Tochter, Dackel) hat – wie Millionen andere Familien auch – eine so von Zusammenhalt, Demut, Verzicht, Solidarität, Zuversicht und nicht zuletzt Liebe geprägte Zeit erlebt, die bleibende Spuren hinterlassen hat. Unabhängig davon hat die Pandemie aber auch gezeigt, wie wichtig Lokaljournalismus ist – für die Gesellschaft, für unsere Demokratie. Meine Kolumne war ein Mutmacher, unsere Berichterstattung ein wichtiger Orientierungsgeber.

Immer wieder hört man, „die Medien“ hätten in der Pandemie an Vertrauen verloren. Wir sind nicht „die Medien“ – wir sind „die FN“. Ich glaube, wir haben als Lokalzeitung an Vertrauen hinzugewonnen. Weil man uns kennt, weil wir Gesicht zeigen.



Welche Überschrift beschreibt deinen Arbeitsalltag am besten?

Greulich: Das fällt mir jetzt schwer. „Immer empfangsbereit - auf allen Kanälen“ vielleicht? Da steckt aus meiner Sicht mehr drin, als es sich der Leser vielleicht vorstellen kann. Deshalb freue ich mich einfach auf die Überschrift über diesem Interview. Die passt sicher hervorragend.

Was darf nie auf deinem Schreibtisch fehlen?

Greulich: Tatsächlich ist das die Kaffeetasse – gefüllt, versteht sich. In diesem Punkt erfülle ich jedes Journalistenklischee. Ich habe einen überaus hohen Verbrauch an Cappuccino (mit Schoko). Außerdem steht auf meinem Schreibtisch schon immer eine Miniatur vom Blecker, der Symbolfigur der Faschenacht in Buchen, wo meine FN-Karriere 1999 als Volontär begann. Täglich neu auf dem Tisch habe ich natürlich ein gedrucktes Exemplar aller vier Lokalausgaben der FN. Und mein Telefon plus Handy plus Diensthandy.

Du bist ein „Eigengewächs“ der Fränkischen Nachrichten. Hattest du nie den Gedanken, diese Gegend hier zu verlassen und vielleicht bei einer großen Zeitung oder einem Magazin anzuheuern?

Greulich: Gedanken hatte ich schon, und auch die Gelegenheiten. Allerdings hatte ich letztlich nie den Willen. Vielleicht war ich einfach immer zu stolz, Teil der FN-Familie zu sein (lacht). Im Ernst, es gibt keinen schöneren Beruf, als Lokaljournalist in seiner Heimatregion zu sein.

Wie stellst du dir diese Zeitung in zehn Jahren vor? Was wünschst du ihr?

Greulich: Unsere Aufgabe bleibt dieselbe: Orientierung geben, Fakten prüfen, Macht kontrollieren und gute Geschichten erzählen. Aber wir tun das auf noch mehr Wegen als heute. Qualitätsjournalismus darf dabei jedoch nicht als kostenloses Nebenprodukt des Internets betrachtet werden. Vielmehr gilt: Nicht die Schnellsten gewinnen, sondern die Vertrauenswürdigsten. KI wird als Werkzeug unterstützen, den Journalismus aber nicht verdrängen oder manipulieren. Unverändert werden die Fränkischen Nachrichten daher das Medienhaus der Region Tauber-Odenwald sein, denn die Menschen wollen wissen, was vor Ihrer Haustür passiert – verlässlich und unabhängig.

Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren noch immer Geschichten veröffentlichen, über die Menschen morgens beim Kaffee diskutieren.

Die Redaktion arbeitet „im Live“

Arbeit in der Redaktion: Vom Schreiben für die Zeitung für übermorgen in die Live-Berichterstattung. Einst wurden Schwarz-Weiß-Filme selbst entwickelt, heute werden Videos gedreht. Von Michael Fürst

Früher war mehr Kaffee. Nein, dieser an Loriot angelehnte Eingangssatz ist sicher nicht der gravierendste Unterschied der FN-Redaktion von gestern zu heute. Aber es ist einer. Während einst im Grunde ganztägig die Filterkaffeemaschine gluckste, konsumieren die jungen Kolleginnen und Kollegen heute deutlich weniger vom bitteren Heißgetränk. Dafür darf es vereinzelt ein grünes Teechen sein oder ein stilles Wasser – mit Limette und Minze geschmacklich angereichert. Die Zeiten haben sich geändert. Moderner geworden sind aber freilich nicht nur Getränke in der Redaktion, sondern auch die Arbeitsweisen. Was Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts ganz langsam begann, gewann vor allem zwischen 2010 und heute eine fast schon unheimliche Beschleunigung. Es vergeht im Grunde kein halbes Jahr mehr, in dem die Arbeitsweisen der Redakteure nicht in irgendeiner Form umgestellt oder verändert werden. Dabei bestimmen die technischen Neuerungen die Anpassungen beim Schreiben, Redigieren, Recherchieren, Fotografieren und Videofilmen. Zur Einordnung noch einmal ein kurzer geschichtlicher Abriss: 1977 löste die erste Fotosatzmaschine den jahrhundertealten Bleisatz ab. Die Umstellung bis zur vollständigen Funktion des Fotosatzes dauerte knapp fünf (!) Jahre. Ab da wurden alle Texte elektronisch erfasst. Die Schreibmaschine verschwand nach und nach. Sie wurde nur noch in Notfällen eingesetzt. Die Diskette als Datenträger wurde von der E-Mail abgelöst, und spätestens ab da, wir reden von Anfang der 2000er Jahre, beschleunigte sich die Entwicklung rasant. „In den ersten fünf Jahren meiner beruflichen Tätigkeit bei den FN habe ich immer nach den gleichen Abläufen gearbeitet“, erinnert sich der Autor dieses Textes an die Jahre 1993 bis 1998: „Kiloweise“ Manuskripte freier Mitarbeiter redigieren, Filme entwickeln und zwischendurch eigene Texte schreiben. Und das alles im Schwarz-Weiß-Zeitalter. Dann kam 1998/99 der Ganzseitenumbruch – die erste große Revolution für die Arbeitsweise in der Redaktion. Die Redakteure konnten nun auch die Texte und Bilder, die sie während des Tages produzierten, am Bildschirm elektronisch zusammenbauen. Es war der erste Schritt hin zur Digitalisierung, der mit den ersten Digitalkameras und den ersten Farbbildern in der Zeitung seine Fortsetzung fand.

Vom Blatt auf die Diskette ins Internet

Die Arbeit verlagerte sich immer mehr vom Blatt an den Bildschirm. Die Manuskriptstapel der freien Mitarbeiter wurden kleiner. Erst brachten sie ihre Beiträge auf Diskette in die Redaktionsstuben, doch sehr schnell wurde diese Herangehensweise durch Internet und E-Mail abgelöst. Und als sich dann auch die Digitalfotografie bei den „Freien“ durchsetzte, wurden auch die Bilder via Internet geschickt. Doch auch von der Redaktion heraus veränderte sich der „Datentransport“: Während Manuskripte einst teilweise mit dem Linienbus (ja, wirklich) von A nach B transportiert wurden, werden die Daten nun bequem per E-Mail geschickt. Peu à peu wandelte sich nicht nur die Arbeitsweise, sondern, etwas nachgelagert, auch die Kommunikation. Persönliche Besuche in der Redaktion, sowohl von eigenen Mitarbeitern als auch von Lesern, die etwa einen Leserbrief abgeben wollten, wurden seltener und seltener. Das macht etwas mit einem Redaktionsmitglied, schließlich ist das persönliche Gespräch die Essenz des Lokaljournalismus. Auch um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben die FN die Redaktion in zwei Gruppen geteilt – die der Editoren und die der Reporter (siehe Extra-Artikel in dieser Ausgabe). Während die Editoren mit klassischer Redaktionsarbeit wie Posteingang bearbeiten, Seiten bauen, Themen steuern betraut sind und damit sozusagen den Maschinenraum der FN-Redaktion bilden, sind die Reporter (fast) komplett innendienstbefreit. Sie sind draußen „bei den Leuten“. Sie spüren Geschichten auf, kümmern sich um interessante Themen und berichten über relevante Termine. Block und Stift gehören immer noch zum Grundwerkzeug, doch Fotos werden immer mehr mit leistungsfähigen Handys gemacht, dazu bereichern Videos die Berichterstattung.

Zur Redaktion gehören nun auch Onliner(innen)

Auch deshalb gehören seit einigen Jahren Onliner, im FN-spezifischen Fall Onlinerinnen, fest zur Redaktion. Sie schneiden nicht nur die von Reportern eingesandten „Videoschnipsel“ zu einem Filmchen zusammen, sondern steuern und koordinieren den gesamten Online-Auftritt der FN – das fnweb. Denn längst präsentieren die „Fränkischen“ nicht nur das klassische Print-Produkt Zeitung, sie sind seit vielen Jahren digital unterwegs, neben dem fnweb auch auf sämtlichen Social-Media-Kanälen.  Die müssen natürlich „gefüttert“ werden – und das nicht nur einmal am Tag, sondern mehrfach. Deshalb kann man pauschal feststellen: Die Redaktion arbeitet nicht für die Zeitung am nächsten Tag, sondern sie arbeitet „im Live“. Das heißt: Immer dann, wenn etwas Relevantes im Verbreitungsgebiet geschieht, berichten wir darüber sehr zeitnah im fnweb – nicht mehr erst am nächsten oder sogar am übernächsten Tag im Print. Und dazu müssen die Redakteure nicht mehr durchgehend in die Redaktion kommen. Mobiles Arbeiten ist für einen Reporter Grundvoraussetzung und die Möglichkeit, beispielsweise vom Ort eines schweren Verkehrsunfalls erste Informationen direkt online zu stellen. Trotzdem sind die Präsenzen der Redaktionsmitglieder bisweilen elementar, weil Themen besprochen und abgesprochen werden und viel mehr noch – in vielen, vielen Gesprächen neue Ideen für Geschichten entstehen. Und genau das ist trotz aller Veränderungen geblieben: Die Redaktion lebt von einem regen Austausch – nicht nur mit den Menschen in der Region, sondern auch intern. Und dabei ist es egal, ob bei den Besprechungen die Altgedienten lieber Kaffee und die Jüngeren lieber einen Tee schlürfen. Dass etwas „Gescheites“ dabei herauskommt – das ist uns wichtig.

Unterwegs für die Menschen in der Region

Reporter: Sie machen die Geschichten fürs Digitale und fürs Blatt. Ihre Verwurzelung in der Region verleiht ihrer Berichterstattung eine große Authentizität. Von Michael Fürst

Sie schreiben nicht nur. Nein, sie recherchieren, telefonieren, interviewen, sie berichten, ordnen ein und kreieren Ideen für spannende Themen – die Reporter der Fränkischen Nachrichten. Sie sind das Fundament, auf dem die journalistische Arbeit in der Redaktion ruht. In dem riesigen Verbreitungsgebiet der FN, das sich von Gerchsheim bis Mudau (Nord-Süd) und Freudenberg bis hinter Creglingen (Ost-West) erstreckt, sind sie unterwegs. Jeden Tag. Doch ihnen ist kein Weg zu weit für eine gute Geschichte, um Hintergründe in den Vordergrund zu rücken und – das ist das Wichtigste für den Reporter einer Lokalzeitung – bei den Menschen zu sein, um zu wissen, was sie bewegt und beschäftigt. Denn nur so kann man auch für uns über sie schreiben, nah und dennoch kritisch, wenn es sein muss. Und genau das ist der Kern einer guten Berichterstattung auf dem Land. Fast alle Reporter sind von hier oder leben schon jahrzehntelang in der Region. Sie kennen sich aus, sie wissen um die Besonderheiten jeder einzelnen Kommune und ganz besonders kennen sie die handelnden Personen dort. Sie sind selbst in Vereinen engagiert und wissen deshalb genau, dass das Ehrenamt der Eckpfeiler des gesellschaftlichen Lebens im ländlichen Raum ist. Kurzum: Sie sind mit Leib und Seele nicht nur für eine journalistisch saubere Arbeit im FN-Verbreitungsgebiet unterwegs, sondern sie tragen mit ihrer Arbeit auch Verantwortung für „Odenwald und Tauber“; für die Gebiete rund um die Redaktionsstandorte, Tauberbischofsheim, Bad Mergentheim, Wertheim und Buchen. Dort leben sie nicht nur, dort sind sie auch verwurzelt. Das macht ihre Berichterstattung so authentisch.

Sascha Bickel: „Professionell recherchierte Informationen weitergeben“

Das verdeutlicht auch die Aussage von Sascha Bickel, dem stellvertretenden Reporter-Chef bei den FN. Er sagt: „Ich bin mit Leidenschaft als Journalist im Taubertal unterwegs, weil ich meine Heimat liebe und gerne im Austausch mit den Menschen vor Ort bin, um professionell recherchierte Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben.“ Reporter-Kollegin Maren Greß ist vor allem im Bereich Odenwald auf „Geschichten-Fang“. Sie gehört zu den jüngsten Reporterinnen im Haus und sagt: „Ich schätze an diesem Beruf, dass er so abwechslungsreich und vielseitig ist. Kein Tag ist wie der andere. Ich darf so viele Menschen und ihre Geschichten kennenlernen und habe dabei schon viel erlebt, mitgenommen und dazugelernt. Ich durfte im Panzer mitfahren, eine Schulstunde vor Achtklässlern im Gymnasium halten und mit einer Biologin im Wald nach Spuren von Haselmaus und Schwarzstorch suchen. Das ist es, was diesen Beruf für mich so reizvoll – und damit zum schönsten Job der Welt macht.“ Diese Aussage zeigt, dass es neben Neugier und einer guten Schreibe auch noch etwas anderem, etwas Elementarem bedarf: Leidenschaft und Hingabe. Denn der Reporter-Job ist keiner „von der Stange“, keiner, bei dem man um 8 Uhr in die Redaktion kommt und zwischen 16 und 17 Uhr mit einem lockeren „Tschüss, bis morgen“ wieder geht. FN-Reporter sein heißt im Extremfall: Morgens um 8 Uhr den Gemeinderatsartikel vom Abend vorher schreiben, um 10.30 Uhr beim Spatenstich eines neuen Baugebiets sein, diesen Beitrag aktuell schreiben und um 16 Uhr pünktlich beim Interview mit einem lokalpolitischen Entscheidungsträger zu einem aktuellen Thema erscheinen. Wenn es dann knüppeldick kommt (aber das passiert nun wirklich höchstselten), muss man an solch einem Arbeitstag nachts noch zu einem schweren Verkehrsunfall „ausrücken“. Und übermorgen hat man auch noch Sonntagsdienst. Puh.

Es geht nicht ins Bett, sondern vor den Laptop

Am Beispiel eines schweren Verkehrsunfalls lässt sich gut die veränderte Arbeitsweise aufzeigen, die seit einigen Jahren bei den Reportern Einzug gehalten hat. Die Transformation vom reinen Printprodukt hin ins Digitale hat enorme Auswirkungen auf das Reporter-Tun. Früher war es so, dass sich der Reporter oder die Reporterin, nachdem sie nachts an der Unfallstelle gewesen war, wieder ins Bett gelegt hat. Am nächsten Morgen hat er oder sie bei der Polizei und bei weiteren Einsatzkräften angerufen, um noch detaillierte Informationen zum Unfallhergang, zu Verletzten oder im schlimmsten Fall Toten zu erfahren. Im Laufe des Tages hat man den Schwarz-Weiß-Film im redaktionseigenen Fotolabor selbst entwickelt, vom Negativstreifen einen Bildabzug gemacht, im Laufe des Tages den Text geschrieben und am übernächsten Tag nach dem Unfall war der Bericht in der Zeitung. Heute sieht die Arbeit so aus: Der Reporter fotografiert vor Ort nicht nur, sondern holt auch Informationen ein und notiert sich diese. Er macht auch noch ein Video und interviewt dabei etwa den Einsatzleiter der örtlichen Feuerwehr. Kommt er dann nachts heim, fährt er den Laptop hoch, spielt die digitalen Bilder und Videosequenzen ein und verknüpft sie mit seinem kurzen Text. „Live stellen“. Fertig. Der sogenannte Newsticker ist gemacht. Und statt „übermorgen“ aus der Zeitung erst von dem schweren Verkehrsunfall aus der Nacht zu erfahren, können die Digital-Abonnenten der FN schon morgens zum Frühstück die Neuigkeit lesen. Im Laufe des Tages dann erneuert, erweitert und ergänzt der Reporter diesen ersten Tickertext digital mit weiteren Informationen, die er eingeholt hat. Die Leser sind also immer aktuell informiert. Oft auch mittels Pushnachricht aufs Handy. Auch die FN sind in der Live-Berichterstattung angekommen. Das „Endprodukt“ der Berichterstattung ist tags darauf dann auch im Printprodukt zu lesen. Das klingt stressig – ist es manchmal auch. Doch die Leidenschaft für den Journalismus, für die Region und ihre Menschen trägt die FN-Reporter durch ihre Arbeit, in der sie im Grunde mit allen gängigen Ressorts und Genres in Berührung kommen – der Lokalpolitik, der Kultur, der Wirtschaft, dem Sport. Genau diese Vielfalt, aber auch diese Verantwortung ist der große Reiz, den man bereits bei jungen Leuten wecken kann, wie die Worte von FN-Reporterin Maren Greß verdeutlichen: „Ich war gerade einmal zarte 15, als ich mein erstes Praktikum in der Sportredaktion gemacht habe. Ab da stand für mich fest, dass ich Journalistin werden will.“ Und das ist sie geworden – sie und all ihre Reporter-Kolleginnen und -Kollegen. Mit Leidenschaft.

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Hand in Hand für die Ausgabe

Editoren und Redaktionsassistenz sorgen bei den Fränkischen Nachrichten dafür, dass Inhalte ausgewählt, bearbeitet, geprüft und pünktlich in Print und Digital veröffentlicht werden. Von Olaf Borges

Blattabnahme bei den Fränkischen Nachrichten. Bild: Melanie Müller

Damit Leserinnen und Leser jeden Tag eine aktuelle und gut aufbereitete Print- und Digitalausgabe erhalten, arbeiten Editoren und Redaktionsassistenz Hand in Hand. Bei den Fränkischen Nachrichten sind es sogar vier lokale Printausgaben für Tauberbischofsheim, Wertheim, Bad Mergentheim und Buchen/Walldürn.  Editoren übernehmen in der Redaktion eine zentrale journalistische und organisatorische Funktion. Eingesandte Inhalte werden redaktionell bearbeitet, um sie publizierbar zu machen. Sie zeichnen auch für die Gewichtung der Themen verantwortlich, bestimmen Zeitpunkt, Aufmachung und Art der Veröffentlichung. Außerdem übernehmen sie die Schlussredaktion und übergeben das fertige Produkt an den Druck. Zu den wichtigsten Aufgaben von Editoren gehört also die Entscheidung darüber, welche Themen in die Zeitung aufgenommen werden. In Konferenzen wird gemeinsam mit Ressortverantwortlichen besprochen, welche Nachrichten und Geschichten besonders wichtig sind. Editoren wägen dabei ab: Welche Themen sind aktuell und gesellschaftlich relevant? Welche Entwicklungen müssen besonders hervorgehoben werden? Welche Geschichten brauchen Einordnung und Hintergrund? Welche Inhalte eignen sich für Print, welche eher für Online? Diese Priorisierung ist entscheidend, weil täglich viele Informationen auf die Redaktion einströmen, aber nur ein begrenzter Platz in der gedruckten Ausgabe zur Verfügung steht. Deshalb muss auch oft gekürzt werden. Ein zentraler Teil der editorischen Arbeit ist die Bearbeitung eingereichter Artikel von Pressestellen, Behörden, Vereinen, Unternehmen und freien Mitarbeitern. Dabei geht es nicht nur um sprachliche Korrekturen, sondern um die journalistische Qualität eines Textes insgesamt. Editoren prüfen, ob der Text verständlich und logisch aufgebaut ist, die wichtigsten Informationen klar vermittelt werden und ob die getroffenen Aussagen nachvollziehbar sind.  Bei den FN hat die Verlässlichkeit von Informationen höchste Priorität. Editoren sind deshalb maßgeblich an der Qualitätssicherung beteiligt. Sie prüfen Namen, Zahlen, Ortsangaben, Zitate und Zusammenhänge, suchen nach möglichen Widersprüchen und sind zuständig für die Einhaltung redaktioneller Standards. Ein Artikel besteht jedoch nicht nur aus dem Fließtext. Besonders wichtig für die Wirkung eines Beitrags sind Überschriften, Unterzeilen, Vorspänne, Zwischenüberschriften und Bildunterschriften. Diese Elemente werden in vielen Fällen von den Editoren formuliert oder zumindest entscheidend überarbeitet. Im digitalen Bereich kommen weitere Anforderungen hinzu, etwa Suchmaschinenoptimierung, Teaser-Texte, Social-Media-Aufbereitung oder das Verlinken verwandter Inhalte. Die Arbeit von Editoren ist stark vom Tagesrhythmus der Zeitung geprägt. Nachrichtenlagen können sich kurzfristig ändern, Seiten müssen pünktlich in die Produktion, und oft müssen bis kurz vor Redaktionsschluss noch Anpassungen vorgenommen werden. Das verlangt oft schnelle Entscheidungen, hohe Konzentration, Belastbarkeit und journalistisches Urteilsvermögen. Die Redaktionsassistenz ist häufig die erste Anlaufstelle für interne und externe Anliegen. Zu ihren Aufgaben zählen das Verteilen der eingehenden E-Mails, die Pflege des digitalen Veranstaltungskalenders, die Verwaltung von Kontaktdaten, das Erfassen von Meldungen und die Erstellung der Service-Seiten. Die Redaktionsassistenz filtert Anfragen, leitet sie an die zuständigen Ressorts weiter, beantwortet organisatorische Rückfragen und sorgt dafür, dass Anliegen effizient bearbeitet werden können. Damit übernimmt sie eine wichtige Funktion zur Entlastung der Redaktion.

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Warum Fränkische Wochenpost und Kur- und Gästezeitung weit mehr als Ergänzungen sind Von Barbara Kurz

Die Fränkische Wochenpost und die Kur- und Gästezeitung sind weit mehr als ergänzende Printtitel im Angebot der Fränkischen Nachrichten. Sie sind in der Region zu Hause, nah an den Menschen und an dem, was ihren Alltag prägt. In ihnen zeigt sich, was lokale Publizistik im besten Sinne leisten kann: Sie informiert nicht nur, sie begleitet. Sie schafft nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Nähe. Und sie erzählt nicht nur von einer Region, sondern aus ihr heraus.

Die Stärke des Regionalen

Gerade in einer Zeit, in der Mediennutzung immer schneller, digitaler und oft auch unverbindlicher wird, liegt in solchen regionalen Publikationen eine besondere Stärke. Sie holen nicht nur die Welt ins Haus, sondern vor allem das Naheliegende ins Bewusstsein: das Leben vor der eigenen Haustür, die Themen des Alltags, die Gesichter und Geschichten, die einer Region ihr Gepräge geben. Darin liegt ihr bleibender Wert. Sie geben Orientierung, machen sichtbar, was sonst leicht übersehen wird, und stiften ein Gefühl von Zugehörigkeit, das keine anonyme Informationsfläche ersetzen kann.

Die Fränkische Wochenpost als Begleiter im Alltag

Die Fränkische Wochenpost ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. In vielen Haushalten ist sie kein beiläufiges Produkt, sondern ein vertrauter Begleiter im Wochenrhythmus – ein Stück gelebter Regionalität auf Papier. Sie verbindet redaktionelle Inhalte, Anzeigen, Veranstaltungshinweise, Mitteilungen aus den Kommunen und Nachrichten aus dem Wirtschaftsleben zu einem Format, das den Puls der Region auf unmittelbare Weise spürbar macht. Wer sie aufschlägt, begegnet nicht einer abstrakten Öffentlichkeit, sondern dem konkreten Leben vor Ort.

Nah dran am Leben vor Ort

Gerade darin liegt ihre Stärke: Die Fränkische Wochenpost ist nah dran. Sie kennt die kleinen und großen Anlässe, die das Leben in Städten und Gemeinden prägen. Sie macht auf Angebote aufmerksam, kündigt Märkte und Feste an, verweist auf kulturelle Termine, greift saisonale Themen auf und gibt jenen Raum, die das Rückgrat der Region bilden: dem Einzelhandel, dem Handwerk, den Dienstleistern, Vereinen und Veranstaltern. Das ist mehr als reine Information. Es ist ein Stück öffentlicher Alltag – und regionale Präsenz im besten Sinne.

Ein verlässlicher Raum für Sichtbarkeit

Denn natürlich geht es dabei auch um Sichtbarkeit. Gerade im Lokalen, wo Wege kurz und Beziehungen persönlich sind, ist es von großer Bedeutung, wahrgenommen zu werden. Die Fränkische Wochenpost schafft dafür einen verlässlichen Raum. Sie verbindet Wirtschaft und Öffentlichkeit, Alltag und Ereignis, Information und Begegnung. So wird sie zu einem Bindeglied im besten Sinne: unaufgeregt, zuverlässig und nah bei den Menschen.

Die Kur- und Gästezeitung als Einladung zum Entdecken

Einen anderen Ton, aber eine ähnlich wichtige Aufgabe erfüllt die Kur- und Gästezeitung der Fränkischen Nachrichten. Sie richtet sich an Menschen auf Zeit – an Kurgäste, Urlauberinnen und Urlauber, an Tagesbesucher – und spricht doch zugleich auch zu denen, die hier zu Hause sind. Denn sie bündelt, was eine Region sehenswert, erlebbar und erinnerungswürdig macht. Sie ist nicht nur ein Serviceprodukt, sondern auch eine Einladung, genauer hinzusehen.

Orientierung, Atmosphäre, Lebensart

Wer an einem Ort zu Gast ist, sucht nicht allein Informationen, sondern auch Orientierung, Atmosphäre und ein Gefühl dafür, wo er angekommen ist. Genau hier entfaltet die Kur- und Gästezeitung ihren besonderen Reiz. Sie bietet Hinweise auf Veranstaltungen, kulturelle Programme, Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele und touristische Angebote, greift Themen wie Gesundheit, Erholung und regionale Lebensart auf – und wird so zu einem stillen, aber verlässlichen Begleiter. Nicht laut, nicht aufdringlich, sondern freundlich, zugewandt und nützlich.

Mehr als reine Information

Die Kur- und Gästezeitung leistet einen wichtigen Beitrag. Sie ordnet, empfiehlt, inspiriert – und vermittelt dabei immer auch ein Stück Atmosphäre. Vielleicht ist es genau das, was sie über eine reine Informationsfunktion hinaushebt: Sie zeigt eine Region nicht als Kulisse, sondern als lebendigen Raum. Sie erzählt von landschaftlichen Reizen, kulturellen Besonderheiten, gastronomischen Angeboten und traditionellen Veranstaltungen nicht wie in einem nüchternen Verzeichnis, sondern in einem redaktionellen Zusammenhang, aus dem ein Bild entsteht: ein Bild von Geschichte, Gastfreundschaft, Eigenart und Lebensgefühl. Wer sie liest, soll nicht nur wissen, was wo stattfindet, sondern auch spüren, was diesen Ort besonders macht.

Glaubwürdigkeit unter dem Dach der Fränkischen Nachrichten

Dass beide Publikationen unter dem Dach der Fränkischen Nachrichten erscheinen, verleiht ihnen zusätzlich Gewicht und Glaubwürdigkeit. Man merkt ihnen die gewachsene Kenntnis der Region und das Gespür für die Interessen ihrer Leserinnen und Leser an. Hier schreibt kein anonymer Blick von außen. Hier spricht ein Medium, das seine Orte kennt, seine Themen versteht und seine Nähe nicht erst behaupten muss.

Zwei Formate, eine regionale Stärke

Gerade im Zusammenspiel liegt deshalb eine besondere Stärke. Während die Tageszeitung für Aktualität, Einordnung und kontinuierliche Berichterstattung steht, setzen Fränkische Wochenpost und Kur- und Gästezeitung eigene, unverwechselbare Akzente. Die eine ist tief im Alltagsleben der Region verwurzelt, die andere macht ihre gastfreundliche, kulturelle und touristische Seite sichtbar. Zusammen entsteht daraus ein publizistisches Angebot mit Reichweite, Charakter und regionaler Ausstrahlung.

Eigenständig, nah und profilstark

So sind die Fränkische Wochenpost und die Kur- und Gästezeitung am Ende weit mehr als bloße Ergänzungen zur Tageszeitung. Sie sind eigenständige publizistische Formate mit Haltung, Nähe und Profil. Sie machen sichtbar, was vor Ort geschieht, geben Handel, Vereinen, Kultur und öffentlichem Leben eine Bühne, begleiten Gäste und stärken die Identifikation mit der Region. Oder einfacher gesagt: Sie gehören dorthin, wo Menschen wissen wollen, was ihre Heimat bewegt – und wo Gäste spüren möchten, was einen Ort besonders macht.

Zwischen KI, Kreativität und Kundennähe

Jürgen Harth ist der Leiter Digital bei den FN. Im Interview berichtet er von den vielfältigen Aufgaben und den spannenden Chancen, die sich ihm und seinem Team tagtäglich bieten. Von Sabine Holroyd

Jürgen, was gehört alles zu Deiner Arbeit und der Deines Digital-Teams bei FN Media dazu?

Jürgen Harth: Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden digitale Werbe- und Kommunikationslösungen, die zu dem betreffenden Unternehmen und Zielen passen. Uns ist wichtig den Kunden und seinen Bedarf ganzheitlich anzuschauen und nicht einfach Standardprodukte zu verkaufen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: von der Entwicklung einer Website über Suchmaschinenoptimierung – also Maßnahmen, damit ein Unternehmen bei Google besser gefunden wird – bis hin zur Betreuung von Suchmaschinenwerbung, also bezahlten Anzeigen bei Google. Gerade in Zeiten von KI-gestützten Suchergebnissen wird das immer wichtiger. Dazu kommen Videoproduktion, Fotografie und auf Wunsch auch die komplette Betreuung von Social-Media-Kanälen auf Facebook oder Instagram. Neben der Beratung arbeiten bei uns auch Social-Media-Spezialisten und Content-Creator im Team – also Kolleginnen und Kollegen, die Texte, Bilder oder Videos erstellen und digitale Auftritte aktiv mitgestalten. Viele unserer Lösungen funktionieren dabei auch deutschlandweit – und gleichzeitig sind wir für unsere Kunden hier vor Ort persönlich ansprechbar.

Was macht Eure Tätigkeit so besonders?

Harth: Unsere Arbeit lebt von ihrer Vielfalt. Kein Kunde, kein Projekt und kein Tag ist wie der andere. Genau das macht es so spannend. Wir müssen uns immer wieder auf neue Themen, Ziele und Menschen einstellen: Mal geht es um eine Website, mal um eine Kampagne, mal um Fotos, Videos oder Social Media. Dabei braucht es nicht nur fachliches Wissen, sondern auch ein gutes Gespür für Menschen. Gerade bei Foto- oder Videodrehs ist es wichtig, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, damit authentische Ergebnisse entstehen. Besonders beeindruckend sind für mich die vielen Inhaber, Mitarbeiter sowie Auszubildenden, denen wir in unserer täglichen Arbeit begegnen – mit guten Ideen, spannenden Geschäftsmodellen und viel Persönlichkeit.

Welche Rolle spielt KI bei Eurer Arbeit?

Harth: Künstliche Intelligenz wird auch in unserem Bereich immer wichtiger. Sie hilft zum Beispiel dabei, Daten schneller auszuwerten, Zielgruppen besser zu verstehen oder Inhalte effizienter vorzubereiten. Für uns ist KI aber vor allem ein Werkzeug. Ideen, Erfahrung und das Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden kommen weiterhin von Menschen. Gute Beratung lebt auch in Zukunft vom persönlichen Austausch und von Vertrauen.

Wie schafft ihr den Spagat zwischen schneller Umsetzung und maßgeschneiderten digitalen Lösungen?

Harth: Digitale Kommunikation ist heute oft sehr schnell. Gleichzeitig erwarten Kunden zu Recht keine Lösungen von der Stange, sondern Angebote, die wirklich zu ihrem Unternehmen passen. Genau das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit: Wir verbinden Tempo mit genauer Beratung. Wir hören gut zu, verstehen den Bedarf und entwickeln daraus Lösungen, die nicht nur schnell umsetzbar sind, sondern auch langfristig Wirkung entfalten.

Neben Deiner Arbeit bist Du auch in die Weiterentwicklung von fnweb.de, E-Paper und News App eingebunden. Wie muss sich eine Zeitung wie die FN digital verändern, um relevant zu bleiben? In welche Richtung geht die weitere Reise?

Harth: Eine Zeitung wie die FN muss sich dort weiterentwickeln, wo die Menschen heute Informationen nutzen: digital, mobil und auf unterschiedlichen Kanälen. Es reicht nicht mehr, Inhalte nur in einer Form anzubieten. Wichtig ist, nah an den Bedürfnissen der Nutzer zu sein und gleichzeitig die eigene Stärke zu bewahren. In der News App verbessern wir die Lesbarkeit der Inhalte und integrieren Videos aus unserem fnlive-YouTube-Kanal, um ein möglichst ganzheitliches Informationserlebnis zu schaffen. Daneben können sich Nutzer kostenlos über Veranstaltungen informieren oder an die Leerung ihrer Mülltonnen erinnern lassen. In der E-Paper-App gibt es eine tolle Vorlesefunktion für unsere Artikel. Solche zusätzlichen Services machen digitale Angebote im Alltag noch relevanter.

„Bei uns gleicht kein Tag dem anderen“

Der Leiter der FN-Mediavermarktung, Marco Kraus, äußert sich über die Chancen und Herausforderungen in seinem Beruf und erklärt, warum seine Tätigkeit auch „ganzheitlich“ ist.

Marco, der Satz des bekannten Wirtschaftswissenschaftlers Philip Kotler, „Marketing ist die Kunst, Chancen aufzuspüren, sie zu entwickeln und davon zu profitieren“, steht bei deinem LinkedIn-Profil. Dann bist du also nicht nur Leiter der Mediavermarktung, sondern auch „Künstler“, oder?

Marco Kraus: Absolut – wobei ich Kunst in dem Zusammenhang eher als die Fähigkeit sehe, Menschen, Märkte und Entwicklungen richtig zu verbinden. Mediavermarktung ist heute viel mehr als Verkauf. Es geht darum, Chancen früh zu erkennen, kreative Lösungen zu entwickeln und daraus echten Mehrwert für Kunden und Region zu schaffen. Genau das macht den Beruf für mich so spannend.

Was gefällt dir außerdem an deiner Tätigkeit? Wie wichtig ist Kreativität für dich und dein Team?

Kraus: Besonders schätze ich die Vielfalt und die Arbeit mit Menschen. Bei uns gleicht kein Tag dem anderen – genau das macht die Aufgabe so spannend. Besonders stolz bin ich auf unser Team: Viele Kolleginnen und Kollegen kommen selbst aus der Region, kennen die Menschen und Unternehmen hier sehr gut und bringen genau dieses Verständnis jeden Tag mit ein. Gleichzeitig wollen wir uns ständig weiterentwickeln, deshalb hat Weiterbildung bei uns einen hohen Stellenwert. Wir arbeiten mit Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammen und müssen immer wieder neue Wege finden, wie Botschaften Menschen wirklich erreichen. Kreativität ist dabei enorm wichtig – aber nicht nur im klassischen Sinne von Design oder Werbung. Kreativität bedeutet heute auch, neue Plattformen zu denken, Technologien sinnvoll einzusetzen und individuelle Lösungen für Kunden zu entwickeln. Gerade in einer Zeit, in der Inhalte überall verfügbar sind, wird die Idee dahinter immer entscheidender.

KI kann Prozesse beschleunigen – aber gute Ideen, regionale Nähe und echtes Verständnis für Zielgruppen entstehen immer noch im Team.

Früher hat man „einfach“ Anzeigen verkauft – und heute? Was gehört denn alles zu einem maßgeschneiderten Paket der FN?

Kraus: Natürlich gehören Anzeigen auch heute noch dazu – sie sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Kommunikation. Der Unterschied ist aber: Heute denken wir deutlich ganzheitlicher. Es geht nicht mehr um eine einzelne Anzeige, sondern um maßgeschneiderte Lösungen, die Aufmerksamkeit, Vertrauen und messbaren Erfolg für unsere Kunden schaffen. Das kann eine klassische Printkampagne sein, kombiniert mit Online, Social Media, Video, unseren digitalen Werbetafeln - den DOOH-Screens - oder auch spannenden Eventformaten wie unsere erfolgreichen Ausbildungsmessen „Zukunft Karriere“. Entscheidend ist nicht mehr der einzelne Kanal, sondern das intelligente Zusammenspiel verschiedener Medien. Die Herausforderung heute ist: Menschen konsumieren sie völlig unterschiedlich.

Deshalb denken wir crossmedial und vor allem zielgruppenorientiert. Unser Anspruch ist, nicht einfach „nur“ Reichweite zu verkaufen, sondern Relevanz.

Wie erfolgreich sind die DOOH-Screens in der Region?

Kraus: Sehr erfolgreich – vor allem, weil sie Regionalität mit digitaler Dynamik verbinden. Die Screens ermöglichen uns eine schnelle, flexible und aufmerksamkeitsstarke Ansprache direkt im Alltag der Menschen. Gerade regionale Unternehmen schätzen, dass sie ihre Botschaften modern und kurzfristig platzieren können – und trotzdem in einem vertrauenswürdigen regionalen Umfeld sichtbar bleiben. Für viele Kunden ist genau diese Kombination aus digitaler Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit und regionaler Nähe in Verbindung mit redaktionellen Inhalten extrem wertvoll.

Wie wichtig ist das herkömmliche Kundengespräch überhaupt noch? Reicht heutzutage nicht einfach ein Post bei Instagram?

Kraus: Social Media ist wichtig – keine Frage. Aber ein einzelner Post ersetzt keine echte Strategie und schon gar keine persönliche Beratung. Das Kundengespräch ist heute vielleicht sogar wichtiger als früher, weil die Medienwelt deutlich komplexer geworden ist. Unternehmen brauchen Orientierung: Welche Kanäle passen? Welche Zielgruppen erreiche ich wo? Welche Inhalte funktionieren wirklich? Genau dafür braucht es Erfahrung und Vertrauen. Algorithmen liefern Daten – Menschen schaffen Vertrauen. Und gerade im regionalen Umfeld bleibt diese persönliche Beziehung ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wie stehst du persönlich der KI gegenüber? Wo siehst du ihre größten Chancen?

Kraus: Ich sehe KI sehr positiv – vor allem als enorme Chance für Effizienz, Geschwindigkeit und neue kreative Möglichkeiten. Künstliche Intelligenz wird die Mediavermarktung massiv beschleunigen. Der Mensch, der versteht, was für Kunden und Regionen wirklich relevant ist, bleibt jedoch nach wie vor im Mittelpunkt. KI kann uns helfen, Inhalte schneller zu erstellen, Kampagnen besser auszusteuern oder Zielgruppen präziser zu analysieren. Aber Nähe, Vertrauen, Verbundenheit und die persönliche Beratung lassen sich nicht automatisieren.

Die Zukunft gehört aus meiner Sicht nicht den Unternehmen mit der besten KI, sondern denen, die Technologie intelligent mit menschlicher Erfahrung verbinden.

Digitale Innovation auf allen Kanälen

Von der Zeitung in die Zukunft – nah an der Region, stark digital.

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Print, Digital, DOOH und Social Media: So erreichen die Fränkischen Nachrichten die Menschen in der Region – heute und in Zukunft.

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FN-Marketingleiter Michael Wünsch spricht über die Entwicklung seiner Abteilung, aktuelle Anforderungen und künftige Aufgaben und Zielsetzungen. In den Anfangsjahren gehörte die Tageszeitung zum Frühstück wie Butter und Marmelade. Spätestens mit dem Aufkommen des Internets hat sich das massiv geändert. Die Zeitungen müssen sich in einem Informationsmarkt behaupten, der von ganz unterschiedlichen Playern bespielt wird. So gilt es auch für die Fränkischen Nachrichten, sich gut zu positionieren und ihre Bedeutung in Zeiten von Fake News hervorzuheben. Im Zuge dieses Wandels musste auch die Marketingabteilung der FN neue Wege gehen, und sich immer wieder auf neue Gegebenheiten und Anforderungen einstellen. FN-Marketingleiter Michael Wünsch beleuchtet im Folgenden nicht nur die aktuelle Situation, sondern gibt auch einen Ausblick auf anstehende Aufgaben und Ziele.

Bevor Sie 1995 bei den Fränkischen Nachrichten angefangen haben, gab es ja eigentlich keine klassische Marketingabteilung. War gute redaktionelle Arbeit damals Werbung genug – und was hat sich seitdem verändert?

Michael Wünsch:

Als ich 1995 zu den Fränkischen Nachrichten kam, war die FN noch ein sehr klassisches Zeitungshaus. Es gab eine Werbeabteilung, aber Marketing im heutigen Sinne – also strategische Markenführung, Zielgruppenansprache, Leserbindung, Events, digitale Kanäle und neue Geschäftsfelder – war damals noch nicht in dieser Form so stark etabliert und mussten entwickelt werden.

Ich kam als Wirtschaftsingenieur für Werbetechnik und Werbewirtschaft zur FN, mit Stationen unter anderem bei WMF, Porsche und in der Medienbranche. Schon damals war für mich klar: Gute redaktionelle Arbeit ist das Fundament einer Zeitung. Aber sie allein reicht langfristig nicht aus, wenn sich Märkte, Mediennutzung und Zielgruppen verändern.

1995 war die Medienlandschaft noch überschaubarer. Die prägenden Kanäle waren Tageszeitungen, Anzeigenblätter, Radio und Fernsehen. Digitales Denken war damals noch weit weg. Ich erinnere mich gut daran, dass ich intern relativ früh darauf hingewiesen habe, dass das aufkommende Internet die Zeitungslandschaft massiv verändern wird – vor allem die Rubrikenmärkte wie Stellen, Immobilien, Auto und Kleinanzeigen, später aber auch die lokale Informationssuche insgesamt.

Heute wissen wir: Die Medienwelt ist fragmentiert. Menschen informieren sich nicht mehr alle über denselben Kanal. Ein 15-jähriger TikTok-Nutzer erwartet Informationen völlig anders als jemand, der mit der gedruckten Zeitung sozialisiert wurde. Genau hier setzt Marketing an: Gute Inhalte müssen so aufbereitet werden, dass sie die Menschen auf den jeweils passenden Wegen erreichen.

Die FN ist heute nicht mehr nur Zeitung. Sie ist eine regionale Medienmarke mit Print, Digital, Social Media, Webauftritten, Online-Portalen, Veranstaltungen, Leserreisen, DOOH-Screens, Agenturleistungen und vielfältigen Partnerschaften. Diese Entwicklung war zwingend notwendig – und sie war richtig.

Mussten Sie Eigenwerbung und Marketing für die FN dadurch anders denken?

Wünsch: Ja, absolut. Werbung und Marketing müssen immer wieder neu gedacht werden. Märkte verändern sich, Ästhetik verändert sich, Technik verändert sich – und auch die Erwartungen der Menschen verändern sich. Der Satz „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ trifft es sehr gut.

Früher konnte man eine Zeitung vor allem über ihre redaktionelle Qualität, ihre Reichweite und ihre lokale Bedeutung verkaufen. Heute muss man viel stärker erklären, wofür eine Medienmarke steht: für Orientierung, Glaubwürdigkeit, Nähe, Heimat und Verantwortung.

Gerade in Zeiten von Fake News, Social Media, KI-generierten Inhalten und einer permanenten Nachrichtenflut wird verlässlicher Journalismus noch wichtiger. Nachrichten gibt es heute überall. Sauber recherchierte, eingeordnete und verantwortete Informationen gibt es deutlich seltener. Genau hier grenzt sich die FN ab.

Marketing bedeutet deshalb heute nicht nur: „Kauft unsere Zeitung.“ Marketing bedeutet: „Vertraut dieser Marke, weil sie eure Region kennt, weil sie prüft, einordnet und Verantwortung übernimmt.“

Welche Rolle spielen Aktionen wie FN-Card, Events und Leserbindung?

Wünsch: Die stärkste Leser-Blatt-Bindung entsteht nach wie vor durch eine hervorragende Lokalredaktion. Wenn die Redaktion nah an den Menschen, Themen und Sorgen der Region ist, entsteht Vertrauen. Das ist durch keine Aktion und keine Rabattkarte zu ersetzen.

Aber Leserbindung besteht heute aus einem Gesamtpaket. Dazu gehören Redaktion, FN-Card, exklusive Veranstaltungen, rabattierte Angebote, Gewinnspiele, Leserreisen, Medienpartnerschaften und regionale Initiativen.

Die FN-Card ist dabei ein wichtiger Baustein, weil sie zusätzliche Nähe und Mehrwert für Abonnenten schafft. Entscheidend ist aber das Zusammenspiel aller Angebote. Die FN soll insgesamt als Resonanzraum der Region wahrgenommen werden – als Plattform, auf der Menschen, Vereine, Unternehmen, Kultur, Politik und Wirtschaft zusammenkommen.

Beispiele dafür sind Kultur-Medienpartnerschaften, Messen, Wirtschaftsförderungsformate, Familientage, Innovationspreise, das Wirtschaftsforum Spotlight, FN-Reisen oder regionale Veranstaltungsformate. Wir verstehen uns nicht nur als Beobachter der Region, sondern auch als Motor, Impulsgeber und Partner.

Gerade in einem verzahnten ländlichen Raum wie unserer Region mit vielen starken mittelständischen Unternehmen und über 20 Weltmarktführern ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Denn eines gilt für uns seit jeher: Geht es der Region gut, geht es auch der FN gut.

Muss man solche Angebote künftig stärker von der Zeitung lösen?

Wünsch: Teilweise ja. Mittelfristig werden sich einzelne Angebote stärker von der klassischen Zeitung lösen. Die FN-Card oder andere Mehrwertprogramme können künftig auch eigenständige Zugänge zur Marke FN werden – also ein erster Kontaktpunkt für Menschen, die vielleicht noch kein klassisches Zeitungsabo haben.

Das ist eine große Chance. Denn nicht jeder junge Mensch startet heute mit einem E-Paper/Digi-Plus oder Print-Abo. Vielleicht beginnt der Kontakt mit der FN über ein Event, eine Reise, einen Instagram-Beitrag, einen Newsletter, ein Gewinnspiel, eine Messe oder eine regionale Vorteilsaktion. Daraus kann später eine tiefere Beziehung zur Marke entstehen.

Wichtig ist: Die Zeitung bleibt der publizistische Kern. Aber die Marke FN muss auf vielen Wegen erlebbar sein.

Wo geht die Reise hin, wenn die gedruckte Zeitung weiter Marktanteile verliert?

Wünsch: Print wird weiter unter Druck bleiben, das ist keine neue Erkenntnis. Aber Journalismus verliert dadurch nicht automatisch an Bedeutung. Im Gegenteil: Orientierung wird wichtiger.

Wir verlieren ggf. Marktanteile im klassischen Printmarkt, bauen aber neue Kontaktpunkte auf – digital, sozial, live und über zusätzliche Geschäftsfelder. Und die digitale FN-Auflage wächst überproportional. Mit Line Extensions wie FN-Reisen, Messen, Agenturleistungen, Wirtschaftsforum Spotlight, Social Media, DOOH-Angeboten oder regionalen Partnerformaten schaffen wir zusätzliche wirtschaftliche Bausteine. Diese helfen auch dabei, hochwertigen Journalismus weiter zu ermöglichen. Ganz sterben wird Print jedoch nie und als gelernter Drucker schlägt auch mein Herz dafür, -Digital Detox liegt im Trend und beruhigend Analoges erfährt ggf. auch eine Renaissance wie die Vinyl-Schallplatte…

Die entscheidende Frage ist nicht mehr: „Auf welchem Papier erscheint die Nachricht?“ Die entscheidende Frage ist: „Erreicht die Nachricht die Menschen dort, wo sie sind?“

Ob jemand die FN liest, hört, sieht, streamt, im Newsletter bekommt oder über Social Media wahrnimmt – relevante Nachrichten aus der Region finden ihren Weg. Unsere Aufgabe ist es, diese Wege professionell zu gestalten.

Welche Kanäle müssen Sie künftig bespielen?

Wünsch: Gestern, heute und morgen gilt: Wir bespielen nicht in erster Linie Kanäle, sondern Menschen. Entscheidend ist das Mediennutzungsverhalten. Für die einen ist die gedruckte Zeitung weiterhin der wichtigste Tagesbegleiter. Andere nutzen Website, E-Paper, Newsletter, Pushmeldungen, Instagram, Facebook, TikTok, Podcasts, Videos, Veranstaltungen oder digitale Screens im öffentlichen Raum.

Marketing muss diese unterschiedlichen Gewohnheiten verstehen und miteinander verbinden. Es reicht nicht, denselben Inhalt überall gleich auszuspielen. Ein Thema muss je nach Zielgruppe und Kanal anders erzählt werden – mal ausführlich, mal visuell, mal emotional, mal datenbasiert, mal im direkten Dialog.

Wie sieht effektives Zeitungsmarketing im Jahr 2046 aus, wenn die FN 100 Jahre alt werden?

Wünsch: Das Zeitungsmarketing der Zukunft verkauft nicht mehr primär Papier, App oder Digitalabo. Es verkauft Heimat, Orientierung, Vertrauen, Nähe und Zugehörigkeit. Und genau das machen die Fränkischen Nachrichten seit 1946 im Kern schon sehr gut. Der Unterschied ist: Die Werkzeuge ändern sich.

Bis 2046 wird Künstliche Intelligenz vieles automatisieren – Routinetexte, Ausspielung, Personalisierung, Kampagnensteuerung und Datenanalyse. Aber KI ersetzt keine regionale Haltung, kein Vertrauen und keine echte Nähe zu den Menschen. Und auch nicht das Redigieren dieses Textes.

Die FN der Zukunft wird deshalb noch stärker eine regionale Plattform sein. Ein Ort, an dem Journalismus, Wirtschaft, Kultur, Menschen, Veranstaltungen, Reisen, Services und regionale Identität zusammenkommen.

Die Zeitung der Zukunft verkauft nicht einfach Nachrichten. Sie verkauft Verlässlichkeit. Und in einer immer unübersichtlicheren Welt ist genau das vielleicht wertvoller denn je.

KI kann Informationen liefern. Die FN liefert Vertrauen aus der Region.

„Gibt es heute keine Zeitung?“

Petra Hörner und Jutta Haas haben in ihrer langen FN-Laufbahn schon vieles er- und durchlebt. Zusammen kommen sie auf fast 75 Jahre FN: Petra Hörner begann ihre berufliche Laufbahn vor 45 Jahren im Tauberbischofsheimer Kundenforum. Heute ist sie Assistentin der Geschäftsleitung. Jutta Haas gehört den FN seit nahezu drei Jahrzehnten an und ist für die Kundenforen zuständig. Von Sabine Holroyd

Petra und Jutta, was hat Euch in all den Jahren motiviert, dieser Zeitung treu zu bleiben und nicht woanders „anzuheuern“?

Petra Hörner: Mit meiner Ausbildung zur Verlagskauffrau – heute heißt der Beruf Medienkauffrau Digital und Print – war mein beruflicher Weg im Grunde schon früh vorgezeichnet. Da es in unserer Region nicht allzu viele Zeitungen gibt, war mir schnell klar, dass ich in einer spannenden und besonderen Branche angekommen bin. Bis heute schätze ich an meinem Arbeitsalltag vor allem die Kollegialität, den Rückhalt durch gute Vorgesetzte und die vielen Veränderungen, die unsere Branche immer wieder mit sich bringt. Ich sage deshalb auch immer: Ich muss mir keine neuen Herausforderungen in einem anderen Job suchen – die Herausforderungen kommen ganz von selbst zu mir.

Jutta Haas: Ich finde die Vielseitigkeit ebenfalls klasse – und natürlich die netten Kollegen! Bei uns herrscht eine fast schon familiäre Atmosphäre. Wir haben viel zu tun, aber auch viel Spaß!

Erinnert Ihr Euch noch an Euren allerersten Arbeitstag?

Haas: Ja, sehr gut sogar! (lacht).

Was war daran so lustig?

Haas: Eigentlich gar nichts. Ich dachte, das halte ich keine vier Wochen aus. Meine Vorgängerin kannte sich in allen Bereichen bestens aus, und ich befürchtete, dass ich das nie schaffen werde. Jetzt bin ich seit fast 30 Jahren dabei. Ihr habe ich sehr viel zu verdanken.

Hörner: An den ersten Arbeitstag erinnere ich mich nicht mehr, aber an die ersten Wochen. Kurz nachdem ich im Büro angekommen war, musste ich jeden Morgen mehrmals niesen. Das war vermutlich der ganze Papierstaub, den ich nicht gewöhnt war. Mit der Zeit ließ das natürlich nach. Aber daran kann ich mich noch gut daran erinnern. Das war mir am Anfang auch den neuen Kollegen gegenüber richtig peinlich (lacht).

Welche Schlagzeile würde Eure Zeit bei den FN am besten beschreiben?

Hörner: Stetig im Wandel – mit Flexibilität und Kollegialität.

Haas: Zwei Urgesteine bei den FN.

Das Arbeitsleben hat sich extrem verändert. Auf welche Neuerung wolltet Ihr nicht mehr verzichten?

Hörner: Das ist für mich ganz klar der PC. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Früher war Schreiben oft mühsame Handarbeit: Auf der Schreibmaschine bedeutete jeder Tippfehler Korrekturflüssigkeit, Radiergummi oder im schlimmsten Fall ein komplett neues Blatt. Auch Mehrfachexemplare ließen sich nur umständlich mit Kohlepapier erstellen, was Zeit kostete und die Fehleranfälligkeit erhöhte. Heute genügt meist ein Tastendruck am Computer, um Texte zu korrigieren, zu speichern und in Sekundenschnelle per E-Mail zu verschicken. Der digitale Mailverkehr hat die Kommunikation damit nicht nur schneller, sondern auch deutlich unkomplizierter gemacht.

Haas: Das sehe ich ganz genauso.

Welches Wort oder welchen Satz habt Ihr in Eurer Berufslaufbahn wahrscheinlich am meisten gehört?

Haas: Gibt es heute keine Zeitung?

Hörner: Mahlzeit!

Wie wichtig war und ist es Euch, einen netten Kollegenkreis zu haben? Ihr beide verbringt ja ab und zu auch mal gern eine gemeinsame Wellness-Auszeit.

Hörner: Jutta und ich kannten uns ja schon vor unserer Zeit bei den FN. Wir waren in Parallelklassen in der Wirtschaftsschule in Tauberbischofsheim und besuchten gemeinsam den Sportunterricht oder auch den Steno-Kurs - wer weiß heute noch, was das ist? (lacht). Umso mehr habe ich mich gefreut, als sich unsere Wege bei den FN kreuzten. Ein netter Kollegenkreis ist immens wichtig, verbringt man doch mehr Zeit miteinander als zum Beispiel mit dem Partner.

Haas: Eigentlich sind wir beide wie ein „altes Ehepaar“. Verbringen wir mit der Clique ein Wochenende, nehmen wir uns immer ein Doppelzimmer. Petra schläft auf der linken Seite, ich rechts. Absprachen sind bei uns schon lange nicht mehr nötig.

Petra, wie fühlt es sich für Dich an, seit fast 45 Jahren bei dieser Zeitung zu sein? Hattest Du das so geplant?

Hörner: Absolut nicht. Als junger Mensch kann man sich nicht vorstellen, 45 Jahre lang, jeden Morgen, fünf Tage die Woche durch die gleiche Tür zu gehen, das gleiche Treppenhaus zu benutzen. Aber glücklicherweise hat sich das Büro im Laufe der Zeit immer wieder geändert - von daher war da etwas „Abwechslung“. Bei meiner Ehrung für zehn Jahre Betriebszugehörigkeit wurden auch Kollegen für 30, 35, 40, 45 Jahre ausgezeichnet – das konnte ich mir damals gar nicht vorstellen. Heute bin ich selbst so lange dabei. Ich glaube, da spricht vieles für den Arbeitgeber, sonst hätten wir nicht so viele „Langzeitkollegen“.

Was wünscht Ihr dieser Zeitung zu ihrem 80. Geburtstag?

Hörner: Für die Zukunft wünsche ich dem Verlag, dass er den tiefgreifenden Wandel der Medienbranche weiter mit Mut, Innovationskraft und journalistischer Stärke gestaltet – und dabei auch in digitalen Zeiten nah an seinen Leserinnen und Lesern bleibt.

Haas: Dass es sie noch lange gibt!

Wenn’s brennt, klemmt oder crasht: Sven und Marcus regeln’s

Die beiden Mitarbeiter Sven Lehmann und Marcus Kospach sind so etwas wie die Männer für alle Fälle. Ob tropfender Wasserhahn, streikendes Internet, Umbauarbeiten oder spontane Notfälle: Sie sorgen im Hintergrund dafür, dass der Laden läuft – und damit auch dafür, dass die Zeitung produziert werden kann.

Sven und Marcus, ihr zwei seid bei den FN die Männer für alle Fälle. Wie habt ihr hier eigentlich angefangen?

Marcus: Bei mir war es ganz klassisch: Die FN haben einen Hausmeister gesucht, und ich habe vorher schon in dem Bereich gearbeitet. Außerdem wollte ich beruflich etwas näher an meinen Wohnort rücken. Heute komme ich sogar das ganze Jahr über mit dem Fahrrad zur Arbeit – bei fast jedem Wetter.

Sven: Ich bin mit den FN praktisch groß geworden. Früher war ich im Ladenbau, Projektbau und Einkauf tätig und wollte mich beruflich neu orientieren. Dann habe ich die Ausschreibung für die Leitung im Facility Management gesehen und mich beworben. Kurz darauf kam noch die IT dazu. Nach einer Schulung habe ich diesen Bereich ebenfalls übernommen. Heute landet im Grunde alles auf meinem Tisch, was außerhalb der redaktionellen Arbeit anfällt.

Was ist das Erste, was euch in den Kopf kommt, wenn ihr an eure Arbeit bei den FN denkt?

Marcus: Abwechslungsreich – und manchmal auch ziemlich wild. Besonders die Ausbildungsmesse in Osterburken ist mir im Kopf geblieben. Da mussten wir wegen einer terminlichen Änderung morgens um fünf Uhr aufbauen und direkt nach der Messe wieder abbauen. Das war schon ein sehr langer Tag.

Sven: Für mich steht die Umbauwoche in Bad Mergentheim ganz weit vorne. In nur einer Woche wurden dort drei Stockwerke komplett neu gemacht – ausräumen, Böden, Elektrik, streichen, wieder einräumen, anschließen. Da kamen bei mir fast 70 Stunden zusammen.

Was ist so die verrückteste Geschichte, die du bisher umgesetzt hast, Sven?

Sven: Ein echtes Großprojekt war der Umbau unseres Serverraums. Eigentlich hieß es immer, das sei technisch kaum machbar. Ich habe mich dann intensiv eingearbeitet, alles aufgenommen, mit Mannheim abgestimmt und den Umbau organisiert. Samstagmittag haben wir gestartet und Samstagnacht lief alles wieder. Dass das ohne Probleme funktioniert hat, war für mich persönlich schon ein echtes Highlight.

Und dann gibt es natürlich noch viele andere Fälle: etwa Umbauten in Buchen oder Wertheim, spontane Einsätze, bei denen ich im Urlaub in England per Telefon alles koordinieren musste oder Situationen, in denen wir mit etwas Kreativität viel Geld gespart haben. Genau das macht für mich den Reiz aus.

Sven, du bist heute IT-ler und Gebäudemanager, Marcus, du bist Hausmeister. Was macht ihr heute, das so sicher nicht in eurer ursprünglichen Stellenausschreibung stand?

Marcus: Bei mir passt vieles schon noch zum klassischen Hausmeisterjob – aber eben in einer deutlich größeren Bandbreite.

Sven: Bei mir ist die Liste lang. Von IT-Problemen über Baukoordination bis hin zu kompletten Umbauten ist alles dabei. Genau das macht den Job aber auch spannend.

Hand aufs Herz: Wer von euch wird öfter mit einem „Kannst du mal kurz …?“ abgefangen?

Sven: Ganz klar ich. Eigentlich kann ich kaum durchs Haus laufen, ohne angesprochen zu werden. Oft bin ich noch nicht einmal richtig angekommen, da geht es schon los mit: Bildschirm geht nicht, Headset spinnt, Telefon streikt.

Marcus: Das ist mein Vorteil: Ich bin meistens sehr früh da. Da habe ich morgens noch ein bisschen Schonzeit.

Und wie oft wird aus dem „ganz kurz“ dann doch eine längere Geschichte?

Sven: Regelmäßig. Ich habe schon oft meinen Kaffee unter die Maschine gestellt und war dann drei Stunden unterwegs. Die Kollegen wissen inzwischen Bescheid und stellen mir dann manchmal sogar meine Tasse auf den Schreibtisch.

Wie viel Herzblut steckt in eurer Arbeit?

Marcus: Schon sehr viel. Wenn ich etwas angefangen habe, will ich es auch ordentlich fertigbekommen.

Sven: Das merkt man im Alltag. Wir machen vieles selbst, um Kosten zu sparen und weil wir wissen, dass es am Ende funktionieren muss. Da bringen wir auch mal eigenes Werkzeug mit oder bleiben länger, wenn es nötig ist. Uns geht es darum, dass der Betrieb läuft.

Was hat sich in eurer Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Sven: Sehr viel ist digitaler und strukturierter geworden. Ich habe etwa eine Datenbank mit Maßen, Plänen und Übersichten aufgebaut. Früher lief vieles noch über Ordner und einzelne Ablagen. Gleichzeitig wird die Technik natürlich immer umfangreicher.

Marcus: Bei mir war das größte Thema Struktur. Ich habe das Lager Schritt für Schritt so aufgebaut, dass man ordentlich und effizient arbeiten kann. Da gibt es zwar noch Projekte, aber es ist schon viel passiert.

Wenn bei den FN mal einen Tag lang wirklich gar nichts kaputtgehen, ausfallen oder klemmen würde – würdet ihr das genießen oder misstrauisch werden?

Marcus: Ich würde mich freuen. Dann könnte man endlich mal Arbeiten erledigen, die im Alltag oft liegen bleiben.

Sven: Ganz ehrlich: Ein bisschen komisch wäre es schon. Aber wenn niemand meckert und alles läuft, dann ist das eigentlich das größte Kompliment für uns. Dann wissen wir, dass wir unseren Job gut gemacht haben.

Wo seht ihr die FN in zehn Jahren?

Sven: Die FN werden sich weiter verändern. Ich glaube, digitale Angebote und Veranstaltungen werden noch wichtiger. Aber ich bin überzeugt: Die FN wird es weiter geben – nur mit anderen Schwerpunkten.

Marcus: Und irgendetwas zu reparieren, umzubauen oder neu einzurichten gibt es dann ganz sicher auch noch.

Was ist eure größte Erkenntnis bisher bei den FN?

Marcus: Dass man nie auslernt. Es gibt immer wieder neue Situationen, für die man Lösungen finden muss.

Sven: Flexibilität und Kreativität sind das A und O. Gerade bei Aufgaben, von denen erst einmal alle sagen, dass sie nicht machbar sind, merkt man oft: Mit Einsatz und guter Planung geht doch mehr, als man denkt.

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Die ganze Welt entdecken

Tourismus: Persönliche und qualifizierte Beratung sowie die verlässliche Betreuung durch die Reisebüro-Experten sind für Leiter Michael Wünsch der Schlüssel zu einem perfekten Urlaub.

„Reisen ist tödlich für Vorurteile, Engstirnigkeit und Intoleranz. (…) Weite, gesunde und wohlwollende Ansichten über Menschen und Dinge lassen sich nicht erwerben, indem man sein ganzes Leben in einem kleinen Winkel der Erde verbringt“, schrieb Mark Twain 1869 in seinem Buch „Die Reise der Unschuldigen“. Damals wusste der weltberühmte US-amerikanische Schriftsteller aber garantiert nicht, dass er mit dieser Feststellung 157 Jahre später Michael Wünsch aus der Seele sprechen wird. Denn: „Reisen öffnet Horizonte“, betont der Leiter von FN Reisen, der das Kennenlernen und den Umgang mit verschiedenen Kulturen als Bereicherung empfindet und als Chance für die Gesellschaft sieht, sich gegen nationale Strömungen zu wappnen. Und wenn das Ganze dann noch mit Spaß und Leidenschaft verbunden wird, ist das ein großer Gewinn für alle. FN-Reisen steht damit für weit mehr als eine Reisebuchung. Es geht um Vertrauen, Erfahrung, Qualität und persönliche Begleitung – vor, während und nach der Reise. Bei allem steht dabei für die neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FN Reisen die Zufriedenheit ihrer Kundinnen und Kunden im Fokus. Gerne schnüren sie für diese individuelle Gesamtpakete, damit jede Reise zu einem besonderen Erlebnis wird - egal in welchen Winkel der Erde diese auch führen soll. Und dabei stellen sie nicht nur an die gewünschte Destination hohe Qualitätsansprüche, sondern vor allem auch an sich selbst. „Der Schlüssel zum Erfolg von FN-Reisen ist das Team: Menschen aus der Region, die ihre Kunden kennen, selbst Reiseerfahrung sammeln und aus Beratung echte Begleitung machen“, bringt es Michael Wünsch auf den Punkt: „FN Reisen steht für persönliche Beratung, hochwertige Reiseerlebnisse und verlässliche Betreuung.“

Vom klassischen Reisebüro zum Qualitätsanbieter

Nach diesem Credo arbeiten die Reisebüros der Fränkischen Nachrichten jetzt schon seit fast 40 Jahren. Was als klassisches Reisebüro begann, „hat sich zu einem regional verwurzelten Qualitätsanbieter entwickelt – mit besonderer Stärke bei Kreuzfahrten, Fernreisen, Leserreisen, Gruppenreisen und maßgeschneiderten Programmen im Bereich Private Travelling“, erklärt der Reisebüro-Leiter. Dabei liege der besondere Service in der persönlichen Beratung der Kundinnen und Kunden. Denn man biete nicht nur eine Buchung, sondern echte Begleitung: von der Auswahl und Buchung der passenden Reise, Sitzplatzreservierungen, (Haustür-)Transfers zum Flughafen oder Schiff und Ausflügen über die Beratung zu Einreiseformalitäten oder die Nutzung der Flughafen-Lounges bis hin zur Unterstützung, wenn unterwegs einmal etwas nicht wie geplant laufen sollte. Wünsch: „Genau das ist ein entscheidender Vorteil unseres unabhängigen Reisebüros gegenüber Buchungen bei anonymen Online-Portalen.“

Der Weg vom Fax im Dauerbetrieb zu den sozialen Medien

Das heißt aber nicht, dass man nicht mit der Zeit geht und sich den sozialen Medien verschließt. Im Gegenteil. Die Kombination aus „beiden Welten“ ist der richtige Weg. Denn wer möchte, kann sich auf verschiedenen Kanälen im Internet, wie etwa auf Facebook, Instagram oder YouTube, von FN Reisen inspirieren lassen, über mögliche Urlaubsziele informieren und zum FN-Reisen-Team Kontakt aufnehmen. Die Vereinbarung individueller Beratungstermine in den Reisebüros in Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim ist ebenso möglich. Von all dem konnte FN-Reisen-Expedientin Melanie Scholz-Rosenkranz nur träumen, als sie vor knapp 30 Jahren in die Tourismus-Branche „einstieg“. Damals teilten sich Kollegen einen PC, das Faxgerät war im Dauereinsatz. Man arbeitete sich gemeinsam mit dem Kunden durch die Kataloge, um das beste Angebot zu finden. Hatte der Kunde auf der Reise ein Teil der Unterlagen, vor allem das Flugticket, vergessen, war das wirklich ein Problem. „Die digitale Welt erleichtert vieles, auch wenn der Kunde unterwegs ist, erreicht er uns leichter“, freut sie sich über den verbesserten Service. Dennoch sei der persönliche Kontakt mit den Reisebüro-Fachleuten heute gefragter denn je, ist die langjährige FN-Reisen-Mitarbeiterin überzeugt: „Unsere Kunden schätzen unsere hohe Beratungsqualität, den persönlichen Service, unser Fachwissen und den direkten Kontakt. Stammkunden empfehlen uns im Freundeskreis weiter. Kinder, die früher mit ihren Eltern verreist sind, buchen auch heute noch bei uns. So erweitert sich unser Kundenkreis stetig.“ Begeistert ist sie darüber, dass sich eines in all den Jahren nicht verändert hat: „Wir sind und bleiben Reisetraum-Erfüller mit Leidenschaft, die Menschen glücklich machen und die dafür sorgen, dass Urlaubswünsche wahr werden und der Urlaub zu den schönsten Wochen im Jahr wird.“

Direkter Draht zu den Mitarbeitenden

Den direkten Draht zu den Mitarbeitenden und deren Erfahrung sieht der Leiter als größten Pluspunkt eines Reisebüros vor Ort. Und damit die Beratungsqualität dauerhaft stimmt, setzt Michael Wünsch auch auf die kontinuierliche Weiterbildung des Teams. Schließlich gilt auch hier die bewährte Feststellung: Wer etwas mit seinen eigenen Augen gesehen hat, weiß, wovon er spricht. Und weiß aus persönlichen Erlebnissen, was zu einem Kunden passen könnte. Entsprechend gehen die Tourismuskauffrauen und der Tourismuskaufmann der FN regelmäßig auf Inforeisen, um Destinationen, Hotels, Kreuzfahrtschiffe und besondere Reiseformen selbst unter die Lupe zu nehmen. Unterwegs sind sie dabei etwa auf Menorca, in Afrika, in den USA, in asiatischen Ländern wie China oder Japan sowie auf Kreuzfahrten. „So entsteht Beratung aus eigener Erfahrung und nicht nur aus Prospektwissen.“ Und hilfreiche Tipps gibt es dann auch noch gratis dazu. Mit solchen will die Kunden künftig auch Marielouise Baumann unterstützen. Sie absolviert zur Freude von Michael Wünsch bei FN Reisen ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau. „Wir sind in der Branche auf Know-how aus den eigenen Reihen angewiesen. Wenn wir selbst ausbilden, wissen wir, dass die Qualität stimmt.“ Das „Reisebüro-Nesthäkchen“ liebt nicht nur selbst das Reisen und den Kontakt mit verschiedenen Kulturen, sondern vor allem, „Menschen bei der Planung ihrer Reisen zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, unvergessliche Erlebnisse zu schaffen.“ Gleichzeitig schätzt sie die abwechslungsreichen Aufgaben dieses Berufs, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die guten Entwicklungs- und Weiterbildungschancen. Dass der Einsatz für den Kunden sehr hoch ist, zeigen auch die Auszeichnungen für FN-Reisen in den vergangenen Jahren, unter anderem durch touristische Fachinstitutionen wie das Tourismusinstitut an der Universität Trier. Solche Würdigungen bestätigen den hohen Anspruch an Beratung, Service und touristische Kompetenz.

Eigene und maßgeschneiderte Reiseprogramme

Wichtig ist für Wünsch und sein Team, dass sich alle Kunden bei FN Reisen gut aufgehoben und betreut fühlen – egal, wie gut deren Geldbeutel auch gefüllt sein mag. Klassische Pauschalreisen beispielsweise in Deutschlands bis hin nach „Down under“, über den „großen Teich“ hinweg oder auf ein Eiland in der Karibik sind ebenso im Angebot wie die Organisation eigener und maßgeschneiderter Reiseprogramme. So wurden bereits hochwertige Reisen für Partner wie SWR und Radio Ton organisiert. Auch für Unternehmen, Banken, Vereine und Institutionen entwickelt FN-Reisen individuelle Konzepte – etwa exklusive Kundenreisen, Mitgliederreisen oder Private-Travelling-Angebote, etwa für die Sparkasse Tauberfranken. Wie individuell solche Programme sein können, verdeutlicht Wünsch an Projekten aus der Praxis: Dazu zählten eine persönlich ausgearbeitete Hochzeitsreise nach Thailand oder exklusiven Genuss- und Eventformate - etwa auf Mallorca im Can Simoneta mit den Spitzenköchen Marc Fosh und Jürgen Koch. „Solche Beispiele zeigen, dass FN-Reisen nicht nur Reisen vermittelt, sondern Erlebnisse kuratiert – mit Gespür für Zielgruppe, Anlass, Qualität und besondere Momente“, betont Wünsch. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf hochwertigen Touren: Kreuzfahrten, Fernstrecken, Rund-, Kultur- sowie besondere Genuss- und Erlebnisreisen. Um den Geschmack von Kundinnen und Kunden noch besser zu treffen, greift FN Reisen aktuelle Bildungs- und Reisetrends genauso auf wie Reiseideen, die heutzutage auch über Instagram, Social Media, Filme und internationale Bildwelten entstehen. Das gilt beispielsweise für Japan. Wie Wünsch festgestellt hat, ist dieses durch Filme wie Wim Wenders’ „Perfect Days“ wieder in den Fokus gerückt worden: „Solche Impulse übersetzt FN-Reisen in konkrete, hochwertige Reiseerlebnisse.“

Leserreisen sind Erfolgsgeschichte

Diese bieten auch die Leserreisen, welche FN Reisen für die Fränkischen Nachrichten sowie die gesamte Haas-Mediengruppe gestalten und in der kommenden „Saison“ Asien als einen Schwerpunkt haben werden. Michael Wünsch bezeichnet diese zurecht als Erfolgsgeschichte, bei der auch Nachhaltigkeitsaspekte eine Rolle spielen: „Sie verbinden die Marke der Fränkischen Nachrichten mit sorgfältig ausgewählten Programmen, persönlicher Betreuung, besonderen Extras und dem Gemeinschaftserlebnis mit Menschen aus der Region.“ Und dazu erhalten Besitzer der FN-Card Premium drei Prozent Rabatt auf den Reisepreis. Lust auf Urlaub macht sicherlich der persönliche Reisetipp von Michael Wünsch: Nordspanien – insbesondere die Verbindung aus Baskenland, Bilbao, San Sebastián, Biarritz und - wenn es etwas weiter gehen darf - Galicien. „Diese Region vereint Atlantikküste, Kulinarik, Kultur, Architektur und Lebensgefühl. Bilbao steht für moderne Architektur und Kunst, San Sebastián für eine der spannendsten Genussregionen Europas, Biarritz für französisch-baskisches Flair am Meer“, schwärmt er. Und ergänzt: „Wer Wein liebt, sollte außerdem einen Abstecher in die Rioja-Region einplanen – zum Weingut Marqués de Riscal, das international als eines der besten Weingüter der Welt ausgezeichnet wurde.“ FN-Reisen steht damit für weit mehr als eine Reisebuchung. Es geht um Vertrauen, Erfahrung, Qualität und persönliche Begleitung – vor, während und nach der Reise.

Große Freude hat das Team von FN Reisen daran, die Urlaubswünsche seiner Kundinnen und Kunden zu erfüllen. Qualifizierte Beratung bieten (von rechts) Melanie Scholz-Rosenkranz, Diana Schuler, Regina Ditscheid, Nicole Berberich, Sandra Strambace, Simone Shapiro, FN-Reisen-Leiter Michael Wünsch, Björn Ottersen (vorne) und Auszubildende Marielouise Baumann.

Der berühmte Hund "Puppy" vor dem Guggenheim Museum in Bilbao.

Die Wächter des Kaisers von China: die Krieger der Terrakotta-Armee.

Architektonisches Weltwunder und Weltkulturerbe: die Mezquita von Córdoba.

Das Maskottchen Singapurs: der Merlion.

Farbenfroh und kunstvoll gestaltet sind die Figuren an den Tempeln auf Sri Lanka.

Tierische Begegnungen sind im Yala-Nationalpark auf Sri Lanka (so gut wie) garantiert.

Steinalt und tonnenschwer sind die Megalithen von Stonehenge in Großbritannien.

Das Wahrzeichen von Sydney: die Oper.

Der Leuchtturm auf Texxel in den Niederlanden.

Venedig ist immer eine Reise wert.

Die Strategen hinter der Zustellung

Fränkische Presse: Manuela Hofmann und Marcel Surrey steuern ein logistisches Netzwerk für die gesamte Region. Von Klaus T. Mende

Wenn viele noch schlafen, beginnt für sie der „Hochleistungssport“. Zwischen Routenplanung und dem ersten Vogelgezwitscher sorgen Manuela Hofmann und Marcel Surrey mit ihrem rührigen und engagierten Team dafür, dass die Menschen in der Region Tauber-Odenwald informiert in den Tag starten. Ein Besuch bei den Strategen der Zustellung, die weit mehr bewegen als nur Papier.

Doppelspitze Manuela Hoffmann und Marcel Surrey

Es ist dieser eine Moment, kurz vor 4 Uhr morgens, den die meisten Menschen nur aus tiefstem Schlummer kennen. Die Luft ist kühl, die Straßen sind leer, die Stille über der Region wird nur vom fernen Brummen eines Transporters unterbrochen. Während die digitale Welt niemals schläft, bereitet sich hier die analoge Welt auf ihren „großen Auftritt“ vor. Mittendrin: die Mannschaft von Manuela Hofmann und Marcel Surrey. Sie sind die Doppelspitze der Fränkischen Presse, einer hundertprozentigen Tochter der Fränkischen Nachrichten. Und sie verantworten ein logistisches Uhrwerk, das jeden Tag aufs Neue präzise funktionieren muss. Manuela Hofmann ist „das Gesicht“ der Beständigkeit. 1986 begann sie ihre Ausbildung bei den Fränkischen Nachrichten als Verlagskauffrau. Heute, fast vier Jahrzehnte später, gilt sie als die operative Seele der Fränkischen Presse. „Ich habe damals die FN-Post mitaufgebaut“, erinnert sie sich. Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Hier sitzt keine Verwalterin, sondern viel eher eine Gestalterin. Hofmann ist so tief im Thema, dass sie anlässlich der Einführung des Mindestlohns 2015 die Software für die Lohnabrechnung und den Innendienst teilweise selbst programmiert hat. „Ich wüsste gar nicht genau, was ich den ganzen Tag mache, weil so vieles für mich normal ist“, sagt sie bescheiden. Doch beim Blick auf ihr Aufgabengebiet wird klar: Sie jongliert mit Qualitätsmanagement, Gebietsleitungen und Effizienzberechnungen. Ihr Ziel sei es, ihr vielseitiges Arbeitsfeld so klug wie möglich zu nutzen, ohne dass die Qualität leide. „Ich denke mir ständig Möglichkeiten aus, wie man noch effizienter arbeiten kann.“ An ihrer Seite agiert Marcel Surrey. Seit rund sechs Jahren ist der 46-Jährige bei der HAAS-Mediengruppe und verantwortet die Gesamtlogistik. Er ist der Stratege, der den Blick von Mannheim nach Tauberbischofsheim richtet. Sein Fokus liegt auf der Vernetzung und der Modernisierung. „Wir arbeiten mit hochmodernen Geoinformationssystemen“, erklärt Surrey. „Wir überplanen ständig unsere Bezirksstrukturen, um sicherzustellen, dass wir keine Laufwege verschenken. Doch Technik ist bei der Fränkischen Presse kein Selbstzweck. Surray ist stolz darauf, dass Innovationen aus der Region nun auch in der Großstadt Einzug halten: „Das Tool zur Bezirksplanung haben wir hier in Tauberbischofsheim so erfolgreich eingesetzt, dass wir es nach Mannheim übernommen haben.“ Aktuell experimentiert das Team sogar mit einer Logistik-KI, um Bewerbungsprozesse zu beschleunigen und Besetzungsvorschläge für freie Bezirke automatisch zu generieren. „Aber“, schränkt Surrey ein, „bei aller Liebe zur KI: Den Menschen an der Haustür wird sie niemals ersetzen.“ In einer Zeit, in der oft nur das Negative wahrgenommen werde, rückt Marcel Surrey eine Zahl in den Fokus, die ihn sichtlich stolz macht: „Jeden Tag werden etwa 99,85 Prozent aller Zustellungen absolut reklamationsfrei durchgeführt.“ Es sei eine beeindruckende Bilanz. Bei rund 400 Zustellern, die jede Nacht auf einer riesigen Fläche unterwegs seien, grenze diese Quote an Perfektion.

Manuela Hofmann und Marcel Surrey bilden die Doppelspitze der Fränkischen Presse. Bild: Klaus T. Mende

Auch mal mit Sorgen und Nöten konfrontiert

Natürlich gebe es auch Nöte und Sorgen, mit denen man sich konfrontiert sehe. Der steigende Mindestlohn sei eine Herausforderung, die Bürokratie nehme stetig zu, und der Nachwuchs an Zustellern sei auf dem Land schwerer zu finden als in einer Großstadt. „Früher kannte auf dem Dorf jeder jeden, da gab es kaum Beschwerden beim Verlag, wenn mal was schiefging“, sagt Hofmann. Heute sei die Erwartung höher. „Wenn es im Winter spiegelglatt ist, kann der Zusteller oft gar nichts dafür, wenn die Anlieferung hakt. Ein wenig mehr Verständnis der Leser für diese extremen Bedingungen wäre manchmal schön“, ergänzt sie. Die Fränkische Presse hat sich längst zum vielseitigen Dienstleister gewandelt. Neben der Tageszeitung werden täglich fünfstellige Mengen an Briefen zugestellt. „Wir haben eine Kooperation mit der Main Post und stellen Briefe im gesamten Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis zu“, erklärt Manuela Hofmann. Dass dem Team vertraut wird, zeige sich bei Großaufträgen wie der Landtagswahl. „Wir haben den Auftrag bekommen, die Wahlbenachrichtigungen und Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl zuzustellen“, berichtet Surrey. „Das tut man nur, wenn man weiß, dass die Organisation dahinter absolut zuverlässig ist.“ Trotz der harten Arbeit bei Wind und Wetter betonen beide Geschäftsführer die positiven Seiten des Zusteller-Daseins. Es sei ein Job für Eigenbrötler im besten Sinne, für Menschen, die ihre Freiheit lieben. „Man ist sein eigener Chef, man ist an der frischen Luft, und der oft zitierte Fitness-Effekt ist real“, sagt Marcel Surrey. Viele Zusteller seien seit Jahrzehnten dabei, schätzten die Bewegung und das Gefühl, etwas Wichtiges für die Gemeinschaft zu tun. Und dann sei da noch der persönliche Kontakt, der entgegen mancher Trends doch noch existiere. Besonders zur Weihnachtszeit zeige sich die Verbundenheit der Leser mit „ihren“ Zustellern. „Die Menge an Geschenken und Umschlägen, die wir für unsere Zusteller entgegennehmen und zuordnen, ist jedes Jahr überwältigend“, erzählt Manuela Hofmann mit einem Lächeln. Es sei die stille Anerkennung für eine Arbeit, die meist im Verborgenen stattfinde. Wenn man Hofmann und Surrey nach der Zukunft befragt, blitzt Optimismus in ihren Augen auf. „Unser Ziel ist es, durch effiziente Logistik dafür zu sorgen, dass es das Printprodukt noch viele Jahre gibt“, so Surrey. Die Reportage endet dort, wo sie begonnen hat: Bei den Menschen. Manuela Hofmann, die stolz auf ihre Mannschaft ist, wie sie jeden Tag die Zustellung souverän regelt, auch wenn es mal zahlreiche spontane Ausfälle gibt, „fühlt sich manchmal wie 100“, wie sie schmunzelnd meint. Aber man sieht ihr an, dass sie für diesen Job brennt. Und Marcel Surrey, der den Spagat zwischen Finanzen und operativer Steuerung meistert, ist sich sicher: „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Wenn wir gemeinsam rudern, bleibt die Fränkische Presse in sicheren Gewässern.“ Wenn die Leser also frühmorgens die Zeitung aus dem Kasten holen oder einen Brief öffnen, sollten sie kurz an die gut 400 Nachtschwärmer und das Team in Tauberbischofsheim denken. Denn hinter jeder Nachricht steckt ein logistisches Meisterstück, das weit mehr ist als nur Tinte auf Papier.

Karriere mit Zukunft: Die FN als Sprungbrett für junge Talente

Egal ob Volontariat, duales Studium oder doch klassische Ausbildung – bei den FN eröffnen sich vielfältige Karrierewege.

Seit Jahrzehnten bilden die Fränkischen Nachrichten an ihren vier Standorten in Tauberbischofsheim, Bad Mergentheim, Wertheim und Buchen junge Menschen aus und ermöglichen ihnen damit einen gelungenen Start ins Berufsleben. Medieninteressierte können sich für drei verschiedene Ausbildungswege bewerben: Neben der Ausbildung zu Medienkaufleuten Digital & Print bietet das Redaktionsvolontariat schreibbegeisterten Menschen den idealen Einstieg in den Journalismus. Seit 2020 haben zudem Studieninteressierte die Möglichkeit, bei den FN den Bachelor of Arts im Bereich Medien- und Kommunikationswirtschaft zu absolvieren. Weiterhin werden in den FN-Reisebüros auch junge Menschen zu Tourismuskaufleuten ausgebildet.

Den spannenden Geschichten auf der Spur

Zahlreiche Volontäre starteten bereits bei den FN in ihre journalistische Zukunft – viele von ihnen sind noch heute Teil des Redaktionsteams. Sie lernen in den zwei Jahren ihrer Ausbildung alle wesentlichen Redaktionsbereiche einer Tageszeitung kennen. Am Newsdesk der Lokalredaktion unterstützen sie bei den täglichen Arbeitsabläufen, redigieren Texte oder layouten die Zeitungsseiten. Im Reporterteam betreuen sie freie Mitarbeiter, besetzen Termine und sind immer auf der Suche nach der neuesten Geschichte. Sie recherchieren und berichten zu Themen, die für die Leser in der Region relevant sind. Dabei wird immer crossmedial gedacht. Neben dem Zeitungsfoto wird auch immer öfter ein kurzes Video für die verschiedenen Social-Media-Kanäle der FN gedreht. In zusätzlichen Seminaren bekommen die angehenden Redakteure weiteres Wissen vermittelt. Da geht es beispielsweise um die verschiedenen Darstellungsformen, das Presserecht oder Onlinejournalismus. Außerdem bekommen sie Einblicke in die überregionalen Redaktionen des Mannheimer Morgen, der den Mantelteil für die Fränkischen Nachrichten erstellt.

Azubis übernehmen schon früh Verantwortung

Einer der ältesten Ausbildungsberufe bei den FN ist der zur Medienkauffrau beziehungsweise zum Medienkaufmann Digital & Print, früher noch Verlagskauffrau und Verlagskaufmann genannt. Die Auszubildenden sind für alle kaufmännischen Tätigkeiten verantwortlich, die bei der Organisation, der Herstellung, dem Verkauf und dem Vertrieb von Medienprodukten anfallen. Dabei durchlaufen sie innerhalb von zweieinhalb Jahren alle für den Beruf relevanten Abteilungen. Dazu gehört etwa die Mediavermarktung mit dem Innen- und Außendienst. Hier lernen die jungen Erwachsenen unter anderem, wie man eine Kleinanzeige aufnimmt oder einem Geschäftskunden eine Anzeigenkampagne zusammenstellt. Im Marketing dürfen sie bei der Organisation von Veranstaltungen helfen, Social-Media-Posts auf den verschiedenen Websites erstellen und diese dann im Auge behalten. Im Vertrieb dreht sich alles um den Verkauf und die Zustellung der Medienprodukte. Ob man im Aboservice Kunden berät, Reklamationen entgegennimmt oder den Versand der Wochenpost vorbereitet: Der Auszubildende arbeitet aktiv am Tagesgeschehen mit. Weitere Abteilungen sind das Kundenforum, die Fränkische Presse, die Personalabteilung und die Buchhaltung. Die Berufsschule der Auszubildenden ist die „Klara-Oppenheimer-Schule“ in Würzburg. In Fächern wie Sozialkunde, gesamtwirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Prozessen oder kaufmännischer Steuerung und Controlling erhalten sie alle wichtigen Informationen für ihr späteres Berufsleben. Studieninteressierte können bei den FN ein duales Studium im Bereich Medien- und Kommunikationswirtschaft absolvieren. Während des Studiums – bestehend aus dreimonatigen Theoriephasen an der Dualen Hochschule in Ravensburg und Praxisphasen im Betrieb – lernen die Studenten die unterschiedlichen Bereiche des Unternehmens kennen. Von der digitalen Mediavermarktung bis zum Marketing geben die Abteilungen Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Getreu dem Motto „Learning by doing“ werden die Studenten bei den FN aktiv an Projekten beteiligt und übernehmen so Verantwortung, beispielsweise als Projektassistent. In der Theorie an der Hochschule erwarten sie unter anderem Fächer der Betriebswirtschaftslehre, Medienbetriebslehre, Medienforschung oder Mediaplanung als Profilfächer. Das Studium dauert sechs Semester an der DHBW. Zusätzlich bieten die FN weitere Seminare zu relevanten Themen an.

Alles rund um den perfekten Urlaub

In den FN-Reisebüros in Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim absolvieren angehende Tourismuskaufleute ihre dreijährige Ausbildung. Dort lernen sie, für Reisebegeisterte den passenden Urlaub zusammenzustellen. Ob Pauschal- oder Individualreise, Hotel, Ferienwohnung oder Mietwagen – die Auszubildenden analysieren die Wünsche ihrer Kunden, beraten zu weltweiten Zielgebieten und bieten passende Zusatzleistungen an. Auch wenn einmal Unzufriedenheit aufkommt, stehen sie den Kunden zur Seite und kümmern sich um Reklamationen, Stornierungen oder geeignete Reisealternativen. Natürlich gehört es auch dazu, Rechnungen zu erstellen und Veranstalterabrechnungen zu prüfen. Zweimal pro Woche besuchen die angehenden Tourismuskaufleute die Klara-Oppenheimer-Berufsschule in Würzburg. Dort erwerben sie in Fächern wie Tourismusprozesse sowie betriebs- und gesamtwirtschaftliche Prozesse wichtige Kenntnisse für ihren Beruf. Sie lernen, Verkaufsgespräche zu führen, erweitern ihr Wissen in der Länderkunde und erhalten einen umfassenden Einblick in das Reiserecht. Mehr über die Ausbildung bei den FN unter https://www.haas-mediengruppe.de/karriere

Von Druck bis Auslieferung: Wie die Zeitung zu den Lesern kommt

Blick hinter die Kulissen: In Mannheim werden die vier Ausgaben der Fränkischen Nachrichten gedruckt. Der Weg von der freigegebenen Seite bis zur Auslieferung nach Tauberbischofsheim zeigt eine perfekt getaktete Nachtlogistik. Von Maren Greß

Mittwochabend, 18 Uhr. In der Druckerei des „Mannheimer Morgen“ in der Dudenstraße herrscht so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm. Während sich nach und nach die Kollegen aus den anderen Abteilungen in den Feierabend verabschieden, geht dort die Arbeit nämlich erst richtig los. Um 18.45 Uhr beginnt unter der Woche der Andruck der Fränkischen Nachrichten. „So früh schon?“ Mag sich der ein oder andere denken. Ja, und das hat unter anderem logistische Gründe. Denn die Zeitungen müssen danach noch verpackt, verladen, mit Autos zu Zustellern gebracht und ausgetragen werden. Wie dieser Prozess von der Abgabe der letzten Seite durch die Redaktion bis zur Auslieferung an die Zusteller funktioniert, habe ich mir vor Ort in Mannheim angeschaut. Guido Moch, der technische Leiter von Produktsteuerung, Rotation und Versand, führt mich durch die großen Hallen. Wenn die Seite von der Redaktion für den Druck freigegeben wird, landet sie erst einmal noch auf dem Rechner der Produktsteuerung – in der sogenannten Control-Abteilung. Wie der Name schon verrät, kontrollieren die Mitarbeiter die Seiten noch einmal, bevor sie endgültig für den Druck freigegeben werden. Das passiert alles digital über den PC. Erst wenn es von dort das „Go“ gibt, werden die Druckplatten erzeugt. Dabei werden die digitalen Druckdaten direkt auf die Aluminiumplatten belichtet. Der diensthabende Drucker holt die fertigen Platten ab und sortiert sie passend nach Seitenzahlen in eine Art Regal ein. Von dort zieht sich der Roboter die Platten und setzt sie an die korrekte Stelle in der Druckmaschine ein. „Wir drucken im sogenannten Offset-Verfahren“, erklärt Guido Moch. Das Verfahren beruht dabei auf einem einfachen chemischen Prinzip: Der Abstoßung von Fett und Wasser.

Die Qualitätskontrolle erfolgt durch den Fachmann

Vieles funktioniert während des Druckens zwar automatisch. Die Qualitätskontrolle bleibt dabei aber weiter in den Händen des Fachmanns. Mehrmals holt er sich eine frische Zeitung aus dem Stapel und kontrolliert die Farben. Bei Bedarf kann er diese noch korrigieren. Auch wird geprüft, ob die Seiten die richtige Reihenfolge haben. Der Druck der Exemplare aller vier FN-Ausgaben dauert etwa eine Stunde. Es ist inzwischen kurz vor 20 Uhr. An sogenannten Klammerketten werden die Zeitungen „fliegend“ weiter in die Versandabteilungen transportiert. Dort werden sie gegebenenfalls mit Beilagen und Prospekten bestückt, bevor sie auf Stapel gebündelt werden. Jetzt beginnt die Arbeit von Bernd Schmidt und seinem Team. Sie sorgen dafür, dass die Zeitungen von Mannheim zu den einzelnen Orten im Verbreitungsgebiet transportiert werden. Bevor die Zeitungsstapel ins Auto geladen werden, sortieren die Mitarbeiter sie noch passend nach Ortschaften und Straßen. So haben sie es später leichter, wenn die Zeitungen an die Zusteller ausgeliefert werden. Man merkt: Die machen das nicht erst seit gestern. Ohne einen Blick auf die Liste zu werfen, werden die Zeitungen abgezählt, gebündelt und ins Auto geladen.

Wenn das Arbeiten mitten in der Nacht nicht stört

Gegen 20.30 Uhr rollt das erste Fahrzeug in Mannheim vom Hof. Ich fahre mit Benjamin Kleibrink zurück. Bevor wir losfahren, wirft er noch einen Blick aufs Navi: Am späten Nachmittag hatte es einen schweren Unfall auf der A6 gegeben, inklusive Vollsperrung. Aber die Strecke ist inzwischen wieder frei. Wir können über die Autobahn zurückfahren. Ich bin mindestens genauso fasziniert von Benjamins Job, wie er von meinem. Eigentlich, erzählt der 35-Jährige, ist er Austräger. Er fährt nur aushilfsweise, wenn gerade Bedarf ist. Das Arbeiten mitten in der Nacht, wenn andere schlafen, mache ihm nichts aus. „Ich habe davor schon Nachtschicht gearbeitet. Und gerade im Sommer ist das toll, denn um diese Uhrzeit ist es meistens angenehm“, sagt er. In Heilbronn müssen wir kurz von der Autobahn abfahren. Wir haben einen Pack Zeitungen dabei, der mit der Post verschickt wird. Der wird dort direkt ins Verteilzentrum gebracht. Um kurz nach 22 Uhr schmeißt mich Benjamin am Autobahnparkplatz in Osterburken raus. Während ich total platt bin und mich in den Feierabend verabschiede, fängt für ihn die Arbeit gerade erst an: Nachdem er die Zeitungen am Umschlagplatz in Tauberbischofsheim abgeliefert hat, fährt er nach Assamstadt und startet dort seine Tour als Austräger.

Der Drucker überprüft, ob die Seiten die richtige Reihenfolge haben.

Die Qualitätskontrolle bleibt trotz Automatisierung in den Händen des Druckers. Er überprüft die Farben und kann sie gegebenenfalls anpassen.

An den sogenannten Klammerketten werden die Zeitungen „fliegend“ in die Versandabteilung transportiert. Dort können sie noch mit Beilagen bestückt werden.

Die Zeitungen werden auf Stapel gebündelt und in die Autos verladen.

Das Auto ist vollgeladen mit Zeitungen. Von Mannheim werden sie nach Tauberbischofsheim und dann weiter zu den Zustellern transportiert.

Blick in das Papierlager. Auf einer Rolle sind rund 22 Kilometer Papier.

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Ein Sprungbrett ins Berufsleben: „Zukunft Karriere“

Mit mehreren Ausbildungsmessen bieten die Fränkischen Nachrichten einen detaillierten und abwechslungsreichen Blick in die Berufswelt der Region.

Die einen wissen es früher, die anderen überlegen länger, doch irgendwann muss jeder Schulabgänger die Frage, wie es nach dem Schulabschluss weitergeht, beantworten können. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie nie: Über 300 Ausbildungsberufe kennt der Bundesverband für Berufsbildung, dazu kommen duale und klassische Studiengänge. Wer in diesem Gewirr an verschiedenen Chancen seinen passenden Beruf finden will, muss sich gut informieren. Eine Möglichkeit hierzu bieten die Ausbildungsmessen „Zukunft Karriere“ der Fränkischen Nachrichten. Seit vielen Jahren heißt es im Frühjahr stets: Messezeit in mehreren Städten des Main-Tauber- und Neckar-Odenwaldkreises. Dutzende Aussteller aus den unterschiedlichsten Branchen präsentieren sich hier: Soziales wie etwa die Kranken- oder Altenpflege, Technisches wie Maschinenbauer oder Mechaniker, aber auch kaufmännische Berufe wie etwa bei einer Bank – nur ein paar von teils bis zu 60 Ausstellern, die sich auf einer FN-Messe präsentieren. Wer denkt, in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz habe sich ein persönlich-analoges Format wie die klassischen Ausbildungsmessen überlebt, der täuscht sich. Denn der persönliche Austausch mit Unternehmensvertretern, das unmittelbare Sehen und Erleben einer Berufswelt in Verbindung mit aufgelockerten Elementen wie etwa einem gemeinsamen Match am Tischkicker – diese Mischung lockt Jahr für Jahr Hunderte Besucher an die Standorte der FN-Messen. Ob unter der Woche als Schulklasse oder am Wochenende in Begleitung der Eltern: „Zukunft Karriere“ hat sich als fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders in der Region etabliert. „Das wird nie ganz durch das Digitale ersetzt werden können“, ist Michael Wünsch, der bei den Fränkischen Nachrichten Marketing und Events verantwortet, überzeugt.

Zwischenüberschrift: Wandlungsfähigkeit als Erfolgsrezept für das Format

Ein Erfolgsgeheimnis der Messen? „'Zukunft Karriere'“ hat sich in den vergangenen Jahren von einer klassischen Ausbildungsmesse zu einer modernen Plattform für Berufsorientierung, Arbeitgeberkommunikation und persönlichen Austausch entwickelt. Neue Veranstaltungsorte, Formate wie der Ausbildungsbrunch, digitale Ergänzungen wie AzubiMatch oder zusätzliche Angebote wie Karriereabende zeigen, dass wir das Format konsequent an die Bedürfnisse von Schülern, Eltern, Schulen und Unternehmen anpassen“, betont Wünsch vor allem die Wandlungsfähigkeit des Formats. Denn die Verantwortlichen sind bei den Messen stets vor Ort, beobachten den Verlauf genau und holen Feedback aller Beteiligten ein, das in den kommenden Messen berücksichtigt wird. So ist zwar letztlich keine Messe genau wie die anderen in den Vorjahren, dennoch wissen Interessierte, was sie bei „Zukunft Karriere“ grundsätzlich erwarten können: Einen Austausch auf Augenhöhe, lockere Informationsangebote zu vielfältigen Berufen in einer unverkrampften Atmosphäre, die zu Gesprächen ermutigt. Allein die Möglichkeit, am Tischkicker mit einem Unternehmensvertreter niedrigschwellig ins Gespräch zu kommen, hat sich auf Anhieb zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Ergänzt wird der „Infotainment“-Ansatz, der Information und Entertainment verbinden soll, durch einen DJ sowie eine interaktive FamilyChallenge, bei der man sich durch das Erfüllen von Aufgaben Preise „erspielen“ kann. Ein kostenloser Brunch mit allem, was das Herz begehrt, rundet das Angebot ab. Aus dem stetigen Feedback hat sich dann 2025 erstmals auch der Karriereabend im Herbst entwickelt, bei dem in Bad Mergentheim mit ähnlichem Konzept nicht nur Berufseinsteiger und Schulabgänger, sondern vor allem auch bereits etablierte Fachkräfte ein spannendes Informationsangebot zu Karrieremöglichkeiten erhalten. Ergänzt mit informativen Vorträgen rund um die aktuelle Arbeitswelt und Wissenswertem zur Jobsuche entstand so ein After-Work-Format, das ebenfalls Potenzial zum „Dauerbrenner“ hat. Für FN-Eventchef Michael Wünsch ist klar: „Der Erfolg gibt uns recht. Die Firmen besetzen durch unsere Messen ihre Ausbildungsstellen.“ Und die nächste Chance dazu besteht schon bald, denn bei den FN gilt inzwischen: Nach der Messe ist vor der Messe!

Unsere Region aus einer neuen Perspektive.

Von oben betrachtet: So vielfältig ist unsere Heimat.

Beim Rundflug über das Verbreitungsgebiet der Fränkischen Nachrichten zeigt sich, was unsere Region ausmacht: historische Städte, Dörfer, traditionsreiche Klöster – Felder, Wiesen, Wälder & Flüsse. Text: Michael Fürst

Ein Frühstück ohne Zeitungsschau ist undenkbar

Für Edeltrud und Heinrich Ballweg ist das morgendliche Ritual ein liebgewonnenes Stück Alltag

Edeltrud Ballweg sitzt an ihrem Küchentisch. Auf dem Holzregal stehen Gegenstände aus längst vergangenen Tagen – alte Krüge und kleine Butterfässer. An der Wand hängen Bastelarbeiten der Enkelkinder. Aus der Kaffeemaschine sprudelt gerade frisch aufgebrühter Kaffee. Vor Edeltrud Ballweg liegt die aktuelle Ausgabe der Fränkischen Nachrichten, eine Lupe und viele dicke Ordner mit Zeitungsauschnitten, die sie im Laufe vieler Jahre sammelte. „Ich habe jeden Morgen das gleiche Ritual. Gleich nach dem Aufstehen gehe ich an den Briefkasten und hole die Zeitung rein. Noch bevor ich ins Bad gehe, überfliege ich schon die Titelseite. Während ich die Hühner rauslasse, läuft der Kaffee durch. Dann richte ich mein Essen. Anschließend frühstücke ich und lese dabei in aller Ruhe meine Zeitung. Das mache ich seit vielen Jahren so“, erklärt sie voller Stolz.

Seit 60 Jahren die Informationsquelle

Für Edeltrud Ballweg wären Marmeladenbrot und Kaffee ohne Fränkische Nachrichten gar nicht denkbar. Seit mehr als 60 Jahren ist die Zeitung ihre Informationsquelle. „Wenn man mich fragt, sage ich immer, das Schönste am Tag ist morgens das Kaffeetrinken und dabei Zeitunglesen“, gibt die 84-jährige Hundheimerin zu. Ihr Mann Heinrich Ballweg nickt zustimmend. Der 86-Jährige hat viele Jahre bei der Firma Lutz in Wertheim gearbeitet und tatkräftig im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern mitgeholfen. Im Juli 1967 heirateten die beiden waschechten Hundheimer und lebten von da an in Heinrich Ballwegs Elternhaus. Große Sprünge waren bei nur einem Einkommen und vier Kindern nie möglich. „Heute frage ich mich manchmal, wie ich das alles auch finanziell geschafft habe“, sagt Heinrich Ballweg bescheiden. Echter Urlaub ist für die beiden Senioren bis heute ein Fremdwort. Eine Zeitung dagegen gehörte immer in ihren Haushalt. So übernahmen sie das Abonnement von Adolf Ballweg. „Ich kann mich noch erinnern, es gab Zeiten, da hat die Zeitung sechs Mark im Monat gekostet“, meint Heinrich Ballweg und hebt ein wenig den Zeigefinger. „Ach, das ist doch schon so lange her“, meint seine Frau und winkt ab. Heinrich Ballweg zuckt mit den Schultern. Ist seine Frau am Morgen fertig mit dem Studium der Zeitung, liest sie anschließend Heinrich Ballweg. Genau wie Edeltrud interessiert ihn alles, von der Politik, dem "Treiben Donald Trumps und Wladimir Putins" über regionale Veranstaltungen bis hin zum Sport. „Und die Todesanzeigen“, ergänzt Edeltrud Ballweg.

Interessante Artikel werden gesammelt

Beim Sport haben beide klare Vorlieben. Neben den Ergebnissen der Dortmunder Fußballer interessiert sie der regionale Sport – vor allem, wenn die Hundheimer Vereine gewonnen haben. Anschließend wird über das Gelesene durchaus auch diskutiert. Gegen Mittag wandert die Zeitung dann ein paar Häuser weiter zu Tochter und Schwiegersohn. Im selben Zug holt Edeltrud die Zeitung vom Vortag zurück. Denn die benötigt sie für ihr Hobby. Noch einmal schaut sie die Fränkischen Nachrichten durch, schneidet jeden interessanten Artikel aus, heftet ihn fein säuberlich in einen ihrer zehn Ordner ein und schreibt das Erscheinungsdatum dazu.  „Da kann ich mich verweilen“, sagt Edeltrud Ballweg. Die Freude daran ist ihr direkt anzumerken. Ihr Mann lächelt. „Ich schaue abends Fernsehen – sie schneidet und klebt“, sagt er. Die Inhalte der dicken Hefter sind natürlich thematisch geordnet und stammen alle aus den Fränkischen Nachrichten und einer Illustrierten. Da gibt es etwa einen Hefter mit lauter wunderschönen Schmuckbildern, die den Terminkalender in den FN seit vielen Jahren bereichern. Darunter findet sich sogar ein relativ aktuelles Bild aus Hundheim, auf dem mehrere Osterhasenfiguren zu sehen sind. Ein Ordner hat zum Hauptthema die Städte Berlin und Potsdam, weil dort Verwandte wohnen. Neben vielen Tiergeschichten sammelt Edeltrud Ballweg Artikel über Menschen, die ein spezielles Hobby haben, und über Museen in der Region, die das Leben der vergangenen Jahrhunderte vor allem in der Landwirtschaft abbilden. Natürlich dürfen Artikel über das Bauernhofmuseum des Bertold Hollerbach in Distelhausen im Ordner nicht fehlen.

Ein dicker Hefter über Thomas Bach

Auch Artikel von der FN-Sommerserie 2003 sind archiviert. Ein dicker Hefter ist nur mit Artikeln über den früheren Fechter und ehemaligen IOC-Chef Dr. Thomas Bach gefüllt. Dessen Großeltern stammen aus Hundheim und sind mit Ballwegs verwandt. Auch ein Artikel über Edeltrud selbst findet sich in ihrem Archiv. „Da ging es um Weihnachtsgebäck. Aber das ist schon lange her“, sagt sie. Sicher, der neue Beitrag aus der Sonderbeilage zu 80 Jahre FN wird auch in einem ihrer zehn Ordner abgeheftet. Über die teilweisen Lesegewohnheiten der Kinder und Enkel rümpfen beide Ballwegs ein wenig die Nase. „Digital? Nein, das geht bei uns nicht. Es gibt doch nichts Schöneres, als morgens die Papier-Zeitung aufzuschlagen“, sagt Edeltrud Ballweg. „Solange wir leben, darf die Zeitung auch nicht abbestellt werden“, sind sich die beiden einig und nicken sich mit einem Lächeln bestätigend zu.

Events sind Teamarbeit

Ein Eventteam um Michael Wünsch kümmert sich um den immer wichtiger werdenden Bereich der Veranstaltungen. Er erklärt unter anderem, warum erfolgreiche Veranstaltungen für ihn kein Grund zum Ausruhen sind.

Verschiedene Medienpartnerschaften (Konzertreihe „Live im Schloss“, die Laufserie, die Festspiele in Röttingen, die Burgfestspiele in Jagsthausen oder die Jeunesses Musicales), die Ausbildungsmessen „Zukunft Karriere“, das Wirtschaftsforum „Spotlight“, die Gesundheitsmesse „FN Vital“ und bald auch eine Veranstaltung zum Thema „Bauen und Wohnen“ – der Veranstaltungskalender der Region wird durch die Fränkischen Nachrichten inzwischen gut gefüllt. „Es ist unendlich viel los, von Jahresanfang bis -ende“, erzählt Michael Wünsch mit einem Grinsen. Er verantwortet mit einem kleinen Team die Veranstaltungen der Fränkischen Nachrichten. Von der Entscheidung, als Medienhaus auch in diesem Bereich aktiv zu werden, ist er voll überzeugt. „Das Veranstalten von Events hilft dem Medienhaus bei dem allgemeinen Wandel der Branche, weil es so breiter aufgestellt ist“, so Wünsch. Der Bedarf nach solchen Veranstaltungen sei da und wachse, „es ist ein Wachstumsmarkt“.

Erfahrungen aus den Reisebüros helfen bei der Veranstaltungsorganisation

Als erfahrener Reiseveranstalter brachte das Medienhaus viel organisatorisches Know-how mit, das bei der Veranstaltungsplanung hilfreich ist: Planung, Ablaufsteuerung, Kundenbetreuung, Partnerkoordination, verlässliche Prozesse und ein gutes Gespür für Servicequalität. „Auch wenn Reisen und Messen unterschiedliche Produkte sind, gibt es in der Organisation viele verwandte Anforderungen. Diese Erfahrung hat geholfen, Veranstaltungen professionell zu denken und schrittweise weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt für die Erweiterung des Portfolios war damals auch die Corona-Zeit, in der neue Wege gesucht wurden, Menschen, Unternehmen und Themen trotz veränderter Rahmenbedingungen miteinander zu verbinden“, blickt Wünsch auf die Anfangszeiten des Betätigungsfeldes zurück. Inzwischen verfügen die FN sogar über eine Eventmanagerin, die sich vorrangig um die Veranstaltungen kümmert. „Das war bei dem Arbeitsaufkommen irgendwann einfach notwendig“, beschreibt Wünsch die Entwicklung. Denn hinter jedem Format steckt viel Detailarbeit: Konzeption, Partnergewinnung, Ausstellerbetreuung, Vermarktung, Organisation, Technik, Ablaufplanung und Nachbereitung müssen ineinandergreifen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich: Der FN-Eventchef ist zwar zufrieden mit den bisherigen Veranstaltungen, doch ein Grund, sich auf dem Etablierten auszuruhen, ist das nicht. „Der Markt ist agil, das ist alles nicht in Stein gemeißelt“, erzählt er. Auch deshalb entwickle man sowohl bestehende Formate stets weiter als auch gänzlich neue Events. So unter anderem die Fachmesse „Bauen, Wohnen und Renovieren“, die im November 2026 ihre Premiere in Lauda-Königshofen feiern wird. Wie wollen wir künftig wohnen? Wie lassen sich Energiekosten senken, Häuser modernisieren oder neue Wohnideen umsetzen? Fragen wie diese beschäftigen viele Menschen. Antworten darauf soll die Messe bieten.

Medienhaus hat mehrere Vorteile als Veranstalter

„Ein Thema ist für uns dann interessant, wenn es regional verankert ist, Menschen zusammenbringt und einen konkreten Mehrwert bietet – sei es Information, Orientierung, Inspiration oder Erlebnis“, beschreibt Michael Wünsch den Ansatz, mit dem sein Team und er mögliche neue Veranstaltungen ins Leben rufen. Doch welchen Vorteil hat ein Medienhaus gegenüber klassischen Eventfirmen? Hier gebe es mehrere Faktoren. „Wir kennen die Themen und die regionalen Besonderheiten, und pflegen ein gutes Miteinander. Wir haben ein Interesse an der Weiterentwicklung der Region, in der wir ja auch selbst aktiv sind“, beschreibt der Eventchef. Es sei außerdem eine Grundhaltung des Hauses, der Region auch etwas zurückzugeben. Ein weiterer Vorzug: Veranstaltungen sind im Medienhaus Fränkische Nachrichten Teamarbeit, alle Abteilungen bringen sich ein und tragen zum Gelingen bei. Über die zahlreichen Kanäle erreichen die Veranstaltungen zudem eine breite Öffentlichkeit, und sind damit optimal in der Region sichtbar. Auch wenn der FN-Veranstaltungskalender inzwischen gut gefüllt ist, muss das nicht heißen, dass sich in diesem Bereich nichts mehr tut. Wünsch dazu: „Für die Zukunft sehen wir weitere Chancen in Formaten rund um Wirtschaft, Fachkräfte, Gesundheit, Bauen, Kultur, Genuss und regionale Zukunftsthemen – immer mit dem Anspruch, die FN als verbindende Kraft der Region weiterzuentwickeln.“

Pflichtaufgaben lassen Gestaltungsspielraum auf ein Minimum schrumpfen

Landrat Christoph Schauder wünscht sich vor allem vom Bund Entlastungen und auskömmliche Finanzen.

Städte, Gemeinden und der Landkreis stehen zusammen. „Am Limit. Keine Zukunft mit leeren Kassen“ lautete das Motto ihrer solidarischen Protestaktion Mitte Juni in der Kreisstadt. Auch im Interview mit Landrat Christoph Schauder dreht sich fast alles ums Geld. Der Gestaltungsspielraum ist stark eingeschränkt, die Bürgerinnen und Bürger spüren das in ihrem direkten Lebensumfeld unmittelbar. Das weiß auch der Landrat.

Bis der Main-Tauber-Kreis so alt wird wie die 80-jährigen Fränkischen Nachrichten, dauert es noch 27 Jahre. Wo steht der Landkreis dann?

Christoph Schauder: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an die FN zu 80 Jahren. Das ist ein wichtiges Medium bei uns im Main-Tauber-Kreis und darüber hinaus. Ja, wo stehen wir in 27 Jahren als Landkreis? Ich sage immer mit einem Augenzwinkern, aber auch mit dem notwendigen Ernst: Wir stehen nicht nur geografisch an der Spitze Baden-Württembergs, sondern haben in vielen Bereichen tatsächlich eine Spitzenposition inne. Und das soll auch in 27 Jahren noch so sein. Auf jeden Fall möchte ich, dass die Menschen hier sagen können, sie leben und arbeiten nach wie vor dort, wo andere Urlaub machen. Ich möchte, dass wir weiterhin ein sehr familienfreundlicher Landkreis mit einer gut aufgestellten Bildungslandschaft und natürlich auch mit einer guten Verkehrsinfrastruktur sind. Dazu gehört auch ein attraktiver ÖPNV mit Anbindung an entsprechende Ballungszentren, wie Würzburg, Heilbronn oder Stuttgart.

Derzeit klagen Landkreise, Städte und Gemeinden bundesweit über überbordende Sozialausgaben und klamme Kassen. Wie sieht es für den Main-Tauber-Kreis aus?

Schauder: Aktuell ist die Finanzlage landauf, landab extrem schwierig. Nicht nur der Kreis, sondern auch unsere Kommunen sind am Kämpfen. Wir tun alles, damit wir, was wir uns in den zurückliegenden Jahren erarbeitet haben, auch in den nächsten Jahren noch anbieten können. Aber da sind wir fremdbestimmt. Wenn weiterhin Gesetze beschlossen werden, ob in Stuttgart, aber vor allem in Berlin, die uns Aufgaben aufzwingen, ohne auskömmlich finanziert zu sein, werden wir ein Problem haben. Das Tal, das momentan in finanzieller Hinsicht vor uns liegt, müssen wir durchschreiten. Wir nehmen die Aufgaben an, weisen aber darauf hin, was aus unserer Sicht nicht gut läuft.

2045 sollen die über 65-Jährigen laut Statistischem Landesamt 27,1 Prozent im Main-Tauber-Kreis ausmachen. Zwischen 45 und 65 Jahren werden es 21,1 Prozent sein. Was bedeutet diese demografische Entwicklung für den Landkreis?

Schauder: Zunächst ist es gut, dass die Menschen älter werden und im besten Fall viele unbeschwerte Jahre im wohlverdienten Ruhestand haben. Die demografische Entwicklung stellt uns als Landkreis natürlich vor größere Herausforderungen. Wir müssen unsere Planungen unter Präventionsgesichtspunkten beim Thema Beratung entsprechend ausbauen. Deswegen läuft es schon seit 2020 die umfassende Aktualisierung unserer Senioren- und Pflegeberatung. In den Prozess sind alle relevanten Stellen eingebunden. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir im ersten Quartal 2027 soweit sind, dass wir entsprechende Handlungsempfehlungen für unsere Kommunen entwickeln können. Beim Thema fortschreitendes Alter müssen wir auch den ÖPNV mitdenken, weil viel nicht mehr selbst Auto fahren möchten. Auch die Mitfahrplattform Pendla, die sehr, sehr gut angenommen wird, müssen wir im Sinne von Fahrgemeinschaften für ältere Menschen weiterentwickeln.

Gesundheitsministerin Nina Warken hat eine Pflegereform angekündigt und bereits Eckpunkte benannt. Die staatlichen Zuschüsse zur Entlastung des Eigenanteils sollen jeweils sechs Monate später greifen. Diese Pläne kritisieren Kommunalverbände, weil sie eine Mehrbelastung bei der Hilfe zur Pflege sehen. Wie sehen sie die Pläne?

Schauder: Das Thema Pflege ist ein Megathema. Nach der Eingliederungshilfe und der Jugendhilfe ist die Hilfe zur Pflege der drittgrößte Kostenfaktor in unserem Sozialetat. Wir haben hier im Jahr 2025 mit 7,5 Millionen Euro einen historischen Höchststand erreicht. Im Haushalt 2026 sind knapp 8 Millionen Euro eingeplant. Aber es ist jetzt schon klar, dass diese Summe vorne und hinten nicht reichen wird. Und deswegen sind wir beim Thema Pflegereform noch ganz am Anfang. Beim jetzt auf dem Tisch liegenden Vorschlag finde ich es grundrichtig, dass man einen Schwerpunkt auf die Bereiche Prävention und Vorsorge legen will. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen mehr als verdoppelt. Das hat auch mit dem demografischen Wandel zu tun. Aber allein dadurch ist dieser Anstieg nicht erklärbar.

Was ist Ihres Erachtens der Grund?

Schauder: In einer Zeit, in der die Steuereinnahmen fleißig gesprudelt sind, hat man viel Gutes, wie die Ausweitung der Pflegegrade, getan. Das fällt uns aktuell extrem auf die Füße.

Wo soll gespart werden?

Schauder: Es darf nicht so weitergehen, dass sich die Menschen den Pflegeheimplatz nicht mehr leisten können, weil die Kosten durch die Decke gehen, und unsere Hilfe zur Pflege dann einspringen muss. Deswegen ist ein weiterer Ansatz, dass man auch über Standards bei Neubauten oder Sanierungen von Pflegeheimen reden muss. Da ist in den letzten Jahren viel Sinnvolles in die Wege geleitet worden, aber es sind auch neue Standards hinzugekommenen. Ich erinnere nur an die Diskussion über Ein- oder Zweibettzimmer oder andere Vorgaben. Im Endeffekt zahlt höhere Standards derjenige, der im Pflegeheim ist, über die Investitionskosten. Das sind die Kostentreiber in den letzten Jahren, die man hinterfragen muss. Und man wird auch über eine Grenze mit Blick auf das Schonvermögen sprechen müssen.

Wenn wir von Alter, Pflege und demografischem Wandel sprechen: Welche Auswirkungen sehen Sie auf den Arbeitsmarkt vor Ort?

Schauder: Wir haben hier ein sehr breit aufgestelltes Spektrum an Unternehmen. Neben den Weltmarktführern gibt es innovative Handwerksbetriebe und vieles mehr. Die fortschreitende Demografie kann auch eine Chance sein, denn ältere Mitarbeitende verfügen über einen unglaublich wertvollen Erfahrungsschatz. Den kann der Wirtschaftsstandort Main-Tauber-Kreis nutzen.

Momentan ist es sowohl für junge Menchen als auch für erfahrene ältere schwierig, den Berufseinstieg zu schaffen oder einen neuen Job zu finden. Augenblicklich steht bei Unternehmen der Stellenabbau und das Sparen im Mittelpunkt. Wie passt das mit ihrem Optimismus zusammen?

Schauder: Der Arbeitsmarkt ist zur Zeit extrem schwierig und das wird auch noch eine ganze Weile so sein. Ich bin im Landkreis viel unterwegs und bekomme mit, dass viele Firmen aktuell zu kämpfen haben. Die Unsicherheit von Lieferwegen oder die Zollthematik mit den Vereinigten Staaten lassen kaum Planungssicherheit zu. Meine Wahrnehmung ist, dass die Unternehmen aktuell weitestgehend robust aufgestellt sind. Es gibt aber auch Unternehmen, die echt zu kämpfen haben. Das Thema Personalakquise ist erfreulicherweise nach wie vor ein großes Thema. Viele suchen händeringend. Das, was gerade im Ballungsraum Stuttgart im Bereich Automobilindustrie, Zulieferer und Automotive läuft, ist hier noch nicht der Fall. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass viele Unternehmen, denen es nicht so gut geht, alles versuchen, um Personal zu halten, um nicht das Know-how zu verlieren.

Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden, stellen Sie immer wieder fest, egal ob bei der Anbindung durch den ÖPNV oder bei der Energiewende. Die Falschstricke der Politik sind allerdings dicht gewebt. Wie können gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land gewährleistet werden, wie das in Artikel 72 Grundgesetz festgeschrieben ist?

Schauder: Als ländlich strukturierter Landkreis, zumal als dünnst besiedelter in Baden-Württemberg, bringen wir gerade beim Thema Energiewende nicht nur unseren Beitrag, sondern sind bereit, mehr zu leisten als urban strukturierte Landkreise - von den Stadtkreisen ganz zu schweigen. Wir sind der Landkreis der Energiewende. Wenn wir mehr bringen als andere, möchten wir aber an anderer Stelle Kompensation. Da geht es mir nicht um mehr Geld, sondern um einfachere Mechanismen und Verfahren für die Kommunen bei der Auseisung von Gewerbe- oder Wohngebieten. Es ist misslich, wenn die Kommunen mit Unterstützung des Landkreises jeden Quadratmeter im politischen Nahkampf mit Stuttgart aushandeln müssen. In den zurückliegenden Jahren ist das schon besser geworden und in vielen Bereichen ist es gelungen, pragmatische Ergebnisse zu erzielen. Wenn das nicht möglich wäre, hätten die Menschen hier zu Recht das Gefühl, dass sie abgehängt werden sollen und lediglich die energiepolitischen Ausfallbürger sind. Das wäre der Todesstoß für die gesellschaftliche Akzeptanz einer Energiewende.

Wir sind ja ein Sandwich-Landkreis zwischen den Metropolregionen Nürnberg und Rhein-Neckar. Ist es ein Nachteil zu keiner Metropolregion zu gehören?

Schauder: Da hätte ich was, was bei vielen in Vergessenheit geraten ist. Wir sind Teil der europäischen Metropolregion Stuttgart. Wir sind stolz, dass wir mit unserem Landkreis, der wirklich viel auch zu bieten hat, zu dieser schlagkräftigen Wirtschaftsregion gehören. Im Alltagesbetrieb spielt das keine große Rolle, denn da sind wir in Fragen der Regionalentwicklung in den Regionalverband Heilbronn-Franken eingebunden, arbeiten mit unseren umliegenden Landkreisen sehr gut zusammen und haben einen guten Draht zu unseren bayerischen Nachbarlandkreisen. Da sind wir gut vernetzt und schlagkräftig.

Welchen Sinn hat dann die Zugehörigkeit zur Europäischen Metropolregion Stuttgart?

Schauder: Der Name Europäische Metropolregion Stuttgart, zu der der Regionalverband Franken gehört, hat einen schönen Klang. Das ist das eine. Auf der anderen Seite kann es von Interesse sein, an große Förderprogramme zu kommen, an die ein Landkreis oder sogar der Regionalverband Heilbronn-Franken nicht kommen würde, weil sie von der Raumstruktur her zu klein sind. Da sind große Einheiten notwendig.

Blicken wir auf den Main-Tauber-Kreis. Wir haben in der Kreisstadt ein aufgegebenes Seniorenheim mit dem alten Haus Heimberg und wir haben ein leerstehendes Haus II des Krankenhauses. Es gab vor Jahren hochfliegende Pläne für eine Nachnutzung. Was geschieht mit diesen Immobilien auf kreiseigenem Gelände?

Schauder: Man muss sich in Erinnerung rufen, dass der Landkreis zwar Eigentümer ist, es aber mit der BBT-Gruppe, die Mehrheitsgesellschafterin der Krankenhaus und Heime Main-Tauber ist, einen Erbbaurechtsvertrag gibt, der bis zum Jahr 2059 läuft. Deswegen liegt die Gestaltungshoheit über das Areal in den Händen der KHMT beziehungsweise der BBT. Natürlich wäre es mir als Landrat sehr recht, wenn es eine Lösung für das alte Haus Heimberg und für das Haus II gebe, damit diese Immobilien nicht zu einer Art „lost place“ im Herzen der Kreisstadt werden. Das sehen unsere Partner in der KHMT ähnlich. Klar ausschließen kann ich aber Überlegungen zu Neubauten von Kreisverwaltungsgebäuden. Es ist nicht die Zeit, über so etwas nachzudenken. Wir haben dazu null finanzielle Mittel.

Für was reicht das Geld noch?

Schauder: Die Mittel, die wir haben, investieren wir momentan in die Schulsanierungen. Das ist mir ein herzliches Anliegen.

Wie sieht es mit den Krankenhäusern im Landkreis aus?

Schauder: Bereits in der zweiten Hälfte 2023 hat sich abgezeichnet, dass in den nächsten Jahren die Krankenhauslandschaft tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt sein wird. Deswegen liegt der Fokus der BBT und auch von mir als Mitgesellschafter sowohl in der KHMT als auch in der Gesundheitsholding Tauberfranken darauf, dass die beiden Krankenhäuser in Tauber-bischofsheim und das Caritas in Bad Mergentheim leistungsfähig für die Zukunft aufgestellt sind. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind sehr groß, gerade was den Investitionsbedarf an den Immobilien angeht. Deshalb liegt der Fokus momentan darauf, zu schauen, dass die beiden Häuser gut durch diesen Neustrukturierungsprozess, den die Krankenhausreform mit sich bringt, kommen.

Könnte man die Gebäude nicht abreißen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen?

Schauader: Das sind Überlegungen, mit denen man sich auch auseinandergesetzt hat. Der Kreistag hat vor einigen Jahren einen Abrisskostenzuschuss für das alte Haus Heimberg in Höhe von 1,3 Millionen Euro beschlossen. Mittlerweile sprechen wir aber über hypergalaktisch hohe Kosten, wenn es um Abriss und Entsorgung geht. Das Thema Wohnungsbau, auch mit sozialer Komponente, ist momentan schwierig. Da braucht man Investoren. Ich denke aber, da wird sich in den nächsten Jahren etwas tun.

Zum Abschluss: Was ist Ihr ganz persönlicher Wunsch für die Zukunft des Main-Tauber-Kreises und seine Menschen?

Schauder: Mein Hauptwunsch ist, dass es in den nächsten Jahren eine Lösung gibt, um die Kommunen und die Landkreise langfristig in finanzieller Hinsicht handlungsfähig aufzustellen. Ich muss den Einwohnern immer wieder vor Augen führen, dass wir nicht in einer finanziellen Schieflage sind, weil wir nicht haushalten können, sondern weil in den zurückliegenden zehn Jahren Dinge beschlossen wurden, die wir umsetzen müssen, die aber nicht einmal ansatzweise auskömmlich finanziert sind. Das ist das Grundproblem. Momentan ist es aber Realität, von Quartal zu Quartal zu schauen, wie wir über die Runden kommen. Und deswegen ist mein Wunsch, dass das Land und der Bund erkennen, dass man das so nicht laufen lassen kann, weil wir ansonsten nur den Abbau von Leistungen verwalten. So weit darf es nicht kommen. Wir wollen attraktive Angebote für die Bürgerinnen und Bürger, wie das Ruftaxi, weiterhin anbieten oder sogar ausbauen. Ich wünsche mir eine Kultur des Ermöglichens.

Die Menschen hier leisten in Sachen gesellschaftlichem Zusammenhalt Unglaubliches

Neckar-Odenwald-Kreis: Landrat Dr. Achim Brötel nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt auf, wie schwierig die Lage aktuell wirklich ist. Das Interview ist aber auch eine Hommage an die Menschen im Kreis. Von Michael Fürst

Herr Brötel, an welchem Ort im Neckar-Odenwald-Kreis wären Sie jetzt lieber als in der FN-Redaktion, um dieses Interview zu führen?

Dr. Achim Brötel: Das ist die schwierigste Frage gleich zu Beginn. Wenn ich jetzt irgendeinen Ort nenne, werde ich wahrscheinlich an vielen anderen Stellen ein Problem bekommen (lacht). Die diplomatische Antwort lautet deshalb: Der Neckar-Odenwald-Kreis hat nur schöne Orte. Aber im Ernst: Ich bin wirklich überall dort besonders gern, wo ich Menschen antreffe, die sich einbringen. Einen echten Lieblingsort habe ich insofern gar nicht. Inzwischen freue ich mich aber auch sehr, mal wieder zu Hause in den eigenen vier Wänden zu sein. Das ist leider selten genug der Fall.

Wenn Sie ein Landrat aus einer anderen Ecke Deutschlands fragen würde, welche Vorzüge der Neckar-Odenwald-Kreis hat – was würden Sie ihm Antworten?

Brötel: Die Menschen hier leisten im Beruf, im Ehrenamt und in Sachen gesellschaftlichem Zusammenhalt Unglaubliches. Wir haben zudem eine wunderschöne Natur. Und der Neckar-Odenwald-Kreis hat geografisch gesehen eine vorzügliche Lage: In etwa einer Stunde sind wir in Würzburg, Frankfurt, Stuttgart, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe oder Heilbronn. Das kulturelle Highlight, der Einkaufsbummel oder ein sportlicher Höhepunkt sind also nicht fern. Für mich zählt aber genauso auch die Geschichte dazu. Von den Kelten und den Germanen über die Römer und einer reichen Tradition im Mittelalter bis hin zu historischen Persönlichkeiten in der Neuzeit haben wir Vieles zu bieten.

Wie würden Sie den typischen „Neckar-Odenwald-Kreisler“ beschreiben?

Brötel: Das ist schon wieder eine schwierige Frage. Meiner Meinung nach gibt es den nämlich gar nicht. Die regionalen Unterschiede sind einfach zu groß. Vielleicht kann man aber sagen, dass die Menschen hier erst einmal sehr vorsichtig sind, wenn es um Neuerungen geht. Aber sie sind dann auch rasch bereit, sich zu öffnen, und wenn sie sich erst einmal geöffnet haben, sind sie wiederum sehr schnell zu begeistern.

Welcher dieser Punkte war Ihr Hauptantrieb dafür, Landrat dieses Kreises zu werden?

Brötel: Das sind eindeutig die Menschen. Bevor ich Bürgermeister (Anm. d. Red.: der Stadt Buchen) wurde, war ich in der Justiz tätig. Dort wird man eigentlich kraft Amtes zur Distanz erzogen. Das wollte ich irgendwann nicht mehr. Als Bürgermeister ist man immer noch am nächsten an den Menschen dran. Als Landrat ist man da schon ein ganzes Stück weiter weg, weil der Kreis einfach zu groß ist. Leider kenne ich schon nicht mehr alle gut 1.000 Mitarbeiter des Landratsamtes (lacht).

Ihre dritte Amtszeit als Landrat dauert jetzt noch gut drei Jahre. Worin sehen Sie in dieser Zeit Ihre Hauptaufgaben, um den Kreis weiter nach vorn zu bringen?

Brötel: Am dringlichsten müssen wir versuchen, finanziell über die Runden zu kommen. Das ist ein Riesenproblem. Und: Es trifft alle Kommunen in Deutschland gleichermaßen. Gegenwärtig haben wir noch keine Ahnung, wie wir im Herbst einen halbwegs verantwortbaren Haushalt für 2027 aufstellen sollen. Eng verbunden mit den finanziellen Problemen ist natürlich aber auch das Thema der Neckar-Odenwald-Kliniken. Wir müssen außerdem zusehen, dass wir Infrastruktur erhalten und im Idealfall an der einen oder anderen Stelle noch weiter ausbauen – Stichwort Glasfaser. Ansonsten wird es künftig primär darum gehen, dass wir das erhalten, was da ist. Ich sehe nämlich schon die Gefahr, dass uns aufgrund der finanziellen Nöte Dinge verloren gehen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten mühsam aufgebaut haben. Im Extremfall würden wir so sogar wieder in die 60er Jahre zurückgeschossen.

Finanzen, Glasfaser, Kliniken – Sie haben die größten Problemfelder des Kreises angesprochen. Lassen Sie uns diese doch nach und nach abarbeiten. Welche konkreten Lösungsansätze haben Sie, um der Finanzkrise entgegenzuwirken?

Brötel: Ohne eine schnell wirksame Hilfe Dritter, sprich des Bundes und/oder des Landes, wird es definitiv nicht gehen. Das ist ja kein hausgemachtes Problem, sondern direkte Folge einer Politik, die uns permanent neue und kostenintensive Aufgaben übertragen hat, ohne uns auch die finanziellen Mittel dafür zu geben. Der eine bestellt und der andere bekommt die Rechnung dafür. So kann ein Staat auf Dauer nicht funktionieren. Wir haben einen Anspruch zunächst an das Land, mittelbar aber auch an den Bund, für unsere Aufgaben finanziell angemessen ausgestattet zu werden. Dieser Anspruch ist im Grundgesetz verankert. Ich hoffe deshalb weiterhin, die Politik mit guten Argumenten überzeugen zu können. Wenn das nicht gelingt, müssen wir das, was uns zusteht, notfalls aber auch einklagen.

Sollte man vielleicht ganz groß denken und eine Verwaltungsreform in Betracht ziehen?

Brötel: Wenn es dabei, wie Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, um eine Gebietsreform geht und man Landkreise zusammenlegt, dann sage ich nur: Aus zwei Armen macht man keinen Reichen. Wenn ich mir unsere Region anschaue, wüsste ich auch nicht, wo da aufgrund der großen Fläche nennenswerte Synergieeffekte herkommen sollen. In Bezug auf die Digitalisierung wären hingegen sicher weitere Synergien möglich. Alles das geht aber nur über landes- oder gar bundesweite Lösungen. Beim Thema Digitalisierung stehen wir uns bisher teilweise selbst im Weg. Die Verfahren sind, so wie sie uns vorgegeben werden, einfach zu kompliziert. Man kann zum Beispiel schon jetzt sein Auto digital an- oder abmelden. Diese Möglichkeit wird aber nur von acht Prozent der Bürgerinnen und Bürger genutzt. Das liegt daran, dass die Hürden für die Authentifizierung einfach zu hoch sind. Und: Auch das Thema Datenschutz bremst uns leider immer wieder aus. Da vertraue ich allerdings ganz dem neuen Minister für Digitales und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger. Von dort haben wir schon viele gute Vorschläge gehört. Jetzt muss aber halt auch einmal geliefert werden.

Für die Digitalisierung benötigt man ein gutes Internet. Beim Glasfaserausbau im Neckar-Odenwald-Kreis stockt es gewaltig. Manche Orte haben im Moment keine Aussicht mehr darauf, an das neue Netz angeschlossen zu werden. Wie soll es in dieser Sache weitergehen?

Brötel: Man muss da vielleicht erst noch einmal ein paar Dinge richtig einordnen. Der Ausbau des Glasfasernetzes ist zunächst keine Aufgabe des Landkreises, sondern eigentlich Sache der einzelnen Kommunen. Wir haben das als Kreis im engen Schulterschluss mit den Gemeinden aber in die Hand genommen, um den Ausbau zu unterstützen und einheitlich voranzubringen. Allerdings hätte der Kreis einen eigenen Ausbau finanziell nie stemmen können. Wir sprechen da von einem dreistelligen Millionenbetrag. Deshalb haben wir alternativ auf die Möglichkeit des eigenwirtschaftlichen Ausbaus über „Toni“, „Leonet“ etc. gesetzt. Mit diesen Unternehmen haben wir keinen Vertrag. Sie arbeiten vielmehr komplett auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko. Inzwischen ist dieser Markt allerdings bundesweit nahezu komplett zusammengebrochen. Das war so nicht absehbar. Deshalb müssen wir jetzt Nachfolger finden. Unsere Aufgabe ist es, wenn man so will, aus dem Flickenteppich „Gemeinde voll ausgebaut“, „Gemeinde teilweise ausgebaut“ und „Gemeinde noch gar nicht ausgebaut“ ein stimmiges Gesamtbild werden zu lassen mit dem Ziel, dass am Ende alle ausgebaut sind. Wo wir unterstützen können, unterstützen wir gern.

Aber es ist doch bei den Menschen eine Menge Vertrauen kaputt gegangen.

Brötel: Ich weiß nicht, ob es am Vertrauen liegt oder daran, dass die Menschen vielleicht manchmal doch einfach auch zu kurz denken. Es gibt 37.000 Haushalte im Kreis, die aktuell sofort ans Glasfasernetz angeschlossen werden könnten. Daran angeschlossen sind aber nur 9.700. Das liegt daran, dass das aktuelle Netz offenbar gut funktioniert und viele meinen, dass DSL noch genügt. Der Bedarf nach mehr Bandbreite wird aber massiv steigen. Irgendwann wird Glasfaser sogar unabdingbar sein. Und: Ein Haus, das ans Glasfasernetz angeschlossen ist, steigt eindeutig auch im Verkaufswert.

Dieser Flickenteppich beim Glasfaserausbau hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Es gibt Unternehmen im „NOK“, die auf das schnelle Internet zurückgreifen können, andere nicht. Welche Konsequenzen hat dieser Zustand auf den Neckar-Odenwald-Kreis als Wirtschaftsstandort?

Brötel: Der Ausbau musste bei uns im „Kleinen Odenwald“ beginnen, weil die Backbone-Leitung aus dem Rhein-Neckar-Kreis kam. Dort sieht man im Übrigen schon sehr gut, welche Auswirkungen das hat. Der halbe „Kleine Odenwald“ sitzt nämlich voll mit SAP-Mitarbeitern, die von zu Hause aus arbeiten, weil die Internetverbindung stark ist. Die Menschen können Arbeiten und Wohnen so kombinieren. Man sieht also, dass die Glasfaser durchaus positive Auswirkungen hat. Jetzt müssen wir es hinbekommen, dass auch die anderen Kommunen voll davon profitieren können.

Das Verhältnis, dass nur 9.700 von 37.000 möglichen Haushalten ans Glasfasernetz angeschlossen sind, ist ein guter Übergang zu den Neckar-Odenwald-Kliniken. Das Defizit von rund zwölf Millionen Euro rührt auch daher, dass der Marktanteil im eigenen Kreis nur bei etwa 42 Prozent liegt. Warum vertrauen die Menschen im Kreis nicht mehr „ihren“ Kliniken?

Brötel: Diese Frage beschäftigt uns schon seit vielen Jahren. Es hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass sich die Leute bei planbaren Operationen wie Knie oder Hüfte heute im Internet informieren und dann vielleicht woanders eine „geeignetere“ Klinik finden, um danach festzustellen: Das war doch nichts! Und: Anschließend kommen sie dann zu uns, um es wieder zu richten. Wir haben hier so ein wenig die Rolle eines Tante-Emma-Ladens: Wenn man am Freitagabend um halb sechs noch eine Butter braucht, die man im großen Supermarkt vergessen hat zu kaufen, dann sucht man händeringend einen Tante-Emma-Laden vor der Haustüre. Sonst aber kaufen die Menschen halt doch weiter im Supermarkt ein. Das heißt: Uns braucht man bei „ungeplanten Dingen“ wie einem Herzinfarkt, einem Verkehrsunfall oder Ähnlichem. Geplante Dinge werden hingegen eher außerhalb erledigt. Trotzdem haben wir aber ein Angebot, das mindestens genauso gut ist wie das von angrenzenden Krankenhäusern. Oft spielen ehrlicherweise aber auch gewachsene räumliche Näheverhältnisse eine Rolle. Wer in Ravenstein wohnt, fährt eben eher nach Bad Mergentheim als nach Buchen. Der Waldbrunner beispielsweise geht hingegen traditionell nach Eberbach. Deshalb müssen wir uns frei machen von der Vorstellung, dass jeder im Neckar-Odenwald-Kreis ein Krankenhausangebot im eigenen Kreisgebiet haben muss. Das Ziel ist vielmehr ein anderes: Wir müssen es jedem Einwohner des Kreises ermöglichen, sich binnen 30 Minuten stationär behandeln lassen zu können – auch außerhalb des Kreises.

Das hieße aber auch, dass die NOK-Kliniken nicht mehr sämtliche Leistungen vorhalten müssen.

Brötel: Genau, denn das verursacht nebenbei bemerkt Kosten, die auch ein Teil des Defizits sind.

Welche Konsequenzen hat die Kreistagsentscheidung vom Mai, den aktuellen Zustand nochmals drei Jahre lang zu halten und nicht, wie von Experten und auch von Ihnen empfohlen, den Standort Buchen zu einem Schwerpunktversorger und den Standort Mosbach in einen sektorenübergreifenden Versorger umzustrukturieren? Wie konkret geht es jetzt weiter?

Brötel: Der Ball liegt jetzt zunächst bei der Geschäftsführung der Kliniken. Man muss aber auch noch einmal ganz klar betonen, dass der aktuelle Beschluss des Kreistags ein „Weiter so“ ebenfalls ausschließt. Man hat ein Moratorium bis 2029 beschlossen, will aber in diesem Zeitraum dennoch Umstrukturierungen weiter prüfen. Der Vorteil der von vorgeschlagenen Tendenzentscheidung wäre gewesen, bei der Zukunftsgestaltung schon in eine bestimmte Richtung zu gehen. Dann hätte ich vom Land konkrete Antworten erwarten können. Jetzt befürchte ich, dass das Land sagt: Kommen Sie 2029 wieder, dann reden wir weiter.

Gab es schon erste Gespräche?

Brötel: Nein, wir warten immer noch darauf. Dabei muss es aber definitiv schnell gehen. Die Überbrückungszeit, bis etwaige Veränderungen greifen, ist definitiv die schwierigste. Das ist ja gerade unsere große Sorge, dass vielen Kliniken bundesweit schon unterwegs die Luft ausgeht.

Droht den NOK-Kliniken im schlimmsten Fall eine Insolvenz?

Brötel: Das müssen wir unbedingt verhindern. Eine Insolvenz hätte für den gesamten Landkreis fatale Folgen, weil durch Bürgschaften für die zusätzliche Altersversorgung der Mitarbeitenden dann Kosten von über hundert Millionen Euro auf den Landkreis zukämen. Die Rahmenbedingungen, die derzeit in Berlin zusammengestrickt werden, lassen allerdings Schlimmes befürchten.

Was heißt das?

Brötel: Das heißt, dass wir wahrscheinlich bundesweit ein ungeordnetes Krankenhaussterben bekommen werden. Dabei wollten wir doch bedarfsorientierte Reformen. Jetzt befürchte ich aber, dass auch Häuser „vom Netz gehen“, die bedarfsnotwendig wären. In Baden-Württemberg steht inzwischen auch das erste Kreiskrankenhaus vor der Insolvenz.

Was gibt Ihnen Mut, dass all die aktuellen Probleme gelöst werden können, um den Neckar-Odenwald-Kreis in eine gute Zukunft zu führen?

Brötel: Mein persönlicher Antrieb sind und bleiben die Menschen hier. Sie leisten Unglaubliches, vor allem im Ehrenamt. Ich vertraue deshalb darauf, dass wir auch jetzt wieder durch die Krise kommen, weil wir schon immer gewohnt sind, aus wenig viel zu machen. Wenn aber das ganze Land an die Wand gefahren wird, wird es natürlich auch für uns eng. Die Politik muss den vielen Worten deshalb jetzt endlich auch Taten folgen lassen.

Apropos Ehrenamt: In wie vielen Vereinen sind Sie eigentlich Mitglied?

Brötel: Das kann ich gar nicht auswendig sagen (lacht). Es ist auf jeden Fall aber eine deutlich zweistellige Zahl.

Eine gute Fee landet bei Ihnen vor der Haustüre. Sie sagt, dass Sie drei Wünsche für den Neckar-Odenwald-Kreis freihaben. Welche nennen Sie ihr?

Brötel: Ich wünsche mir in erster Linie weiter ein gedeihliches und friedliches Miteinander. Ich wünsche mir zudem, dass wir die Natur um uns herum wieder mehr zu schätzen lernen. Und ich wünsche mir, dass unser Landkreis im Interesse der Menschen eine wirtschaftlich gute Entwicklung nimmt.

Interview mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken: Reform soll Versorgung und Qualität sichern. Noch gibt es sechs Kliniken in der Region Tauber-Odenwald.

„Bessere Behandlung bedeutet mehr Lebenszeit“

Tauber-Odenwald. „Die Krankenhauslandschaft muss sich verändern – und sie wird sich verändern. Der Transformationsprozess hat längst begonnen.“ Das sagt Nina Warken, die Bundesgesundheitsministerin und CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Odenwald-Tauber. Die Redaktion sprach mit ihr über die Krankenhausreform und die möglichen Folgen für die noch vorhandenen Kliniken in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Wertheim, Hardheim, Buchen und Mosbach. Von Sascha Bickel

Die Krankenhausreform verfolgt welche drei Hauptziele?

Nina Warken: Die Krankenhausreform ist ein zentraler Baustein, um die medizinische Versorgung in Deutschland langfristig zu sichern. Sie verfolgt drei wesentliche Ziele: mehr Spezialisierung, eine stärkere Bündelung von Kompetenzen und Personal und einheitliche Qualitätsstandards.

Die Patientinnen und Patienten in Deutschland sollen besser versorgt werden, während Krankenhäuser wirtschaftlicher arbeiten können. Die Reform schafft die Voraussetzungen dafür, dass medizinische Leistungen dort erbracht werden, wo ausreichend Erfahrung, Fachpersonal und Qualität vorhanden sind. Gleichzeitig stellt die Krankenhausreform sicher, dass flächendeckend eine gute und wohnortnahe Grund- und Notfallversorgung sichergestellt werden kann – dies war unser Anspruch, als wir die Reform in diesem Jahr an wichtigen Stellen besser an die Bedürfnisse vor Ort angepasst haben.

Aktuell gibt es noch sechs Krankenhäuser in der Region Tauber-Odenwald. Ist damit zu rechnen, dass es in zehn Jahren deutlich weniger Kliniken in unserer Region gibt? Ist die Notfallversorgung für die Menschen dennoch auch in Zukunft sichergestellt?

Warken: Es geht keinesfalls darum, pauschal Standorte zu schließen. Durch die Krankenhausreform kann eine bedarfsgerechte, hochwertige und flächendeckende Versorgung sichergestellt werden – gerade auch im ländlichen Raum. 

Für die Bedarfsplanung der Krankenhäuser sind die Landesregierungen zuständig, die die Möglichkeit haben, regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Reform bietet ihnen die Chance, Krankenhäuser zu stärken, deren Profile zu schärfen und bestimmte Leistungen gezielt zu spezialisieren. Entscheidend ist, dass die Menschen sich auch künftig auf eine verlässliche Grund- und Notfallversorgung verlassen können.

Kann nicht alles bleiben, wie es ist?

Warken: Das Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen: In der gesetzlichen Krankenversicherung haben wir seit einigen Jahren finanzielle Schwierigkeiten, da die Ausgaben die Einnahmen deutlich übersteigen. Zudem gibt es auch im Gesundheitswesen einen Fachkräftemangel, begrenzte Behandlungskapazitäten und strukturelle Herausforderungen.

Unser Ziel ist es, die Versorgung für die Zukunft so aufzustellen, dass sich Patientinnen und Patienten auf eine gute und zuverlässige Versorgung verlassen können – und dass sie zugleich nicht länger jährliche Beitragserhöhungen erleben müssen. Dafür braucht es Veränderungen, denn viele Strukturen sind schlichtweg noch nicht auf die aktuellen Rahmenbedingungen eingestellt.

Welche Chancen ergeben sich durch die Reform?

Warken: Die Spezialisierung ermöglicht es den Krankenhäusern, die Qualität bestimmter Behandlungen zu verbessern. Das kommt in erster Linie den Patientinnen und Patienten zugute: Gerade bei komplexen Eingriffen, wie einer Krebsbehandlung oder schwierigen chirurgischen Operationen, ist das Ergebnis nachweislich besser, wenn sie in Kliniken durchgeführt werden, die diese Eingriffe häufig durchführen. Eine bessere Behandlung bedeutet mehr gesunde Lebenszeit und deshalb ist Spezialisierung für alle Seiten von Vorteil.

Krankenhäuser sollen sich auf die Leistungen beschränken, für die sie das notwendige Personal, die notwendige Ausstattung und damit die notwendige Kompetenz haben. Wir wollen den wirtschaftlichen Druck von den Krankenhäusern nehmen, dass sie möglichst viele Leistungen anbieten müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Im Resultat wird die Krankenhauslandschaft effizienter und spart damit auch Kosten – durch bessere Behandlungsergebnisse und eine bedarfsgerechte Struktur. Dafür investiert alleine der Bund in den nächsten zehn Jahren 29 Milliarden Euro. Das ist viel Geld!

Kliniken unter Druck

Medizinische Versorgung in der Region Tauber-Odenwald: Mehr als 1.200 Krankenhausbetten stehen noch zur Verfügung. Mehrere zehntausend Patienten werden jedes Jahr ambulant oder stationär behandelt. Von Sascha Bickel

Tauber-Odenwald. Die Krankenhauslandschaft zwischen Taubertal, Main und Odenwald steht unter hohem Druck – und zugleich vor tiefgreifenden Veränderungen. Zahlen aus Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Wertheim, Hardheim sowie von den Neckar-Odenwald-Kliniken in Buchen und Mosbach zeigen: Die Häuser sichern mit zusammen deutlich mehr als 1.200 Betten und mehreren zehntausend Patienten im Jahr die medizinische Versorgung in der Region. Zugleich setzen sie auf Spezialisierung, Digitalisierung und erste Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim ist mit 434 Betten, rund 1520 Mitarbeitenden, etwa 20.000 stationären und mehr als 54.000 ambulanten Patienten im Jahr 2025 der größte Standort in der Region. Es ist ein Krankenhaus der Zentralversorgung mit zwölf Fachabteilungen und neun zertifizierten medizinischen Zentren; die Notfallversorgung läuft rund um die Uhr. Das Krankenhaus Tauberbischofsheim als Haus der Grund- und Regelversorgung mitsamt dem überregionalen Versorgungsauftrag für die Fachbereiche Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie verfügt über 241 Betten, rund 520 Mitarbeitende und versorgte 2025 rund 5500 stationäre sowie etwa 20.000 ambulante Patienten.

An 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag

Für beide Häuser zieht Regionalleiter Timo Sonntag von der BBT-Gruppe eine vorsichtig positive Bilanz: „Mit dem Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und dem Krankenhaus Tauberbischofsheim sind wir bei der Stabilisierung und wirtschaftlichen Konsolidierung auf einem insgesamt positiven Weg.“ Man habe die Medizinstrategie an die Krankenhausreform und neue Leistungsgruppen angepasst. Ziel sei es, „das gesamte medizinische Leistungsspektrum in die Zukunft zu führen“ und zugleich neue Versorgungsstrukturen aufzubauen. Sonntag warnt aber auch: Fachkräftemangel, Reformdruck und unsichere Finanzierung belasteten die Häuser massiv. Beide Kliniken hielten an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag die Notfallversorgung vor – das brauche passende Rahmenbedingungen. Durch die geplante Reform zur Beitragsstabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung würde den Krankenhäusern systematisch Geld entzogen werden. Frei gemeinnützige Krankenhäuser seien von diesen geplanten Kürzungen besonders betroffen, denn sie dürften nur begrenzt Rücklagen bilden und müssten Defizite selbst tragen, während öffentliche Häuser ihre Defizite über die Kommunalhaushalte – also über Steuergelder – ausgleichen könnten, so Sonntag: „Planungssicherheit und eine auskömmliche, verlässliche Finanzierung sind allerdings für die Vorhaltung einer hochwertigen und zeitnahen Patientenversorgung unabkömmlich.“ Im Bürgerspital Wertheim arbeitet ein neu aufgestelltes Haus an seinem Profil. Geschäftsführer Alexander Gläser spricht von etwas mehr als 200 Mitarbeitenden. Für 2026 rechnet das Krankenhaus mit etwa 11.000 Patienten, darunter rund 3500 stationär. Das Bürgerspital verfügt über 95 Planbetten sowie zusätzlich 20 Betten in Intensiv-, IMC- und Schlaganfalleinheit. „Damit liegen wir voll im Soll auf Basis unserer 3-Jahres-Planung“, sagt Gläser. Ein zentraler Schritt sei der bevorstehende 24/7-Start der Zentralen Notaufnahme. Nach den Worten von Dr. Gerhard Schüder könnte dann auch die Schlaganfallversorgung rund um die Uhr anlaufen – für rund 500 Schlaganfälle pro Jahr. „Kernelemente im Bürgerspital werden eine spezialisierte gastroenterologische Fachabteilung, und eine ausgewachsene und komplette chirurgische Abteilung sein.“ Eingerahmt wird unser Haus durch die Adipositas-Chirurgie und plastische Chirurgie für postbariatrische Operationen und Patienten mit Lipödem-Leiden“, so Gläser. Deutlich kleiner, aber für die Fläche wichtig, ist das Krankenhaus Hardheim (Gesundheitszentrum). Dort arbeiten aktuell 97 Personen; im Jahr 2025 wurden 1326 Operationen (ambulant und stationär) durchgeführt. Träger sind mehrere Kommunen der Region. Für den stellvertretenden Verwaltungsleiter Benjamin Knörzer bleibt die wirtschaftliche Lage schwierig: „Das Haus ist effizient, vernetzt und digital aufgestellt. Trotzdem ist die ,schwarze Null‘ unter den aktuell gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen absolut nicht erreichbar.“ Neben der Finanzierung sei die Suche nach Ärztenachfolgern eine der größten Herausforderungen. Die Neckar-Odenwald-Kliniken an den Standorten Buchen und Mosbach kommen zusammen auf 377 Planbetten, rund 1000 Mitarbeitende, 14.000 stationäre, 700 hybride und 43.000 ambulante Patienten. Nach intensiver politischer Debatte beschloss der Kreistag zuletzt eine dreijährige Bestandsgarantie für beide Standorte.

„KI ersetzt Können und Tun der Ärzte nicht“

Mit Blick auf das Thema Künstliche Intelligenz zeigt sich in allen Häusern ein ähnliches Bild: KI wird genutzt – aber vorerst vor allem als Unterstützung, nicht als Ersatz ärztlicher Arbeit. Für die NOK-Kliniken teilt der Pressesprecher des Landratsamtes, Jan Egenberger, mit, dass KI vor allem in der Spracherkennung, etwa bei der Arztbriefschreibung, zum Einsatz kommt. Das System sei „mitlernend“, so Egenberger. Der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Seeböck-Göbel betont zugleich die Grenzen: „Die KI wird sicher in Zukunft eine größere Rolle spielen, sie wird aber das Können und Tun unserer Ärzte nicht ersetzen, insbesondere nicht die Empathie.“ BBT-Regionalleiter Timo Sonntag sagt: „In unseren Krankenhäusern werden in verschiedenen Bereichen KI-unterstützte Module eingesetzt, weitere sind in der Planung.“ Für das Caritas-Krankenhaus erläutert zudem Radiologie-Chefarzt Prof. Dr. Manoj Mannil ein neues Hochleistungs-MRT: Die KI ermögliche deutlich kürzere Untersuchungszeiten bei exzellenter Bildqualität. Das helfe gerade Menschen mit Platzangst. In der Orthopädie unterstützt KI laut Dr. Dirk Herold bei der Navigation, um Knie-Endoprothesen individueller an der Anatomie des Patienten auszurichten. Auch in Wertheim spielt KI laut Geschäftsführer Gläser „von Anfang an eine wichtige Rolle“. Sie werde bereits bei der postoperativen Nachsorge, in der Patientenkommunikation und künftig verstärkt bei der medizinischen Dokumentation eingesetzt. In Hardheim unterstützt KI eine Prozesssoftware; dadurch sei die Buchhaltung nahezu papierlos geworden. Zudem habe die digitale Patientenakte einen deutlichen Effizienzgewinn gebracht. So unterschiedlich Größe und Struktur der Häuser auch sind: Die Richtung ist ähnlich. Die Kliniken der Region setzen auf Spezialisierung, digitale Prozesse und KI – kämpfen aber gleichzeitig um Personal, Finanzierung und politische Verlässlichkeit.

KI soll Prozesse beschleunigen und Beschäftigte entlasten. Doch viele Krankenhäuser tun sich laut Experten noch schwer mit dem Wandel. Bild: PwC/dpa

Mit moderner Technik wird auch hier in Bad Mergentheim gearbeitet. Bild: Caritas-Krankenhaus

Frühchen-Untersuchung im Caritas-Krankenhaus. Bild: Caritas-Krankenhaus

Gut aufgestellt ist man in der Kurstadt auch in Sachen MRT-Untersuchungen. Bild: Caritas-Krankenhaus

Fachkräfte von Morgen

Bildung: Wie sich die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Bad Mergentheim und Mosbach um die Fachkräfte von morgen kümmert. Über 3000 Studenten. Von Sascha Bickel

Bad Mergentheim/Mosbach. Wer an die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach denkt, denkt schnell an Größe, Breite und industrielle Schlagkraft: Rund 2.500 Studierende, etwa 1.000 Partnerunternehmen, starke Studienangebote in Wirtschaft, Technik, Informatik und mit dem Baukompetenzzentrum sogar bundesweit besondere Profile wie Holztechnik oder Sustainable Management. Mosbach ist das Schwergewicht. Und doch lohnt der genaue Blick auch auf den kleineren Campus Bad Mergentheim. Denn hier, in der Kurstadt an der Tauber, mit aktuell rund 530 Studierenden, zeigt sich besonders deutlich, wohin sich duale Hochschulbildung entwickelt: näher an den drängenden Fragen der Zeit, näher an den Unternehmen, näher an den gesellschaftlichen Umbrüchen. Rund 150 Partnerunternehmen tragen den Standort in Bad Mergentheim mit, die gemeinsam mit der Hochschule für die enge Verzahnung von Theorie und Praxis sorgen. In der Fakultät Technik verbindet das Wirtschaftsingenieurwesen technisches und betriebswirtschaftliches Know-how und trifft damit den anhaltend hohen Bedarf der Industrie an Schnittstellenkompetenz. Der Studiengang Angewandte Informatik wiederum bildet dringend gesuchte IT-Fachkräfte aus. Mit BWL-Gesundheitsmanagement und Pflege reagiert der Campus auf einen der drängendsten Bedarfe überhaupt: den steigenden Bedarf an Fach- und Führungskräften im Gesundheits- und Pflegesektor. BWL-Digital Business Management bietet die Antwort auf die fortschreitende Digitalisierung von Geschäftsmodellen, während BWL-International Business für die global vernetzten Unternehmen der Region ausbildet. Für Campus-Leiterin Prof. Dr. Kim Linsenmayer ist der Standort gut vorbereitet. „Für den kommenden Semesterstart sind wir bestens gerüstet und werden unser bewährtes, qualitatives Studienangebot vollumfänglich anbieten“, sagt sie. Bemerkenswert sei, dass die Nachfrage trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten „stabil hoch“ bleibe. „Unsere primäre Aufgabe in den verbleibenden Wochen liegt nun darin, dass unsere dualen Partner die noch freien Plätze gezielt mit motivierten Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen“, so Linsenmayer.

Neuer Studiengang Pflege

Besonders gespannt blickt man in Bad Mergentheim auf den neuen Studiengang Pflege. Er soll helfen, Fach- und Führungskräfte für einen Sektor auszubilden, der seit Jahren unter Druck steht. „Die Akademisierung ist der Schlüssel für die zukunftsfähige Transformation der Pflege“, betont Linsenmayer. Fünf Einrichtungen bieten derzeit noch 27 Plätze für das kommende Studienjahr an, erste Studienverträge sind bereits unterzeichnet. Für einen neuen Studiengang, der sich erst noch bei Schulabgängern herumsprechen muss, ist das am Campus ein ermutigendes Signal. Erwartungsgemäß, so Linsenmayer, müsse der Studiengang bei den Schulabgängern aber noch an Bekanntheit gewinnen. Noch ein anderes Thema treibt Studierende und Lehrende um: Künstliche Intelligenz. Gerade in der Angewandten Informatik stellt sich die Frage, wie sich Berufsbilder verändern. Linsenmayer begegnet den Sorgen offensiv: „Wir reagieren proaktiv auf diesen Wandel, indem wir den Fokus verstärkt auf das Thema ‚Digitale Souveränität‘ legen. Es handelt sich dabei um die Frage, wie Unternehmen selbstbestimmt und unabhängig in der digitalen Welt agieren – ein Bereich, in dem Fachkräfte dringender denn je gesucht werden. Abseits dieser digitalen Transformation legen wir großen Wert darauf, unsere etablierten Studiengänge kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf einem konstant hohen, stabilen Niveau zu halten.“

40 junge Menschen aus 18 Ländern

Der Campus Bad Mergentheim setzt aber nicht nur auf Inhalte, sondern auch auf Atmosphäre und Perspektive. Internationalität spielt am Standort eine zentrale Rolle.  Einen besonderen Akzent setzt erneut das Studienkolleg am Campus Bad Mergentheim. Dort bereiten sich 40 junge Menschen aus 18 Ländern gezielt  auf ein (duales) Studium in Deutschland vor – ein wichtiger Baustein, um internationale Talente für die Region und ihre Unternehmen zu gewinnen.  Gleichzeitig wirbt der Standort mit Formaten wie Girls’ Day und erstmals auch Boys’ Day um junge Menschen jenseits klassischer Rollenbilder für MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)  und andere Berufsfelder. Dass der Campus dabei auf engem Raum viel bewegt, zeigt auch der Blick nach vorn. 2027 will die Hochschule die Studierendenzahlen in den klassischen Studiengängen stabil halten und den Pflege-Studiengang mit einer vollen Kursstärke von 30 Studierenden etablieren. „Infrastrukturell setzen wir uns weiterhin mit Nachdruck für den Ausbau des Schlosses ein. Zudem stehen wir in einem engen, konstruktiven Dialog mit der Stadt zum studentischen Wohnen und all den Themen, um den Campus Bad Mergentheim als Lebens- und Lernort noch attraktiver zu machen“, blickt Linsenmayer in die Zukunft. Im kommenden Jahr feiert der Campus Bad Mergentheim übrigens sein 25-jähriges Bestehen.  Seit einem Vierteljahrhundert ist die DHBW damit ein fester Bestandteil der Bildungs- und Wirtschaftslandschaft im Main-Tauber-Kreis und darüber hinaus.

Bundeswehr bleibt prägender Faktor in der Region

Die Bundeswehr in der Region ist heute nicht mehr so präsent wie früher. Der Blick zurück zeigt, wie stark sich ihre Rolle verändert hat – und warum die verbliebenen Standorte wieder an Bedeutung gewinnen.

Früher gehörte die Bundeswehr in der Region vielerorts zum Alltag. Militärfahrzeuge auf den Straßen, Männer in Uniformen oder Soldaten in Gaststätten waren in vielen Gemeinden selbstverständlich. Heute ist dieser Anblick seltener geworden. Die Bundeswehr hat sich aus mehreren Orten zurückgezogen, die Präsenz ist konzentrierter. Standorte wie Külsheim, Lauda oder Tauberbischofsheim sind Geschichte. Geblieben sind Walldürn, Niederstetten und Hardheim – und gerade dort ist die Bundeswehr weiterhin ein prägender Faktor. In Walldürn leisten heute in der Nibelungen-Kaserne rund 900 Soldaten und zivile Mitarbeiter Dienst. In Niederstetten sind beim Transporthubschrauberregiment 30 aktuell rund 1100 Soldaten sowie 80 zivile Beschäftigte und Beamte stationiert, in Hardheim rund 700 Soldaten. Gerade weil die Bundeswehr heute auf weniger Standorte konzentriert ist, haben die verbliebenen Garnisonen für ihre Kommunen an Bedeutung gewonnen. Das zeigt sich nicht nur an den Truppenstärken, sondern auch an den Investitionen. Neue Unterkunftsgebäude und modernisierte Kasernen sollen die Standorte für Wehrdienstleistende, Reservisten und Berufssoldaten attraktiver machen. Nach Jahren des Rückbaus geht es damit wieder stärker um Erhalt, Ausbau und Modernisierung.

Durch den Dienst bei der Bundeswehr, Heimat in Hardheim gefunden

Wie eng die Bundeswehr mit dem Leben vor Ort verbunden sein kann, zeigt die Geschichte von Rainer Prusak. Der gebürtige Kasseler kam 1984 als Berufssoldat nach Hardheim – und blieb. Was als Versetzung begann, wurde zu seinem Lebensmittelpunkt. In Hardheim lernte er seine spätere Frau kennen, fand Anschluss in Vereinen und lebt bis heute in der Gemeinde. Prusaks Geschichte steht beispielhaft für die Verflechtung von Bundeswehr und Gemeindeleben. In Hardheim engagierte er sich im Gesangsverein Liederkranz, später auch bei der FG „Hordemer Wölf“ und in der Fußballabteilung des TV Hardheim.  „Hardheim ist in dieser verrückten Welt noch eine behütete Wohngegend“, sagte Prusak im Gespräch mit den FN. Für viele Soldaten blieb der Dienst nicht auf die Kaserne beschränkt – sie wurden Teil des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich erinnert sich Prusak an ein lebhafteres Hardheim mit Diskothek, Kneipen und Bars. Gerade daran wird deutlich, wie stark Bundeswehrstandorte früher auch das Alltagsleben im Ort mitprägten.

Die Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor

Auch aus kommunaler Sicht ist die Bedeutung der Bundeswehr groß. Für Walldürns Bürgermeister Meikel Dörr gehört sie fest zum Leben in Walldürn und Hardheim. Die Standorte seien nicht nur wichtige Arbeitgeber für Soldaten und zivile Beschäftigte, sondern auch ein spürbarer Motor für die Wirtschaft in der Region. Wo viele Soldaten stationiert sind, bleibt Kaufkraft vor Ort: im Einzelhandel, in Arztpraxen, in der Gastronomie und bei Freizeitangeboten. Nach Dörrs Einschätzung profitieren auch Handwerksbetriebe aus Walldürn, Hardheim und Umgebung, weil Aufträge möglichst in der Region vergeben würden. Spürbar sei der Einfluss zudem auf dem Wohnungsmarkt. Ziehen Soldaten mit ihren Familien an die Standorte, steigt die Nachfrage nach Wohnraum. Perspektivisch könne sich das sogar bei der Kindergartenbedarfsplanung bemerkbar machen. Hinzu kommt die gesellschaftliche Rolle. In Walldürn und Hardheim sind Soldaten täglich sichtbar – in Uniform bei Festen wie dem Großen Blutfeiertag, im Stadtbild, in Gaststätten oder als Mitglieder in Vereinen. Die Bundeswehr ist dort kein Fremdkörper, sondern Teil des Alltags. Das zeigt sich auch bei gemeinsamen Veranstaltungen wie der „Erstürmung“ der Kaserne durch die FG in Hardheim oder bei öffentlichen Gelöbnissen. Auch in Niederstetten ist diese Verbindung spürbar. Nach Angaben des Transporthubschrauberregiments 30 trifft die Truppe in der Region trotz der Belastung durch Nacht- und Tiefflugübungen auf vergleichsweise großes Verständnis. Die Verbundenheit zeigt sich bei Veranstaltungen wie dem Herbstfest, dem Rossmarkt oder dem jüngsten Huey-Treffen. Das Regiment ist damit nicht nur militärisch präsent, sondern auch im öffentlichen Leben verankert.

Junge Soldaten, bewusste Entscheidung

Wie aktive Soldaten diese Rolle selbst erleben, zeigt der Blick nach Niederstetten. Dort dient der 18-jährige Leo, der bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker absolviert und die Unteroffizierslaufbahn anstrebt. Dass er zur Bundeswehr ging, kommt nicht von ungefähr: Beide Eltern arbeiten ebenfalls dort. Für ihn war der Schritt dennoch eine bewusste eigene Entscheidung. Er wollte verschiedene Möglichkeiten austesten und sich ein eigenes Bild machen. An seinem Dienst schätzt Leo vor allem die Abwechslung. Neben theoretischen Inhalten und Büroarbeit gehören praktische Aufgaben an Hubschraubern sowie Übungen im Gelände dazu. In der Region erlebt er den Standort als festen Teil des Alltags. „Gerade hier in der Region merkt man die Präsenz der Bundeswehr. Wenn man durch die Stadt geht, erkennt man immer wieder Gesichter aus dem Alltag oder aus der Kaserne wieder – auch wenn die Soldaten in ihrer Freizeit in Zivil unterwegs sind“, erzählte Leo. Die Reaktionen aus der Bevölkerung über die Bundeswehr seien überwiegend positiv, sagt er. Skepsis nehme er eher vereinzelt wahr – vor allem bei älteren Menschen, die sich wegen der politischen Lage sorgten. Für Leo steht dennoch fest, dass er sich wieder für diesen Weg entscheiden würde. Seine Einschätzung passt zu dem Eindruck, den die verbliebenen Standorte vermitteln: Die Bundeswehr ist in der Region heute zwar an weniger Orten präsent als früher. Wo sie geblieben ist, wirkt sie dafür umso stärker – als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und Teil des gesellschaftlichen Lebens.

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Zwischen Tradition und Aufbruch: Wie sich Kirche vor Ort verändert

Weniger Priester, rückläufige Gottesdienstbesuche und sinkende Mitgliederzahlen verändern das kirchliche Leben seit Jahren. Gleichzeitig entstehen neue Formen von Gemeinschaft, Verantwortung und Engagement – in der katholischen ebenso wie in der evangelischen Kirche. Von Maren Greß

Das kirchliche Leben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar verändert. Was früher in vielen katholischen Gemeinden selbstverständlich war, ist heute oft mit größerem organisatorischen Aufwand, neuen Strukturen und viel ehrenamtlichem Engagement verbunden. Besonders sichtbar wird dieser Wandel bei den Gottesdiensten, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Vorbereitung auf die Sakramente und in der Begleitung von Menschen in prägenden Lebensstationen. Gerade der Blick auf die Ministrantenarbeit zeigt, wie eng persönliche Glaubenserfahrungen und Veränderungen im Gemeindeleben miteinander verbunden sind. Für viele Kinder und Jugendliche war und ist der Dienst am Altar mit prägenden Erlebnissen verbunden: mit Gruppenstunden, Sternsingeraktionen, dem Blumenteppichlegen an Fronleichnam oder gemeinsamen Ausflügen. Gleichzeitig ist über die Jahre deutlich geworden, dass sich immer weniger Kinder und Jugendliche für diesen Dienst entscheiden. Die Zahlen schwanken von Jahrgang zu Jahrgang, insgesamt ist jedoch ein Rückgang zu verzeichnen.

Personelle Besetzung war eine andere

Einen Einblick in diesen Wandel am Beispiel der ehemaligen Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen gibt auch der frühere Hardheimer Pfarrer Franz Lang, der von 1995 bis 2012 als Seelsorger wirkte. „Zu Beginn gab es in jeder Pfarrei einen Sonntags- und einen Werktagsgottesdienst pro Woche“, erinnert er sich im Gespräch. Das sei unter anderem deshalb möglich gewesen, weil die Pfarrgemeinde zusätzlich bis 2004 noch einen Kaplan gehabt habe und viele Pensionäre mitgeholfen hätten. „Die personelle Besetzung war eine andere, dadurch war das Angebot der Heiligen Messen wesentlich größer als heute“, fasst Lang zusammen. Dass die Zahl der Gottesdienste über die Jahre abgenommen hat, lag unter anderem an der sinkenden Anzahl der Priester. Aufgefangen haben das vielerorts unter anderem die Gemeindeteams, die eigenständig Wortgottesdienste gestalten und leiten. Gleichzeitig zeigt sich auch hier eine Herausforderung: Wortgottesdienste würden oft nicht in dem Maße angenommen, wie es das Engagement der Teams eigentlich verdiene. Hinzu kommt die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher – ein Problem, das die katholische Kirche insgesamt beschäftigt. „Von unten her rückt da nicht viel nach“, hat Hardheims Gemeindereferentin Claudia Beger festgestellt. Jugendliche und junge Erwachsene finden demnach nur noch selten den Weg in die Kirche. „Wir müssen mehr Zeit mit den Jugendlichen verbringen. Am besten durch junge Mitarbeiter, denn die haben einen ganz anderen Zugang zu dieser Generation“, sagt Beger. Doch geeignetes Personal zu finden, werde immer schwieriger. Seit mehr als 20 Jahren ist Claudia Beger zudem für die Erstkommunionvorbereitung zuständig, inzwischen nicht nur in Hardheim und Höpfingen, sondern auch für Walldürn. Auch in diesem Bereich haben sich die Voraussetzungen verändert. „Zwischenzeitlich war es schwierig, Katecheten zu finden. Das ist momentan eher weniger ein Problem. Viele Eltern wollen ihre Kinder auf dem Weg zur Erstkommunion begleiten“, gibt sie einen Einblick. Zugleich beschreibt sie eine Entwicklung, die sich auf viele Bereiche kirchlichen Lebens übertragen lässt: „Früher waren viele Dinge selbstverständlich. Heute müssen wir mehr ins Gespräch kommen und den Glauben erklären.“

Laien übernehmen seit rund zehn Jahren den Beerdigungsdienst

Auch bei der Begleitung von Trauernden hat sich das kirchliche Leben gewandelt. Durch den Mangel an Priestern übernehmen seit rund zehn Jahren in Hardheim und Höpfingen auch Laien den Beerdigungsdienst. „Wir hatten früher viele Pensionäre. Die haben fraglos alle Beerdigungen übernommen. Auf einen Schlag sind quasi alle weggebrochen“, sagt Beger. Anfangs habe es Unsicherheit darüber gegeben, ob dieses Angebot angenommen werde. „Inzwischen haben das die Leute zu schätzen gelernt“, betont die Gemeindereferentin. Mit 60 bis 70 Beerdigungen pro Jahr bleibt im Alltag nur wenig Raum für ausführliche Trauerseelsorge. Umso wichtiger ist aus ihrer Sicht die ehrenamtliche Trauerbegleitung, die sich in den vergangenen Jahren etabliert hat. „Die nehmen uns viel ab. Das könnten wir alles gar nicht leisten“, betont Beger. Im Austausch mit den Verantwortlichen wird deutlich: Kirche zeigt sich heute vielfältiger als früher. Neben dem klassischen Sonntagsgottesdienst durch einen Priester gibt es heute neue Formen des Miteinanders, der Begleitung und der Seelsorge. Sabina Heck-Kuhn, die Referentin für Engagementförderung der Kirchengemeinde Bauland-Odenwald, hat unter anderem den Gesprächskreis „Mentale Gesundheit“ und das „Nest-Café“ ins Leben gerufen. Die Pastorale Mitarbeiterin Melanie Sauer bietet die Jugendseelsorge-Sprechstunde „PowerBank“ an. Dazu organisieren die Gemeindeteams Aktionen vor Ort. Der Blick auf die Entwicklung der Kirchen insgesamt zeigt, dass der Wandel nicht allein die katholische Kirche betrifft. Auch in der evangelischen Kirche gehen die Mitgliederzahlen und die Zahl der Gottesdienstbesucher zurück. Nach den vorliegenden Zahlen (siehe Grafik) fällt dieser Rückgang jedoch weniger stark aus als in der katholischen Kirche. Unabhängig von konfessionellen Unterschieden stehen beide Kirchen vor ähnlichen Aufgaben: Sie müssen Wege finden, Menschen in einer veränderten Gesellschaft anzusprechen, Glauben neu zu vermitteln und kirchliches Leben unter veränderten Bedingungen zukunftsfähig zu gestalten.

Vor der Haustür wird’s wild

Naturschutzgebiete: Auf 36 ausgewiesenen Flächen im Main-Tauber-Kreis summt, brummt und blüht es. Von Heike von Brandenstein

Main-Tauber-Kreis. Das hohe Gras wogt, der Blick schweift in die Weite. Die sanfte, hügelige Landschaft des Taubertals liegt dem Betrachter zu Füßen. Hoch oben in der „Brachenleite“ über Tauberbischofsheim zwitschern Vögel, summen Wildbienen und Hummeln, flattern Schmetterlinge und huschen Reptilien, erschreckt vom Beben menschlicher Schritte, in Spalten. Auf den Plateauflächen des ehemaligen Standortübungsplatzes der Bundeswehr gibt es viel zu entdecken. 36 Naturschutzgebiete weist der Main-Tauber-Kreis aus, wobei die „Limbachsleite“ in Werbach, die im Mai dieses Jahres hinzukam, das Jüngste ist. Karl-Heinz Geier, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Landkreisverwaltung, kennt sie alle. Vom nördlichsten „Tremhof“, wo es eine Graureiherkolonie gibt, bis zu den südlichsten „Oberrimbacher Erdfällen“, die mit ihren über 100 Dolinen eine geomorphologische Besonderheit darstellen. Karl-Heinz Geier lauscht. „Das ist eine Goldammer“, weist er auf den typischen Gesang des kleinen Fliegers hin. Vogelstimmen erkennt er aus dem Effeff, egal ob Dorngrasmücke, Singdrossel oder Grauammer. „Vor 30 Jahren war die Grauammer regelmäßig im Main-Tauber-Kreis anzutreffen, dann ist sie in unserer Region weitgehend ausgestorben“, informiert Geier. Umso erfreulicher sei es, dass sie sich seit 2023 wieder ausbreitet. „In der Brachenleite ist sie seit Jahrzehnten das erste Mal wieder anzutreffen.“ Auch bei der Wiesenweihe, dem „Charaktervogel der Agrarlandschaft“, wie der Sachgebietsleiter erläutert, habe sich der Bestand stabilisiert. „Waren früher lediglich wenige Brutpaare im Grenzbereich zu Bayern zu finden, haben wir mittlerweile sehr gute, stabile Bestände“, so Geier. Deutlich werde das auch beim Rotmilan, dessen Bestand sich in den vergangenen Jahren um rund 50 Prozent erhöht habe, obgleich es durchaus Bedenken wegen der wachsenden Zahl an Windkraftanlagen gegeben habe. Die Feldlerche fühlt sich im Main-Tauber-Kreis offenbar auch sehr wohl. Mit dem Gesang des Männchens in luftiger Höhe bei schnellem Flügelschlag lenkt der Bodenbrüter den Blick des Menschen gen Himmel, von dem es dann fast senkrecht hinunterstürzt. Kurz über dem Boden entfaltet es seine Flügel, um den Sturzflug abzufangen. Doch nicht nur Tiere, wie das scheue Reh, von dem im hohen Gras nur die Ohren herausspitzen, der Schmetterling namens Thymian-Widderchen oder das Tauberschwänzchen, das sich im Schwirrflug Nahrung sucht, gilt es zu beobachten. Auch zahlreiche Pflanzen finden sich in der Brachenleite und den vielen weiteren Naturschutzgebieten auf Kreisgebiet. Von weither kommen Naturliebhaber, um im Königheimer Haigergrund im Frühjahr den blühenden Diptam oder den seltenen Frauenschuh zu bewundern. Überhaupt bieten die Trockenhänge eine reiche Auswahl an Pflanzen, wie die violette Küchenschelle, das pinkfarbene Pyramidenknabenkraut oder verschiedene Ragwurzarten. Karl-Heinz Geier teilt den Main-Tauber-Kreis in drei Zonen auf: den Süden mit seinen Hochflächenbereichen und der Agrarlandschaft, die Mitte mit ihren typischen trockenen Muschelkalkhängen und den Norden mit dem feuchteren Buntsandstein, der stärker bewaldet ist als der übrige Teil. Alle drei Gebiete weisen ganz unterschiedliche Naturschutzgebiete auf, die durch Trittsteine gut miteinander vernetzt sind. „Fast jede Kommune hat ihre Biotopvernetzungskonzeption“, erklärt Geier, so dass Tier- und Pflanzenarten die Möglichkeit geboten wird, zu wandern. Das gilt für Gras- und Laubfrösche ebenso wie für kleine Insekten, Reptilien oder Gewächse. „Unser Ziel ist es, die Vielfalt zu erhalten“, meint der Naturschutzexperte. Und er resümiert: „Wir sind auf einem guten Niveau, auch wenn es immer etwas zu verbessern gibt.“ Wer wie Karl-Heinz Geier seit Jahrzehnten draußen unterwegs ist, merkt deutlich, wie sich der Klimawandel auf die Natur auswirkt. „Für trockenliebende Arten ist das ein Pluspunkt, Amphibien, die Wasser benötigen, bekommen allerdings Probleme, weil ihr Laich austrocknet.“ Der Waldlaubsänger, der eher ein kühleres Klima bevorzugt, hat sich ebenso zurückgezogen wie der Pirol, der an der Tauber früher weit verbreitet war. Dafür finden sich seit zwei Jahren Brutnachweise vom Gänsesäger, der eigentlich im Alpenvorland beheimatet ist. Als „schönstes Feuchtgebiet im ganzen Landkreis“ bezeichnet der Sachgebietsleiter Naturschutz das „Ried“ bei Wittighausen. Hier finde sich der Biber, der niemanden störe, und die notwendige Stauarbeit umsonst erledige. Gemeinde und Nabu-Gruppe vor Ort hätten hier Vorbildliches geleistet, lobt er. Zu entdecken gibt es im gesamten Main-Tauber-Kreis eine Arten- und Naturvielfalt sondergleichen. Ob die Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim, der artenreiche Trockenhang „Mehlberg“ bei Lauda-Königshofen oder der „Lindenberg“ bei Werbach mit dem sich wiegenden Grauscheidigen Federgras: Wandern mit offenen Augen und entsprechenden Apps zum Erkennen von Pflanzen und Tieren sind auch für Einheimische wie Urlaub – nur eben vor oder fast vor der Haustür.

Gegen den Strom: Was junge Menschen in der Heimat hält

Nach der Schule in die weite Welt – im ländlichen Raum quasi selbstverständlich. Doch zwei besondere Beispiele zeigen: Ein gutes Leben ist auch in der Region sehr gut möglich. Worauf es dabei ankommt.

Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sind die mobilste Altersgruppe. Nach dem Schulabschluss ziehen sie für Studium, Ausbildung oder Berufseinstieg weg – und ein nicht unerheblicher Teil kommt auch nicht mehr zurück. Laut einer großen Jugendstudie will jeder dritte junge Mensch „auf jeden Fall“ weg, der tatsächliche Anteil dürfte noch deutlich höher sein. Insbesondere betroffen davon sind ländliche, vergleichsweise strukturschwache Regionen. Auch wenn es keine aufgeschlüsselten Zahlen zu diesem Phänomen gibt: Der Befund des statistischen Bundesamtes dürfte auch die Region Odenwald-Tauber betreffen. Allzu oft „verschwinden“ größere Teile eines Schuljahrgangs nach dem Abschluss in die großen Städte und Ballungszentren des Landes. Die Folgen dieser Wanderungsbewegung sind vielfältig: Betroffene Landkreise überaltern. Das Fehlen junger Menschen sorgt für Nachwuchsprobleme sowohl bei Firmen als auch im Freizeitbereich, also zum Beispiel in den Vereinen. Fehlen dauerhaft größere Teile der Jahrgänge, sinkt die Bevölkerung der Regionen nachhaltig – weil auch Familien dann woanders gegründet werden. Aus dem Wegzug junger Menschen kann ein regelrechter Teufelskreis für den ländlichen Raum werden.

Zwischenüberschrift: Ein Wegzug ist nicht alternativlos

Doch es gibt Faktoren, die junge Menschen in ihrer Heimat halten können. Eine größere Jugendstudie zeigt: Wer sich früh in der Region engagiert, der hat geringere Abwanderungsgedanken. Den vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements kommt also eine entscheidende Bedeutung zu. Besonders deutlich wird dies bei der freiwilligen Feuerwehr und anderen Rettungsdiensten. Jugendliche, die hier aktiv sind, äußern laut Studie deutlich seltener den Wunsch, ihre Region nach der Schule zu verlassen. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Heimat- und Bürgervereinen, bei denen die Zugehörigkeit mit einer ausgeprägten Neigung zum Verbleib in der Region verbunden ist. Zwei Beispiele für starke regionale Verwurzelung verdeutlichen die Studienergebnisse auf ganz praktische Art und Weise. Denn mit Sebastian Mayer (30) und Sören Döffinger (27) sind zwei junge Menschen nicht nur hiergeblieben, sondern bringen sich auch auf ganz besondere Art und Weise in der Region ein. Denn Mayer ist seit Mai 2026 in Niederstetten, Döffinger bereits seit Mitte 2024 als Bürgermeister in Mulfingen tätig. Junge Bürgermeister, die nicht nur für das bezahlte Amt angetreten sind, sondern sehr vielfältig und tief in ihrer Heimatregion verwurzelt sind. Sören Döffinger ist gebürtig – und das hört man auch – aus Niederstetten, genauer gesagt aus dem Stadtteil Oberstetten. Mit zwölf Jahren zieht die Familie dann nach Assamstadt, wo Vater Joachim seit 2010 Bürgermeister ist. Die Grundschule besucht er in Niederstetten, das Abitur absolviert in Bad Mergentheim – und geht dann erstmal weg: zur Bundeswehr und zum Studium nach München. Doch „Gefühle vergehen nicht“, wie er es formuliert. An jedem Wochenende geht es in die Heimat, der er weiterhin verbunden bleibt. Durch sein Engagement in der Jungen Union ist ihm der gesamte Main-Tauber-Kreis vertraut, Heimat im engeren Sinne bleiben aber insbesondere Niederstetten und Assamstadt.

Zwischenüberschrift: Döffinger sieht gute Gründe für Verbleib in der Heimat

Der 27-Jährige betont, dass es gute Gründe für ein Leben in der Region gebe: ein großes Angebot an gut bezahlten Arbeitsplätzen, vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten und der „gesellschaftliche Kitt“. Womit wir bei den Vereinen wären: Döffinger ist vielfältig engagiert. Zu Schulzeiten als Schwimmer in Bad Mergentheim, der Deutschorden-Compagnie als Politiker in Junger Union und CDU sowie beim Jugendclub Assamstadt. Und natürlich dem Fasching, daran führt in Assamstadt wohl kaum ein Weg vorbei. „Ich liebe es einfach“, so Döffinger. Man merkt es in jedem Satz: Die Heimat (wozu mittlerweile auch Mulfingen zählt) ist ihm wichtig. Er hat hier gebaut und mit seiner Frau Fabienne eine Familie gegründet. Auch wenn es mit 27 sicher zu früh ist, sich für ein Leben lang festzulegen: Döffinger fühlt sich rundum angekommen – dort, wo er nie wirklich wegging. Sebastian Mayer ist das Gesicht Niederstettens. Seit Mai sogar wortwörtlich, denn er ist inzwischen Bürgermeister ‚seiner‘ Stadt. Hier ist er aufgewachsen und lebt immer noch hier. Auch beruflich ist er so eng mit Niederstetten verwurzelt wie nur wenige andere: Vom Praktikanten über die Verwaltungsausbildung hin zum Bauamtsleiter und schließlich Bürgermeister – Mayer hat seine Berufslaufbahn vollständig im Rathaus Niederstetten absolviert. Sogar seine Partnerin lernt er dort kennen.

Zwischenüberschrift: Heimat, das ist nicht nur Landschaft und Geschichte

Gerade einmal vier Monate war er für den Abschlusslehrgang der Ausbildung in Karlsruhe. „Das war schon schlimm“, beschreibt er die Zeit dort. Mit 16 Jahren sei ihm klar geworden, dass er hierbleiben wolle. Das Aufwachsen auf einem Hof habe die Verbindung sicher verstärkt. Einen Gegenentwurf bildet ein Bruder, der fürs Studium nach München ging und auch heute noch dort lebt. Alle anderen Geschwister sind ebenfalls eng in der Heimat verwurzelt. Umso mehr motiviert es den 30-Jährigen, in seiner Rolle als Bürgermeister jungen Menschen ein gutes Angebot zum Leben in der Heimat zu machen. „Heimat, das ist heute nicht nur Landschaft und Geschichte, sondern auch schnelles Internet, gute Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten“, fasst er zusammen. Fragt man Mayer, was für ein gutes Leben in der Region wichtig sei, kommt auch er schnell auf die Vereine zu sprechen. Selbst ist er ebenfalls in Jugendclub, freiwilliger Feuerwehr und der Chorgemeinschaft Wildentierbach-Rinderfeld aktiv. „Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl, integriert zu sein“, erklärt er. Die Vereine seien als bindendes Element wichtig, ist er sich mit Amtskollege Döffinger einig. Er ist sogar überzeugt: „Das soziale Netz ist hier größer als in der Stadt.“

Kultur erleben.

Kulturangebote aus dem Main-Tauber und Neckar-Odenwald-Kreis.

Von Burgfestspielen bis Konzertreihen: Die Region zeigt, wie vielfältig Kultur vor unserer Haustüre ist. Wir geben einen Überblick über die großen Bühnen.

Wo die Tauber Geschichten erzählt

Zwischen Wein, Kultur und einer Landschaft, die bleibt

Wer den Main-Tauber-Kreis bereist, erlebt eine Landschaft, die sich nicht über große Gesten definiert, sondern über Kontinuität. Zwischen Wertheim im Norden und Bad Mergentheim im Süden, zwischen Tauberhängen, Weinorten und geschichtsträchtigen Kleinstädten entfaltet sich ein Kulturraum, der seit Jahrhunderten von Fluss, Rebe und fränkischer Siedlungsgeschichte geprägt ist. Es ist eine Region, die nicht mit großen Gesten um Aufmerksamkeit wirbt, sondern mit großer Echtheit – und gerade deshalb bei vielen Gästen einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Das „liebliche Taubertal“ bildet dabei das touristische Rückgrat. Die Tauber schlängelt sich in weiten Bögen durch eine Hügellandschaft aus Muschelkalk und Buntsandstein, vorbei an Weinbergen, Streuobstwiesen und historischen Ortskernen. Burgen und Schlösser setzen markante Akzente: Hoch über Wertheim wacht die gleichnamige Burg über den Zusammenfluss von Main und Tauber, während das Residenzschloss in Weikersheim als eines der bedeutendsten Renaissanceensembles der weiten Region gilt. Dazwischen reihen sich kleinere Stadtbilder und Dörfer, die ihre pittoreske historische Struktur vielfach bewahrt haben. Der Tourismus ist förmlich mit der Region verwachsen: „Mit rund 6.000 Beschäftigten liegt er auf Platz zwei der beschäftigungsstärksten Branchen im Kreisgebiet und ist damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Main-Tauber-Kreis. Zugleich funktioniert der Tourismus wie ein Motor für unsere ganze Region: Von den Gästen profitiert die gesamte heimische Wirtschaft – vom Handwerk bis zum Handel. Das macht unseren Landkreis stark und attraktiv für die Zukunft“, sagt Landrat Christoph Schauder. Einkommen hier, Erlebnis dort: Touristisch prägend ist der starke Ausbau der Infrastruktur für Rad- und Aktivurlaub. Der Radweg „Liebliches Taubertal – der Klassiker“ zählt seit Jahren zu den bekanntesten Radrouten Süddeutschlands und wird regelmäßig ausgezeichnet. Die Route verbindet die Orte entlang der Tauber von Wertheim über Tauberbischofsheim, Lauda-Königshofen und Bad Mergentheim bis in den Süden des Landkreises und macht die Flusslandschaft buchstäblich erfahrbar. Tauberbischofsheim selbst bildet dabei als zentrale Kreisstadt einen wichtigen administrativen, wirtschaftlichen und medialen Knotenpunkt der Region – und ist mit dem dort ansässigen Medienhaus der Fränkischen Nachrichten zugleich ein prägender Bezugspunkt für die tägliche Begleitung des regionalen Geschehens. Zweiter Blick auf wirtschaftliche Bedeutung: Die Ferienlandschaft „Liebliches Taubertal“ erwirtschaftet jährlich eine touristische Wertschöpfung im dreistelligen Millionenbereich – allein für 2023 wurden rund 358 Millionen Euro aus Übernachtungen, Tagesreisen und touristischen Leistungen ausgewiesen. Auch die Übernachtungszahlen zeigen sich nach den pandemiebedingten Einbrüchen wieder stabil bis leicht steigend. Neben den bekannten Zentren spielt die kleinteilige Struktur eine entscheidende Rolle für das touristische Profil. Bad Mergentheim als Kurstadt mit Schloss, Kurpark und Gesundheitsangeboten bildet ein großes touristisches Zentrum. Lauda-Königshofen steht mit seinen Weinorten und Lagen wie Beckstein oder Königshofen exemplarisch für den Weinbau im Taubertal. Wertheim verbindet historische Altstadt, Outlet-Tourismus und die Lage am Main zu einem vielschichtigen Besucherangebot. Im südlichen Teil des Kreises werden die Übergänge bereits spürbar fließender. Historische Orte wie Creglingen mit der Herrgottskirche und dem berühmten Riemenschneider-Altar oder Niederstetten im Vorfeld des Hohenloher Raums markieren eine eher ruhige, landschaftlich und ebenfalls vom Weinbau geprägte Zone. Und nur wenige Kilometer weiter liegt Rothenburg ob der Tauber, eine der international bekanntesten mittelalterlichen Städte Deutschlands – ein touristischer Magnet, der die südliche Tauberregion zusätzlich prägt. Auch auf bayerischer Seite, etwa im kleinen Tauberbogen um Röttingen, setzt sich dieses Bild fort: historische Stadtmauern, Wein, Sommerfestspiele und eine enge Verbindung zur Flusslandschaft, die sich nicht an Landesgrenzen orientiert. Für viele Besucher entsteht so ein zusammenhängender Erlebnisraum entlang der Tauber, der sich weniger politisch als landschaftlich und kulturell definiert. Gerade diese Mischung macht den Reiz des Main-Tauber-Kreises aus: keine spektakulären Extreme, sondern eine kontinuierlich gewachsene Kulturlandschaft, die Geschichte sichtbar hält und gleichzeitig zeitgemäße Formen des Tourismus entwickelt hat. Zwischen Wein und Wandern, Kur und Kultur, Flusslandschaft und Fachwerk entfaltet sich eine Region, die ihre Stärke nicht in der Inszenierung, sondern in ihrer Authentizität findet.

Dort wohnen, wo andere Urlaub machen … Der vielzitierte Satz passt für den Odenwald wie das berühmte Tüpfelchen auf das „i“: Geprägt von ausgedehnten Wäldern, sanften Hügeln, aber auch anspruchsvollen Steigungen, idyllischen Tälern und historischen Orten, bietet er ideale Voraussetzungen für einen naturnahen Urlaub. Die Region erstreckt sich über die drei Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen und vereint unterschiedlichste Landschafts- und Kulturräume zu einem vielseitigen Gesamtbild.

Regionale Zutaten für den großen Genuss

Für das FN-Jubiläum haben Frank Bundschu und Daniel Schaffers ein Menü mit vier Gängen kreiert.

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Feste, Familienfeiern, religiöse Anlässe oder politische Empfänge: Fast immer spielt dabei die gemeinsame Mahlzeit eine zentrale Rolle. Der gedeckte Tisch wird zum Ort der Begegnung. „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, sagt ein altes Sprichwort, das ursprünglich Sokrates zugeschrieben wird. Essen ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme, weil wir damit, gerade in guter Gesellschaft, auch unserer Seele etwas Gutes tun. Davon sind auch Frank Bundschu und Daniel Schaffers, Vorsitzender und 2. Vorsitzender beim Dehoga Main-Tauber-Kreis, überzeugt. Und damit unsere Leserinnen und Leser in geselliger Runde kulinarisch glänzen können, haben sie für die Fränkischen Nachrichten ein Jubiläumsmenü kreiert, das es in sich hat. Natürlich haben wir Frank Bundschu und Daniel Schaffers mit unserem Thema „Gestern, heute, morgen“ konfrontiert. „Wie hat ein solches Menü vor 80 Jahren ausgesehen und wie könnte es in 80 Jahren aussehen?“, lautete unsere Frage. Vor 80 Jahren war zwar nicht alles verfügbar, aber prinzipiell hätte das Menü ähnlich aussehen können, da die Zutaten ja aus der Region stammen. Wahrscheinlich wäre es aber schwerer gewesen und die Soße hätte eine dominantere Rolle gehabt. Der Blick der zwei Köche in die Zukunft war spannend. Pflanzliche Alternativen, vielleicht auch kultiviertes Fleisch aus Zellkulturen oder Insekten, könnten konventionelles Fleisch in der Zukunft ersetzen. Laut den Dehoga-Vertretern könnte die Ernährung klimabewusster und insgesamt regionaler werden, um Verschwendung weitestgehend zu vermeiden. Sie könnte auch abgestimmt auf Gesundheitsdaten, Alter oder genetische Veranlagung sein. Wichtig sei, den Kindern die richtige Einstellung zum Essen mit auf den Weg zu geben. Dann wird sicher auch in 80 Jahren der Genuss nicht zu kurz kommen. Für das aktuelle FN-Menü haben Frank Bundschu und Daniel Schaffers vier Gänge vorbereitet. Eine Kräuterschaumsuppe, Lachsforelle auf Linsengemüse an Meerrettichschaum, gefüllte Hähnchenkeule auf Grünkernrisotto als Hauptgang sowie zum Abschluss Mille-feuille (Tausend Blätter) mit Vanillecreme in Anlehnung an die Druckausgabe der Fränkischen Nachrichten. „Die Lebensmittel, die wir verkochen, sind natürlich aus der Region. Sie sind gewöhnlich, aber hoch qualitativ“, erklärte Frank Bundschu. Der Grünkern als einzig herkunftsgeschütztes Lebensmittel in der Region dürfe beim Jubiläumsmenü natürlich nicht fehlen. Auch wer nach einer passenden Weinbegleitung, sucht (Silvaner und Tauberschwarz rosé bieten sich an), wird in der Region sicher fündig. Viel Spaß beim Nachkochen und beim Genuss in netter Runde! Von Olaf Borges

Das Menü zum Nachkochen.

Mit Leidenschaft und Erfahrung: Jubi-Köche Daniel Schaffers (links) und Frank Bundschu (rechts).

Gemeinsam genießen: Stellvertretender Reporter-Chef Sascha Bickel (links), Deskchef Olaf Borges (hinten rechts) und Chefredakteur Fabian Greulich.

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Sportjournalismus ist mehr als Ergebnisse

Die Bandbreite der Berichterstattung reicht vom Profisport bis hin zu den untersten Ligen im Amateurbereich. Von Nicola Beier

Wer in alten Zeitungsbänden blättert, stellt im Vergleich zu heutigen Printausgaben schnell fest, wie sehr sich die Berichterstattung über Sport im Laufe der Zeit verändert hat. Vor allem in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Art und Weise, wie über sportliche Wettbewerbe berichtet wird, deutlich gewandelt. Besonders gut lässt sich diese Entwicklung am Fußball beobachten – also an jener Sportart, die hierzulande seit jeher auf allergrößtes Interesse stößt. Gerade bei klassischen Spielberichten zeigt sich der Unterschied zwischen früherer und heutiger Berichterstattung sehr deutlich. Während heute oft die wichtigsten Informationen komprimiert im Vordergrund stehen, wurden entscheidende Szenen früher häufig ausführlich und bis ins kleinste Detail beschrieben.

Fußballberichterstattung vor 50 Jahren

Nehmen wir als Beispiel das Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal, das vor einigen Wochen stattfand. Die Anfangsphase dieser Partie wäre zum Beispiel vor 50 Jahren wie folgt geschildert worden: „Vor 67.000 erwartungsfrohen Zuschauern in der Budapester Puskás Aréna erwischte der FC Arsenal bei bestem Fußballwetter einen Traumstart: Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite bekam Kai Havertz nach einem Abpraller den Ball in der fünften Minute vor die Füße. Blitzschnell sprintete er alleine auf Paris Torwart Matvey Safonov zu. PSG-Verteidiger Willian Pacho kam nicht rechtzeitig hinterher und auch Nuno Mendes war in der Mitte zu langsam, um die Schussbahn noch zuzulaufen, und so ‚zimmerte‘ Havertz den Ball aus spitzem Winkel am chancenlosen Safonov vorbei zur frühen FC-Führung in die obere rechte Ecke. Der deutsche Nationalspieler zeigte einmal mehr seine Klasse.“ All diesen Details kann der heutige Zeitungsleser wohl nichts mehr abgewinnen. Deshalb heißt es 2026 kurz und knapp etwa so: „Die frühe Führung des FC Arsenal durch Havertz in der sechsten Minute musste PSG erst einmal verdauen. Erst in der zweiten Hälfte kamen die Pariser mehr und mehr ins Spiel.“ Diese Information reicht für den Leser aus. Wer mehr wissen möchte, hat sich schon längst anderweitig informiert, entweder bei der Live-Übertragung im TV oder über „Ticker“ im Internet. Wichtiger als die Schilderung einer einzigen Spielszene sind die Geschichten hinter dem Geschehen.

Die Geschichte hinter dem Ereignis

Wie hat sich das deutsche Schiedsrichtergespann rund um Daniel Siebert im Finale geschlagen? Warum fährt Siebert nicht mit zur Weltmeisterschaft? Wie groß ist Luis Enriques Beitrag zum Erfolg von PSG, das als erste Mannschaft nach Real Madrid den Champions-League-Titel verteidigt? Wie bewerten die „Protagonisten“ selbst die Situation oder Aktion? Wie sahen Außenstehende die Partie? Es gibt häufig viel zu erzählen – egal, ob es sich um ein Champions-League-Spiel oder um eine Partie in einer der unteren Ligen auf Kreisebene handelt. Ergebnis sowie Torfolge und Torschützen sind die wichtigsten Fakten überhaupt. Danach darf es heutzutage gerne über die übliche 1:0-Berichterstattung hinaus gehen. In vermutlich keinem anderen Zeitungsressort ist der Wandel der Zeit spürbarer als innerhalb einer Sportredaktion. Dafür gibt es unzählige Beispiele. „Früher“ herrschte an jedem Sonntags-Spieltag Hochbetrieb in der Sportredaktion. Alle Mitarbeiter waren im Einsatz, erfassten Tabellen, redigierten Spielberichte oder beantworteten Telefonanfragen der Leser. „Könnte ich bitte einmal alle Ergebnisse der Kreisklasse B haben?“ – „Wie hat denn der TSV in der Landesliga gespielt?“ – „Wie sieht's denn jetzt aus? Ist der FC noch Tabellenführer oder ist der SV nun vorn?“ – „Weiß man schon, wann und wo das Relegationsspiel am kommenden Wochenende stattfindet?“ – Geduldig wurden diese Fragen, die sich ständig wiederholten, beantwortet. Es war ein beliebter Service für unsere Leser, der damals sehr geschätzt wurde. Heutzutage steht das Telefon still. Jeder, der Sportergebnisse wissen möchte, informiert sich aktuell via Smartphone über das Internet. Da spielt es keine Rolle, ob der Angriff, der zum Siegtor führte, über links oder rechts kam. Wichtig ist, dass das Tor überhaupt gefallen ist.

Fokus auf Spitzensport in der Region

Die Form der Sportberichterstattung hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich gewandelt, an der Vielfalt der Themen und Inhalte, die für die FN-Sportredaktion von Bedeutung sind, hat sich jedoch nichts geändert. In der Region gibt es zahlreiche Profiteams, die auch im Verbreitungsgebiet auf großes Interesse stoßen. So sind bei Heimspielen der Würzburger Kickers immer zahlreiche Zuschauer aus dem Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis am Start. Und auch die Fitness First Würzburg Baskets ziehen viele Zuschauer aus dem FN-Verbreitungsgebiet an. Auch Vereine wie die Hakro Merlins Crailsheim oder die Schwäbisch Hall Unicorns begeistern zunehmend Besucher aus der Region. Das Herzstück der täglichen Arbeit in der FN-Sportredaktion bilden dennoch nach wie vor die Amateursportlerinnen und Amateursportler aus dem Verbreitungsgebiet. Über sie wird auch künftig berichtet – ganz gleich, ob sie auf dem Fußballplatz dem Ball hinterherjagen oder als junges Talent im örtlichen Verein in der Leichtathletik aktiv sind. Sie alle verdienen es, mit ihrem sportlichen Einsatz und ihren Leistungen wahrgenommen und honoriert zu werden.



„Beim VfL Bochum habe ich als junger Kerl verrückte Sachen erlebt“

Thomas Reis: Der einstige bundesliga-Profi und -Trainer hat seine fußballerischen Wurzeln beim FC Eichel in Wertheim. In der Jubiläumsbeilage seiner Heimatzeitung spricht er über seine Karriere, die ihn bis in europäische Wettbewerbe führte. Von Michael Fürst

Thomas Reis als Spieler beim VfL Bochum. Sein Markenzeichen: Immer voller Einsatz.

Sein größter Erfolg: Als Trainer führte Thomas Reis den VfL Bochum in die Bundesliga zurück.

Sein größter Erfolg: Als Trainer führte Thomas Reis den VfL Bochum in die Bundesliga zurück.

Die Zeit als Trainer des FC Schalke 04 möchte Thomas Reis nicht missen.

Herr Reis, wenn Sie auf Ihre Profikarriere als Spieler und Trainer zurückschauen, welches war Ihr größtes Erlebnis?

Herr Reis, wenn Sie auf Ihre Profikarriere als Spieler und Trainer zurückschauen, welches war Ihr größtes Erlebnis?

Als Sie nach Ihrem ersten Bundesliga-Einsatz in der Kabine saßen, haben Sie da auch gedacht: Jetzt weiß ich, dass sich die ganze Plackerei gelohnt hat?

Reis: Auf jeden Fall. Als ich mit 15 Jahren aus Wertheim wegging, um beim VfB Stuttgart zu spielen, habe ich mich von meiner Familie und vielen Freunden getrennt, um am Traum Profifußballer zu arbeiten. Wenn dieser Traum dann Wirklichkeit wird, ist das schon ein großer Moment, und man weiß, wofür man vieles Private geopfert hat.

Ist es Ihnen damals schwergefallen, Freunde und Familie hinter sich zu lassen?

Reis: Ja, auf jeden Fall. Mit vielen Freunden bin ich damals schon in den Kindergarten gegangen. Wenn man eine Weile weg ist und nur noch ein paar Tage im Jahr nach Wertheim kommt, dann verläuft sich das allerdings auch schnell. Ich wollte die Chance in einer Jugendmannschaft eines Bundesliga-Vereins nutzen. Profifußballer war immer mein Traum, Trainer eher nicht (lacht).

Wann haben Sie selbst gemerkt, dass Sie noch etwas besser als die anderen Jungs sind und es vielleicht doch zum Profifußballer reichen kann?

Reis: Ich war früh Nationalspieler und habe mich von Jahrgang zu Jahrgang etabliert. Ich hatte zwar nur einen linken Fuß und ein wenig Talent, aber in der A-Jugend von Eintracht Frankfurt habe ich dann schon gemerkt, dass es mit dem Profifußball etwas werden könnte. Die ersten Bundesliga-Jahre bei Eintracht Frankfurt waren hart. Der Durchbruch kam dann erst richtig beim VfL Bochum.

Dort führte der Weg bis in den Europapokal.

Reis: Genau. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga haben wir uns gleich für den UEFA-Pokal qualifiziert. Da habe ich als junger Kerl schon verrückte Dinge erlebt.

Wie wurden Sie vom VfB Stuttgart entdeckt?

Reis: Ich habe in der Kreisauswahl Tauber, der Badischen Auswahl und in der Juniorennationalmannschaft gespielt. Da war man natürlich bekannt. Da haben sich schon einige Vereine gemeldet, unter anderem der SV Waldhof und Bayer Leverkusen. Als mich dann der VfB Stuttgart kontaktierte, war ich mit meinen Eltern dort, und wir haben uns das angeschaut. Ich habe gleich gesagt: Das ist es! Ich kannte da auch schon einige Spieler aus der Nationalmannschaft. Das hat den Wechsel leichter gemacht.

Welche Kontakte haben Sie heute noch in Ihre Heimatstadt Wertheim?

Reis: Da meine Eltern leider schon gestorben sind, habe ich zusammen mit meiner Schwester das Elternhaus verkauft und bin jetzt nicht mehr so häufig dort. Aber zwei, drei Freunde habe ich noch, und wenn ich in Wertheim bin, treffe ich gerne Roland Grottenthaler, weil mich die Familie viel unterstützt hat. Meiner Frau gefällt es übrigens auch sehr gut in Wertheim.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Wertheim?

Reis: Einen Platz nicht direkt. Ich mag den Augenblick, wenn ich von der Autobahn abfahre und sehe dann in der Höhe von Kreuzwertheim die Burg, am besten abends, wenn sie beleuchtet ist. Das ist für mich Heimkommen.

Zurück zum Profifußball: Gab es in Ihrer Karriere einen Punkt, an dem Sie heute sagen: Es hätte auch noch mehr als Eintracht Frankfurt und VfL Bochum werden können?

Reis: Es gab damals auch Anfragen anderer Vereine, unter anderem von Besiktas Istanbul mit Trainer Kalli Feldkamp. Ich war nicht das größte Talent und war nicht der Schnellste. Ich hatte einen guten linken Fuß und war taktisch ziemlich versiert. Letztlich war es dann mein Ehrgeiz, der mich dahin gebracht hat, wo ich war. Ich denke, dass ich aus meinen Fähigkeiten schon das Maximale herausgeholt habe. Man darf auch nicht vergessen, dass ich oft verletzt war und insgesamt acht Operationen während meiner Karriere hatte. Die haben mich schon immer wieder zurückgeworfen.

Passen Sie aufgrund dieser Beschreibung so gut zu Vereinen aus dem Ruhrgebiet wie Bochum und Schalke, weil Sie die Mentalität der Menschen dort verkörpern?

Reis: Auf jeden Fall. Ich wohne jetzt länger in Bochum, als ich in Wertheim gewohnt habe. Hier habe ich mich von Beginn an wohlgefühlt. Beim VfL mussten wir immer kämpfen, um zwischen den großen Ruhrgebietsvereinen wie Schalke und Dortmund bestehen zu können. Das hat zu meiner Mentalität gepasst. Diese lebe ich heute auch als Trainer vor. Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann bin ich als Trainer auch authentisch.

Eingangs sagten Sie, Sie wollten eigentlich kein Trainer werden. Was hat dazu geführt, dass Sie diesen Weg doch eingeschlagen haben?

Reis: Ich wollte nach der Profilaufbahn weiter etwas mit Sport zu tun haben und hatte deshalb schon zum Ende meiner Karriere ein Sportmanagement-Fernstudium absolviert. Danach habe ich noch den Sportfachwirt und irgendwann auch den ersten Trainerschein gemacht. Ich habe zunächst die U13 beim VfL Bochum trainiert und schnell gemerkt, dass ich den Jungs etwas vermitteln kann. Ich habe ja auch viel erlebt als Profi: Aufstieg, Abstieg, Siege, Niederlagen, Europapokal, schwere Verletzungen. Langsam habe ich gemerkt, dass das meine Welt ist. Im Büro wollte ich auf keinen Fall sitzen. Auf dem Platz ist meine Welt. Ich habe weitere Scheine gemacht und war auch Co-Trainer beim VfL Bochum. Ich wollte dann den Verein wechseln, weil ich mich woanders beweisen wollte – bei einem Verein, bei dem ich keine Vorschusslorbeeren genoss. Dabei hatte ich in Bochum einen unbefristeten Vertrag. Als ich die U19 beim VfL Wolfsburg übernahm, bin ich also auch ein Risiko eingegangen. Aber die Arbeit dort wurde gesehen, was ich daran erkannte, dass schnell ein Verein aus der 2. Bundesliga angefragt hat.

Das war aber damals nicht gleich wieder der VfL Bochum?

Reis: Nein, der kam dann ein wenig später.

Sie haben den VfL Bochum 2020 vor dem Abstieg in die 3. Liga gerettet und sind anschließend mit diesem Verein in die Bundesliga aufgestiegen. Wo würden Sie diesen Erfolg in Ihrer Karriere einordnen?

Reis: Das war einzigartig, wenngleich der Wechsel zurück nach Bochum ebenfalls ein Risiko war. Wenn es bei deiner ersten Trainerstation im Profifußball schiefgeht, dann bist du als Trainer schnell verbrannt. Als die Corona-Pause kam, dachte ich mir: Jetzt sind alle gleich. Das hat noch kein Trainer erlebt. Das ist deine Gelegenheit, in einer „dritten Vorbereitung“ zu zeigen, was du aus einer Mannschaft machen kannst. Dann sind wir „Corona-Meister“ geworden.

Warum war die Zeit danach „auf“ Schalke nicht so erfolgreich?

Reis: Ich würde nicht sagen, dass die Zeit nicht erfolgreich war. Ich habe eine Mannschaft übernommen, die als Bundesliga-untauglich tituliert wurde, und wir sind am Ende Rückrunden-Achter geworden. Uns haben zwei, drei Spiele zum Klassenerhalt gefehlt. Ich weiß: Dafür kann ich mir nichts kaufen. Dass ich nach sieben Spieltagen in der 2. Bundesliga mit sieben Punkten entlassen worden bin, musste ich akzeptieren, verstanden habe ich es nicht. Übrigens wurde es nach meiner Zeit auf Schalke auch nicht besser. Ich konnte mir nicht allzu viel vorwerfen. Ich will die Station nicht missen, weil das eine ganz andere Hausnummer war.

Alle, die dort waren, sagen, Schalke habe noch einmal eine ganz andere Wucht. Wie äußert sich diese Wucht?

Reis: Gerade medial. Häufig war es so, dass eine Stunde nach einer Spielersitzung alles in der „Bild“ stand. Auswärts sind 10.000 Fans dabei, die Heimspiele sind mit 60.000 Zuschauern jedes Mal ausverkauft – egal, ob in der Bundesliga oder in der 2. Bundesliga. Da ist immer etwas los.

Sie gingen in die Türkei zu Samsunspor und schafften dort auf Anhieb die Qualifikation zur Europa League. Wie wichtig war diese Auslandserfahrung für Sie?

Reis: Das war unheimlich wichtig. Ich hatte auch andere Angebote aus dem Ausland und habe mich dann für Samsunspor entschieden, obwohl der Verein zuvor fast abgestiegen war. Dazu kam eine Transfersperre. Wir durften niemand Neues verpflichten und es blieb bei vier Absteigern, obwohl die Süper Lig mit einer Mannschaft weniger spielte. Das war auch wieder ein Risiko.

Ist das nicht unheimlich schwierig, dort Fuß zu fassen, weil man ja der Sprache nicht mächtig ist? Was war die größte Herausforderung beim Traineramt im Ausland?

Reis: Ich musste Spieler aus 14 Nationen und verschiedener Kulturen unter einen Hut bringen. Ich musste die Mentalitäten erst kennenlernen. Ich hatte einen hervorragenden Dolmetscher, der vom Englischen ins Türkische übersetzt hat. Zu dem und zu anderen aus dem Verein habe ich heute noch Kontakt. Die Jungs haben dann schnell gemerkt, wie weit sie gehen können, auch weil ich unpopuläre Entscheidungen getroffen habe.

Welche waren das?

Reis: Wir hatten Anfang Januar das prestigeträchtige Schwarzmeerderby gegen Trabzonspor. Derby, obwohl die beiden Städte über 300 Kilometer voneinander entfernt sind (lacht). Im alten Jahr hatte ich ein paar Tage freigegeben. Vier Spieler, zwei davon Stammspieler, kamen aber zwei Tage später aus dem Kurzurlaub. Und das kann ich ja besonders gut leiden. Diese vier habe ich für das Trabzonspor-Spiel suspendiert. Die mussten eine Woche lang separat trainieren. Da war großes Theater im Verein, und ich hatte auch mehrere Gespräche mit dem Präsidenten. Aber ich blieb bei meiner Entscheidung und der Präsident stand dann auch dahinter. Wir haben das Spiel gewonnen. Plötzlich warst du der Held. Manchmal hat man auch das nötige Glück. In Bochum habe ich auch mal einen Spieler für ein Spiel suspendiert. Das haben wir verloren. Da gabs dann auf die Mütze.

Wer war das?

Reis: Robert Zjul. Danach hat er überragend gespielt. Bei der Aufstiegsfeier hat er sich bei mir dafür bedankt.

Zieht es Sie bei der nächsten Trainerstation wieder ins Ausland?

Reis: Es gab einige Gespräche, auch im Ausland. Wichtig ist, dass ich überzeugt bin von einem Projekt. Deshalb mache ich auch keinen Schnellschuss. Geld ist nicht alles.

Es muss also nicht unbedingt die Bundesliga sein?

Reis: Wenn man einmal in der Bundesliga gearbeitet hat, will man da auch wieder arbeiten. Da mache ich keinen Hehl daraus. Aber es gibt dort eben nur 18 Jobs. Die 2. Bundesliga ist aber auch immer reizvoll. Da gibt es viele interessante Vereine.

Welche Vereine wären das?

Reis (lacht): Da äußere ich mich natürlich diplomatisch: In der ersten und zweiten Bundesliga sind alle Vereine interessant.

Zum Abschluss: Welchen Rat würden Sie heute einem jungen, talentierten Spieler vom Land geben, der an der Schwelle zum Profifußball steht und nicht genau weiß, ob er auf dieses Pferd setzen soll?

Reis: Grundvoraussetzung ist eine gewisse Mentalität. Um etwas zu erreichen, musst du auch auf etwas verzichten, da kann ich nicht dauernd mit den Kumpels in die Disco gehen. Aber wenn man es schafft, ist es der schönste Beruf. Dann hast du dein Hobby zum Beruf gemacht. Ich würde sagen: Junge, wenn du die Chance hast, versuche sie zu nutzen!

Aus einer Vision wird eine Erfolgsgeschichte

Die Tischtennis-Akademie des FC Külsheim hat sich zu einer bekannten Adresse für den Nachwuchs entwickelt. Dort wachsen Erfolge, Talente und Gemeinschaft unter einem Hallendach. Von Nicola Beier

Silja Würzberger

Jannis Würzberger

Svenja Hepp

Wer an Külsheim denkt, denkt vielleicht nicht als Erstes an eine der spannendsten Nachwuchsadressen im Tischtennis. Doch genau das ist in der kleinen Stadt in den vergangenen Jahren entstanden. In der Halle des FC Külsheim wird längst nicht mehr nur trainiert – hier wächst eine Gemeinschaft, die sportlichen Ehrgeiz, Begeisterung und Ehrenamt miteinander verbindet. „Aus einer gemeinsamen Vision“ sei „in nur zwei Jahren eine Akademie entstanden“, sagt Mitinitiator Ralf Würzberger. Für Cheftrainer Christian Behringer ist genau das der Kern des Projekts: „Ich möchte Talente fördern und ihnen die Chance geben, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass jedes Kind – unabhängig vom Leistungsniveau – Freude am Tischtennis entwickelt.“ Dass diese Idee trägt, zeigt sich nicht nur an sportlichen Erfolgen, sondern auch am Blick in die Halle. „Der schönste Moment für mich war, als ich zum ersten Mal in eine voll besetzte Trainingshalle geschaut habe“, sagt Hermann Braun. „In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass die Akademie Menschen verbindet und begeistert.“

Akademie-Gründer als logischer nächster Schritt

Offiziell gegründet wurde die Tischtennis-Akademie Külsheim 2024. Vieles, was sie heute prägt, war beim FC allerdings schon lange da. Die Nachwuchsarbeit der Tischtennis-Abteilung hatte sich über Jahre entwickelt; mit der Akademie wurden diese Strukturen gebündelt und konsequent ausgebaut. Die Gründung war daher weniger ein Neustart als vielmehr der logische nächste Schritt. Im Kern versteht sich die Akademie als Nachwuchs- und Sportförderung der Tischtennis-Abteilung – vom Schnuppertraining über den Breitensport bis zur Förderung auf Landes- und Bundesebene. Gerade diese Verbindung ist für die Verantwortlichen entscheidend. „Leistungssport und Breitensport schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich und bilden gemeinsam das Fundament unserer Akademie“, betont Behringer. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch sportlich. Die Damenmannschaft schaffte den Durchmarsch bis in die Regionalliga, die 1. Herrenmannschaft spielte sich in die Verbandsliga. Aber vor allem im Nachwuchsbereich hat sich die Akademie einen Namen gemacht: Zahlreiche Spielerinnen und Spieler sind auf Bezirks-, Verbands-, Landes- und Bundesebene erfolgreich, einige zählen bereits zur erweiterten nationalen Spitze ihrer Altersklassen.

Breites Trainingsangebot für alle

Ebenso wichtig ist den Verantwortlichen die Breite. Aktuell werden in Külsheim 20 bis 30 Kinder und Jugendliche in verschiedenen Förderstufen betreut – vom Anfänger bis zum Leistungssportler. Trainiert wird an fünf Tagen pro Woche, hinzu kommen Sondertrainings, Ferienlehrgänge und individuelle Förderung. „Zu sehen, was wir in nur zwei Jahren gemeinsam aufgebaut und erreicht haben, erfüllt mich jeden Tag mit großer Freude“, sagt Behringer. Getragen wird die Arbeit mit den Spielern von Cheftrainer Christian Behringer. Unterstützt wird er von seinen Töchtern Felicia und Lucia Behringer, die beide früher in der 3. Bundesliga bei den Frauen gespielt haben. Hinzu kommt Adrian Jankowiecki, Spitzenspieler der 1. Herrenmannschaft, der sich ebenfalls in die Nachwuchsarbeit einbringt. Neue Kinder finden über Schulaktionen, Minimeisterschaften, die Kinderolympiade oder das DTTB-Schnuppermobil den Weg in die Halle. Viele bleiben, weil sie dort nicht nur Training, sondern ein Umfeld erleben, in dem sie sich entwickeln können. Holger Würzberger beschreibt es so: „Die schönsten Momente sind für mich, wenn man sieht, mit welcher Freude die Kinder ins Training kommen und wie sie sich entwickeln.“ Aus dieser Freude entstehe weit mehr als sportlicher Fortschritt – nämlich Selbstvertrauen, Gemeinschaft und Bindung an den Verein. Dass die Akademie heute weit über die Region hinaus bekannt ist, hat auch mit den Menschen hinter dem Projekt zu tun. Zu den prägenden Persönlichkeiten zählen neben Christian Behringer vor allem die Brüder Ralf und Holger Würzberger, Hermann Braun und Martin Krug. Daneben tragen Ehrenamtliche, Eltern, Sponsoren und weitere Unterstützer die Entwicklung mit. „Mich macht stolz, dass wir in kurzer Zeit etwas aufgebaut haben, das weit über normales Vereinstraining hinausgeht“, sagt Krug. Die Akademie stehe für „Talentförderung, Gemeinschaft und echte Begeisterung für Tischtennis“.

Spitzenmäßige Nachwuchsspieler

Auch die Nachwuchshoffnungen zeigen, dass die Akademie sportlich mehr ist als ein ambitioniertes Vereinsprojekt. Zu den bekanntesten Namen zählen Svenja Hepp, Jannis und Levin Würzberger sowie Tim Herm. Jannis und Levin gehören seit mehreren Jahren zur erweiterten nationalen Spitze ihrer Altersklassen. Für Jannis (Jahrgang 2010) ist die Akademie ein echter Mehrwert: „Sie gibt mir die Möglichkeit, auch in meiner Region auf einem hohen Niveau zu trainieren, und ist die perfekte Ergänzung zum Training am Landesstützpunkt. Dadurch kann ich zusätzlich hochwertige Trainingseinheiten direkt vor Ort absolvieren, mich noch besser weiterentwickeln und den Leistungssport besser mit der Schule koordinieren.“ Svenja Hepp (Jahrgang 2014) zählt in ihrem Jahrgang zu den größten Talenten Deutschlands und sammelt regelmäßig internationale Wettkampf- und Lehrgangserfahrung. Tim Herm hat sich bis in die erweiterte Landesspitze Baden-Württembergs entwickelt. Dahinter drängen mit Zeno Kohlhepp, Emily Baumann, Silja und Kira Würzberger, Lara Bausback, Clara Maier, Lukas Braun, Anton Heß und Tim Würzberger weitere Talente nach. Und die heben auch den Zusammenhalt an der Akademie hervor. So sagt Silja Würzberger, ihr mache besonders Spaß, immer mit ihrer Schwester und ihren Freundinnen zusammen sein zu können.

Das Niveau auch in Zukunft halten

Trotz aller Erfolge richtet sich der Blick in Külsheim nach vorn. Mit dem Wachstum steigen auch die Anforderungen. Qualifizierte Trainer, gute Trainingsbedingungen und eine verlässliche Finanzierung bleiben zentrale Themen. „Die größte Herausforderung besteht darin, die Qualität unserer Ausbildung auch bei weiterem Wachstum auf diesem hohen Niveau zu halten“, sagt Behringer. Ähnlich formuliert es Ralf Würzberger: Nun gehe es darum, „dieses Niveau dauerhaft zu halten“. Die Ziele für die kommenden Jahre sind ambitioniert, aber realistisch. Sportlich soll es für die Damen mittelfristig mindestens in Richtung 3. Bundesliga gehen, bei den Herren gilt die Verbandsoberliga als Orientierung. Gleichzeitig will der FC Külsheim die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und Verbänden ausbauen, den Trainerstab erweitern und weitere leistungsstarke Sparringspartner gewinnen. Auch die Veranstaltungen zur Nachwuchsgewinnung sollen ausgebaut werden. Im besten Fall, so die Hoffnung, könnten in den nächsten fünf Jahren sogar ein deutscher Meistertitel im Nachwuchsbereich oder die Teilnahme eines Külsheimer Eigengewächses an einer Jugend-Europameisterschaft möglich sein. Entscheidend bleibt für die Verantwortlichen aber vor allem, möglichst viele Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern und ihnen eine sportliche Heimat zu geben. Oder, wie es Hermann Braun formuliert: Die Akademie ist „mehr als ein Projekt – sie ist eine Herzensangelegenheit“.

Montreal 1976 – Gold, Silber und das Radio

Alexander Pusch: Erinnerungen an einen magischen Olympia-Sommer, ein legendäres Finale und den Glanz vergangener Tage. Von Klaus T. Mende

Montreal, 1976. Ein heißer Sommer. In Tauberbischofsheim sitzt eine junge Frau namens Ute in der Küche von Emil Beck und presst die Hände ans Ohr. Aus dem Radio rauscht der Kommentar aus Kanada. Es ist das olympische Degen-Finale. Auf der Planche stehen sich nicht irgendwer gegenüber. Es ist das Duell Alexander Pusch gegen Jürgen Hehn. Zwei Freunde. Zwei Vereinskollegen. Ein Kampf um die sportliche Unsterblichkeit.

Jürgen war damals mein großes Vorbild

„Ach, das ist heute überall im Sport so“, winkt Alexander Pusch heute ab, wenn man ihn auf die psychologische Extremsituation von damals anspricht. „Ob beim Tennis oder im Golf: Der Bessere gewinnt. Jürgen war damals mein großes Vorbild. Er war zehn Jahre älter, er hat mich mit großgezogen. Klar ist der Zweite im ersten Moment enttäuscht, aber am Ende war die Freude bei uns beiden riesig. Denn wir hatten etwas Seltenes erreicht.“ Pusch war damals gerade 21 Jahre alt, ein Jahr zuvor war er der jüngste Degenweltmeister der Geschichte geworden. Ein kometenhafter Aufstieg, der so zunächst nicht zu erwarten war – und der den ehrgeizigen Youngster selbst aber erstaunlich kaltließ. Während Pusch in der kanadischen Metropole als jüngster Olympiasieger aller Zeiten Sportgeschichte schrieb, herrschte in seiner Heimatstadt Tauberbischofsheim der absolute Ausnahmezustand. Weil die Gefechte im Fernsehen wegen Zeitverschiebung und Übertragungsrechten nicht live zu sehen waren, drängte sich die Fecht-Familie im Haus von Trainer-Legende Emil Beck um das Radio. Ute Pusch, damals seit zwei Jahren an Alexanders Seite, erinnert sich hautnah an das kollektive Zittern: „Das ZDF war bei Emil im Haus und hat uns live gefilmt, während wir im Radio die Gefechte verfolgt haben! Die Frau von Jürgen (Hehn), die Karin (Beck), ich und ein paar Freunde der Familie waren da. Das kam dann alles so im Fernsehen.“ Als das "Double" schlussendlich perfekt war – Gold für Pusch, Silber für Hehn –, brachen alle Dämme. Die Nachricht vom Triumph des Taubertals verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Ute Pusch wurde gewissermaßen vom Fleck weg zum "Medienstar" wider Willen: „Mich haben sie vom Büro aus mit dem Chauffeur abgeholt! Der ist nach Wertheim gefahren, hat mich vom Schreibtisch geholt und ist mit mir ins ‚Aktuelle Sportstudio‘ nach Mainz gefahren. Da saß schon der ganze Vorstand vom Fechtzentrum.“ Die Heimfahrt mitten in der Nacht wurde dann zum Triumphzug. „Wir sind von Mainz nach Tauberbischofsheim im Auto mit TBB auf dem Kennzeichen gefahren – und viele Autos auf der Autobahn haben uns ununterbrochen angehupt! Das war der pure Wahnsinn!“ Nicht zu vergessen jene 30.000 stolze Fans, die sich nach Olympia zum großen Empfang mit Autokorso in der Kreisstadt eingefunden hatten. Doch der Glanz von Montreal war teuer erkauft. Er basierte auf einem System, das sportliche Härte zur Kunstform erhob. Emil Beck regierte die Kaderschmiede mit eiserner Hand. Harmonisch ging es auf der Planche selten zu. Alexander Pusch erinnert sich schmunzelnd an die psychologischen Tricks des Meistermachers: „Emil konnte das wunderbar inszenieren, dass man sich sogar im Training wettkampfmäßig gefochten hat. Er hat die Leute sogar heimlich mit einer neuen Klinge bestochen, wenn sie mich schlagen – nur um Anreize zu setzen.“ Gefochten wurde gnadenlos, von Dienstag bis Sonntag – durchgehend. „Die Hallen waren früher voll mit 30, 40 Fechtern. Auch die Damen mussten sich mit uns Männern duellieren, um davon in ihren Wettkämpfen zu profitieren“, erzählt der 71-Jährige. Für ihn und seine Kollegen war Beck jedoch weit mehr als ein Schleifer: „Er war als Trainer ein harter Hund, ein sehr harter Hund sogar, aber auch erfolgreich. Und als Mensch war er für uns wie ein Ziehvater. Harald Hein, Thomas Bach, Matthias Behr und ich sind ohne Vater groß geworden. Und da ist Emil Beck in die Vaterrolle hereingerutscht. Er hat sich für uns alle eingesetzt und uns unterstützt.“ Heute, genau ein halbes Jahrhundert später, ist von diesem unbedingten Siegeswillen im deutschen Fechtsport nur noch wenig übrig. In den Hallen ist deutlich weniger los, Olympia- oder WM-Qualifikationen werden reihenweise verpasst. Ein Zustand, der dem „Fechter des Jahrhunderts“ wehtut.

Das System EmilBeck war wunderbar

„Das System Emil Beck war wunderbar, weil jeder Trainer im Verein die gleiche Lektion weitergegeben hat. Das ist jetzt anders. Heute hast du zehn Trainer mit zehn verschiedenen Methoden. Das ist im Kopf viel zu kompliziert“, kritisiert Pusch die aktuellen Strukturen. Es fehle an einer klaren Führungspersönlichkeit. „Du brauchst immer einen Chefkoch in der Küche. Wenn da zwei, drei sind, ist es schlecht. Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei.“ Alexander Pusch, als Bundestrainer 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney bei Olympia dabei, blickt indes voller Wehmut auf die veränderte Medienlandschaft. Früher reichte ein Anruf, um die Ergebnisse in die Welt zu tragen: „Wir mussten früher nachts alles per Fax noch wegschicken an die Agenturen, damit es am Montag in der Zeitung steht. Emil Beck sagte immer: Ein Wettkampf, über den man nicht berichtet, hat nicht stattgefunden. Heute siehst du gar nichts mehr in der Presse. Es ist wirklich bedauerlich, was vorgefallen ist. Es gibt niemanden mehr, der sich dafür einsetzt.“ Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Sommer im Jahr 1976. An das Rauschen eines Radios in einer kleinen Beckschen Küche im Taubertal, das eine neue Zeitrechnung des deutschen Sports einläutete. Und an die beiden Freunde Pusch und Hehn, die auf der Planche um alles kämpften und als Legenden ins Taubertal zurückkehrten.

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„Wir stehen an einem Wendepunkt“

Als Dienstleister steht die IHK Heilbronn-Franken den rund 65.000 Mitgliedsbetrieben bei den unterschiedlichsten Fragestellungen zur Seite. Ein Zukunftsziel: Man will helfen, die Region zum Zentrum für angewandte KI zu machen. Von Diana Seufert

Wirtschaftsförderung mit all ihren Facetten ist seit Jahrzehnten das Leitmotiv der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken. In der aktuellen Phase haben die Betriebe mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen, wie Hauptgeschäftsführerin Elke Döring im Interview deutlich macht. Die reichen von geopolitischen Veränderungen über den Einsatz von KI in den Unternehmen bis zu Neugründungen.

Frau Döring, wie versteht sich die IHK Heilbronn-Franken heute als Dienstleister und Begleiter für die Unternehmen in der Region?

Elke Döring: Wir fördern Wirtschaft – an diesem Leitsatz hat sich nichts geändert. Wir vertreten die Interessen von rund 65.000 Mitgliedsbetrieben und unterstützen sie in ganz unterschiedlichen Bereichen. Natürlich bei allen Fragen rund um Ausbildung und Prüfung. Wir beraten und qualifizieren, helfen bei der Unternehmensgründung oder wenn es darum geht, neue Zollrichtlinien zu beachten. Unsere Unternehmen erwarten von uns aber auch, dass wir stärker, als das noch vor Jahren notwendig war, ihre Herausforderungen gegenüber der Politik artikulieren und in politische Entscheidungsprozesse einfließen lassen. Es geht darum, dass die Politik die Sorgen und Nöte der Wirtschaft versteht und im Sinne der Unternehmen handelt.

Welche Themen und Herausforderungen bewegen Ihre Mitgliedsunternehmen derzeit besonders stark?

Döring: Unsere Unternehmen stehen vor Herausforderungen, wie sie sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Ganz ohne Zweifel stehen wir an einem Wendepunkt. Die alte Ordnung funktioniert nicht mehr. Die geopolitische Lage hat sich massiv verschoben. Lange als sicher geglaubte Märkte erodieren. Handelsbarrieren werden nicht ab-, sondern aufgebaut. Demokratien geraten unter Druck und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind nicht mehr verlässlich. Das alles trifft unsere industriell geprägte und exportorientierte Region mit voller Härte. Noch dazu in einer Zeit des radikalen Umbruchs durch die digitale Transformation.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz aus Ihrer Sicht inzwischen in den Unternehmen der Region – und wo sehen Sie noch ungenutzte Chancen?

Döring: Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel zu nahezu allem. Wer als Unternehmen nicht auf KI setzt, hat schon verloren. Unsere Unternehmen haben das erkannt. Ihr vielleicht entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, dass direkt in ihrer Nachbarschaft ein einzigartiges KI-Ökosystem heranwächst – mit dem IPAI, der Hochschule und den Forschungsinstituten, die sich allesamt mit angewandter KI-Technologie beschäftigen. Damit haben die Betriebe in Heilbronn-Franken den unmittelbaren Zugang zur wichtigsten Zukunftstechnologie.

Was sind aktuell die größten Hürden für Unternehmen beim Einstieg in oder beim Ausbau von KI – etwa fehlendes Know-how, Kosten, Datenschutz oder rechtliche Unsicherheit?

Döring: An Ideen mangelt es den Unternehmen nicht, aber oft ist die Umsetzung ein Problem. Ja, das Know-how ist sicher ein Thema, vor allem in kleinen und mittleren Betrieben. Dabei geht es einerseits darum, dass die Unternehmen für sich passende KI-Anwendungen ausfindig machen und andererseits, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen, also das Personal fit zu machen. Wir helfen den Unternehmen dabei, die richtigen Partner zu finden.

Wie unterstützt die IHK Heilbronn-Franken Unternehmen ganz konkret dabei, neue Technologien wie KI sinnvoll und praxisnah einzusetzen?

Döring: Indem wir Menschen zusammenbringen. Wir schaffen Netzwerke und bieten Orientierung im KI-Ökosystem. Unser KI-Transferoffice im IPAI baut die Brücke zwischen mittelständischen Unternehmen in der Region und den Entwicklern und Anwendern im Innovationspark. Mit unserer Unterstützung finden die Unternehmen Partner, die passgenaue Lösungen anbieten können. Mehr noch: Wir qualifizieren Unternehmen sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bieten Seminare und Fortbildungen an. Und wir nutzen unsere gewachsenen Strukturen, um den Betrieben Zugang zu anwendungsorientierter KI-Forschung zu ermöglichen, zum Beispiel zu den Heilbronner Fraunhofer-Instituten. Wir haben eine eigene, ganz auf die Region ausgerichtete Webseite, auf der Unternehmen alles erfahren, was sie zu KI in Heilbronn-Franken wissen müssen.

Welche Rolle spielt KI aus Ihrer Sicht bei der Bewältigung des Fachkräftemangels und beim Wandel von Arbeitsplätzen in der Region?

Döring: KI ist ein wichtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel, aber sicher kein Allheilmittel. Entscheidend ist, dass KI gewinnbringend eingesetzt wird, dass die Unternehmenskultur entsprechend ausgerichtet wird und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Weg mitgehen.

Welche Bedeutung haben Start-ups und junge Gründungen für die wirtschaftliche Entwicklung und Innovationskraft von Heilbronn-Franken?

Döring: Für Heilbronn-Franken gilt wie für jede Region: Start-ups sind ein zentraler Treiber für die Zukunftsfähigkeit des Standorts, weil sie neue Technologien und Geschäftsmodelle in traditionell geprägte Strukturen einbringen. Und auch Start-ups finden in Heilbronn und der Region ideale Bedingungen. Regionale Netzwerke, Initiativen wie die Campus Founders, die Hochschule und Institute bieten für Start-ups gute Voraussetzungen, die nötigen Kontakte zu schaffen, um ein Geschäftsmodell zum Erfolg zu bringen. Ich kenne Start-ups, die Heilbronn den großen Metropolen als Standort vorgezogen haben, weil sie davon ausgehen, dass sie ihre Geschäftsidee hier besser entwickeln können.

Was können etablierte Unternehmen und Start-ups in der Region aus Ihrer Sicht voneinander lernen?

Döring: Beide können in Heilbronn Franken vor allem lernen, ihre jeweiligen Stärken gezielt zu kombinieren: Start-ups stehen für Geschwindigkeit, neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle, während der Mittelstand Erfahrung, Marktkenntnis und Umsetzungskraft einbringt. Entscheidend ist, diese Perspektiven frühzeitig zusammenzuführen – etwa in Formaten wie „Startup trifft Mittelstand“ der baden-württembergischen IHKs, die den Austausch gezielt fördern. So erhalten Unternehmen Zugang zu neuen Impulsen, während Start-ups von realen Anwendungen und Marktzugang profitieren.

Wenn Sie auf die kommenden fünf bis zehn Jahre blicken: Welche Rolle möchten Sie als IHK für die wirtschaftliche Zukunft von Heilbronn-Franken spielen?

Döring: Die Welt ist in derartig im Umbruch, dass es nahezu unmöglich ist, einen seriösen Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre zu richten. Wie entwickeln sich die Kriege und Konflikte auf der Welt? Sehen wir uns womöglich einer ganz neuen Bedrohungslage ausgesetzt? Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter? Mit Bestimmtheit kann das niemand sagen. Aber wir können und müssen uns auf die verschiedenen Szenarien vorbereiten. Die IHK tut das, indem sie das Thema resiliente Wirtschaft und sichere Region zu einem Kern ihrer Strategie 2030+ gemacht hat. Aber auch in fünf bis zehn Jahren wird die IHK noch immer Wirtschaft fördern, sicher mit deutlich anderen Schwerpunkten und unter neuen Rahmenbedingungen. Vielleicht haben unsere Unternehmen aber auch ein paar Aufgaben weniger, weil unsere ständigen Appelle zum Bürokratieabbau umgesetzt wurden. Vor allem aber wollen wir in fünf bis zehn Jahren dazu beigetragen haben, dass der Standort Heilbronn-Franken zukunftssicher aufgestellt ist, die Unternehmen wettbewerbsfähig sind, investieren und gemeinsam mit dem KI-Ökosystem Heilbronn-Franken zum europäischen Zentrum für angewandte KI gemacht haben.

Viel Wald, wenig Schiene

IHK-Geschäftsführer Andreas Hildenbrand blickt auf den Neckar-Odenwald-Kreis, einer Region mit Stärken, aber auch mit Herausforderungen

Dr. Andreas Hildenbrand, Geschäftsführer der IHK Rhein-Neckar am Standort Mosbach, in der Innenstadt von Buchen. Bild: Martin Bernhard

Wer den Neckar-Odenwald-Kreis besucht, fährt durch Wälder, Felder und Dörfer. Das ist eine Region, die vor allem Ruhe ausstrahlt. Doch der Landkreis ist auch ein Wirtschaftsraum, der sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert hat und der um seine Zukunftsfähigkeit ringt. Dr. Andreas Hildenbrand, Geschäftsführer der IHK Rhein-Neckar am Standort Mosbach, kennt diese Entwicklung genau. Seit 2017 ist er für die IHK Rhein-Neckar im Neckar-Odenwald-Kreis unterwegs, seit 2019 steht er als Geschäftsführer an der Spitze der IHK in Mosbach. Inzwischen ist er tief in der Region verwurzelt, gut vernetzt und nah dran an dem, was die Betriebe beschäftigt – von Standortfragen bis Fachkräftemangel, von Infrastruktur bis Ausbildung. Er beschreibt einen Landkreis mit viel Potenzial, aber auch mit spürbaren Nachteilen. Eine Gegend, die wirtschaftlich stärker ist, als Außenstehende annehmen mögen, die sich aber immer wieder gegen das Gefühl stemmen muss, etwas abgehängt zu sein.

Der stille Wandel einer ländlichen Region

„Der Neckar-Odenwald-Kreis“, sagt Hildenbrand, „hat seit 1949 einen tiefgreifenden Strukturwandel erlebt.“ Die einst eigenständigen Kreise Buchen und Mosbach waren früher stark landwirtschaftlich geprägt. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen haben das wirtschaftliche Profil der Region neu geformt. Die Landwirtschaft ist zwar weiterhin sichtbar, sie nimmt aber längst nicht mehr die dominante Rolle von einst ein. Heute tragen vor allem mittelständische Industrie- und Handwerksbetriebe den Landkreis. Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden aus und sorgen dafür, dass die Region wirtschaftlich nicht einseitig aufgestellt ist. Gerade diese Mischung sieht Hildenbrand als Stärke: keine Monokultur, keine einseitige Abhängigkeit, sondern eine gewachsene Vielfalt.

Mehr Menschen, viel Fläche – aber wenig Raum für Entwicklung

Auch die Bevölkerungszahlen erzählen von Veränderung. Rund 130.000 Menschen lebten nach dem Zweiten Weltkrieg im Landkreis, heute sind es etwa 145.000. Bis 2045 rechnet die Kreisverwaltung mit einem Anstieg auf über 150.000 Einwohner. Gleichzeitig ist der Neckar-Odenwald-Kreis vor allem eines: weitläufig. Mit rund 113.000 Hektar ist er der größte Flächenlandkreis im Regierungsbezirk Karlsruhe. Fast 100.000 Hektar davon sind Vegetationsflächen. Etwa die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt, rund 47 Prozent sind Wald. Viel Natur also, viel Grün und viel Landschaft. Industrie- und Gewerbegebiete nehmen mit rund 1.500 Hektar nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche ein. Die Wohnbaufläche ist mit etwa 3.800 Hektar mehr als doppelt so groß. Wenn der ländliche Raum wirtschaftlich mithalten soll, müsse er sich auch entwickeln dürfen, meint Hildenbrand. Die restriktive Politik zur Flächenversiegelung der früheren Landesregierung sieht er daher kritisch. Aus seiner Sicht wurde damit vor allem der ländliche Raum ausgebremst.

Warum Menschen bleiben – oder gehen

Die Region hat unbestreitbare Vorzüge. Sie bietet neben guten Arbeitsplätzen nämlich Natur, Ruhe und Lebensqualität. Wohnen und Leben sind günstiger als in den Ballungszentren. Doch allein mit schöner Landschaft gewinnt man keine jungen Familien. „Wann zieht jemand hierher?“, fragt Hildenbrand. „Dann, wenn nicht nur das Gehalt, sondern auch das Umfeld stimmt.“ Wenn Familien das finden, was sie für ihren Alltag brauchen: ein eigenes Haus, Ärzte, eine Klinik, verlässliche Kinderbetreuung und Ganztagsschulen. Wer den ländlichen Raum attraktiv halten wolle, müsse genau dort ansetzen. Denn die Entscheidung für ein Leben außerhalb der großen Zentren, die uns umgeben, fällt nicht aus Romantik allein. Sie ist eine Abwägung zwischen Lebensqualität und Erreichbarkeit, zwischen Ruhe und Infrastruktur, zwischen Freiraum und Versorgungssicherheit.

Die Ortskerne verlieren ihren Takt

Besonders deutlich wird der Wandel in den Ortszentren. „Früher haben die gebrummt“, sagt Hildenbrand. Heute stehen viele Ortskerne unter Druck. Der Online-Handel verändert das Kaufverhalten, klassische Geschäfte verschwinden, Leerstände nehmen zu. Wo einst Alltag, Handel und Begegnung zusammenkamen, entstehen zunehmend Problemzonen. Damit verliert der ländliche Raum nicht nur an Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch an Identität. Denn lebendige Ortskerne sind mehr als wirtschaftliche Standorte. Sie sind Treffpunkte, Aushängeschild, sozialer Mittelpunkt. Dass mehrere Städte und Gemeinden an der Attraktivität ihrer Innenstädte und Ortskerne aktiv arbeiten, ist deshalb sehr wertvoll.

Abgehängt auf der Schiene

Hinzu kommt ein Problem, das im Alltag vieler Menschen konkret spürbar ist: die Anbindung an die umliegenden Oberzentren. Viele Beschäftigte pendeln aus dem Landkreis hinaus. Umso wichtiger wären gute Verbindungen auf Straße und Schiene in Richtung Ballungsräume und zurück. Doch genau hier sieht Hildenbrand erheblichen Nachholbedarf. Besonders kritisch fällt sein Blick auf den Zugverkehr im nordöstlichen Neckar-Odenwald-Kreis aus. Der Halbstundentakt der S-Bahn endet in Mosbach. Danach wird es dünn. Die Madonnenlandbahn zwischen Seckach und Miltenberg ist bis heute nicht elektrifiziert. Für Orte wie Buchen, Walldürn, Hardheim und Höpfingen bedeutet das: kein direkter Anschluss an das S-Bahn-Netz, schlechtere Erreichbarkeit, geringere Attraktivität. Hildenbrands Urteil ist deutlich: „Da sind wir abgehängt.“ Für eine Region, die auf Pendler, Fachkräfte und Standortqualität angewiesen ist, ist das mehr als nur ein Ärgernis. Es ist ein echter Wettbewerbsnachteil.

Die Zukunft fährt digital

Wenn Hildenbrand über Mobilität spricht, denkt er längst weiter. „Vielleicht“, sagt er, „bringen uns irgendwann selbstfahrende Autos zum nächsten Bahnhof und wieder zurück.“ Das klingt nach Zukunftsmusik, macht aber auf ein weiteres Defizit aufmerksam: Ohne digitale Infrastruktur wird moderne Mobilität kaum funktionieren. Daran hapert es jedoch vielerorts noch. Ein flächendeckender Glasfaseranschluss ist im Landkreis nicht überall vorhanden, auch die Mobilfunkabdeckung lässt zu wünschen übrig. Für Unternehmen, Beschäftigte und Familien ist das längst kein Randthema mehr. Wer auf dem Land leben und arbeiten will, braucht schnelles Internet ebenso selbstverständlich wie eine funktionierende Straße oder Schiene.

Bildung als Anker in der Fläche

Ein großer Pluspunkt der Region ist für Hildenbrand der DHBW-Standort in Mosbach. Dass die „Duale Hochschule Baden-Württemberg“ dort vertreten ist, stärke die gesamte Gegend. Ursprünglich seien die früheren Berufsakademien bewusst in Städten ohne klassische Hochschulen angesiedelt worden, mit dem Ziel, den ländlichen Raum aufzuwerten und junge Menschen vor Ort zu halten. Inzwischen sei dieses Prinzip teilweise aufgeweicht worden, etwa durch Standorte mit teilweise ähnlichen Studienangeboten in größeren Städten wie Heilbronn, Mannheim oder Stuttgart. Dennoch ist für Hildenbrand klar: Hochschulangebote außerhalb der Metropolen sind ein wichtiger Hebel, um Fachkräfte in der Fläche zu sichern.

Wenn Berufsschulklassen verschwinden, wird Ausbildung teurer

Auch die Zukunft der Berufsschulen beschäftigt den IHK‑Geschäftsführer. Klassen müssten auch dann erhalten bleiben, wenn die Schülerzahlen sinken. Ein starrer Klassenteiler, wie er in Ballungsräumen gilt, wo auf der gleichen Fläche mehr Menschen leben, sei auf dem Land nicht sinnvoll. Denn wenn Berufsschulangebote wegfallen, droht Blockunterricht an weiter entfernten Standorten. Für Betriebe würde das die Ausbildung deutlich teurer machen, organisatorisch und finanziell. Die Folge könnte sein, dass sich immer weniger Unternehmen die Ausbildung leisten können oder leisten wollen. Gerade für eine Region, die auf ihren Mittelstand angewiesen ist, wäre das ein gefährlicher Kreislauf: weniger Berufsschulstandorte, weniger Ausbildungsbetriebe, weniger Fachkräfte und so weiter.

Kleine Unternehmen brauchen Luft zum Atmen

Sorge bereitet Hildenbrand außerdem die Lage kleiner Betriebe. Bürokratie, wachsende Regulierung und immer neue Vorgaben erhöhen aus seiner Sicht die Fixkosten – oft in einem Maß, das vor allem kleinere Firmen stark belastet. Während große Industriebetriebe eher die Ressourcen haben, solche Anforderungen aufzufangen, geraten kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe schneller unter Druck. Deshalb fordert er gezieltere Unterstützung für diese Betriebe. Denn sie prägen die Wirtschaftsstruktur des Landkreises in besonderer Weise – nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Ausbilder, Innovationstreiber und Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort.

Stadt und Land: noch immer kein Gleichgewicht

Am Ende läuft für Hildenbrand vieles auf eine politische Grundsatzfrage hinaus: Wie ernst meint es das Land mit gleichwertigen Lebens- und Wettbewerbsbedingungen? Er vermisst eine konsequente Entwicklungspolitik für ländliche Räume. Seine Hoffnung ruht auf dem neu geschaffenen Heimatministerium und ist mit der Erwartung verbunden, dass dort nicht nur symbolisch, sondern konkret gehandelt wird. Denn der Neckar-Odenwald-Kreis ist kein Sorgenkind. Er ist eine Region mit wirtschaftlicher Substanz, mit leistungsfähigem Mittelstand, mit Natur, Lebensqualität und Bildungsangeboten. Aber er ist eben auch ein Raum, der nicht von allein stark bleibt. Er braucht bessere Verkehrsverbindungen, schnellere digitale Netze, verlässliche Bildungsstrukturen und ausreichend Flächen für Entwicklung. Kurz gesagt: Er braucht politische Rahmenbedingungen, die nicht nur auf die Großstadt zugeschnitten sind, sondern auch dem Land gerecht werden.

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Weltmarktführer gestalten die Fabrik der Zukunft

Globale Marktführer setzen auf künstliche Intelligenz und eigene Energie. Daten zeigen, warum der ländliche Raum trotz Personalmangels stabil bleibt.

Die wirtschaftlichen Rahmendaten des Main-Tauber-Kreises weisen im Sommer 2026 auf eine stabile Ausgangslage im landesweiten Vergleich hin. Nach den aktuellen Erhebungen der IHK Heilbronn-Franken für das erste Quartal des laufenden Jahres verzeichnet der Landkreis nach dem Kreis Schwäbisch Hall die meisten positiven Lageeinschätzungen von Unternehmen in der gesamten Region. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent im April 2026 liegt die hiesige Wirtschaft spürbar unter dem baden-württembergischen Durchschnitt von 4,7 Prozent, während die Zahl der offenen Stellen zeitgleich um 33 Prozent über dem Vorjahresmonat liegt. IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring bilanziert dazu: „Der Main-Tauber-Kreis steht im Vergleich insgesamt noch solide da. Die Industrieunternehmen können sich in der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage überdurchschnittlich behaupten.“ Die langfristige Entwicklung dokumentiert ein kontinuierliches Wachstum der regionalen nominalen Wirtschaftskraft. Nach den Daten des Statistischen Landesamtes betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Kreises im Jahr 1991 noch rund 3,075 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2023 ist dieser Wert auf 6,524 Milliarden Euro angewachsen. Das Fundament dieser Leistung bildet unverändert das produzierende Gewerbe: Von der gesamten Bruttowertschöpfung des Kreises in Höhe von 5,956 Milliarden Euro entfallen 2,395 Milliarden Euro auf die Industrie. Mit einem Industrieanteil von 40,21 Prozent übertrifft der Main-Tauber-Kreis den baden-württembergischen Landesdurchschnitt von 39,17 Prozent. Gleichwohl steht diese industrielle Basis vor tiefgreifenden strukturellen Anpassungen. Die hiesigen Betriebe müssen in den kommenden zwei Jahrzehnten ihre historisch gewachsene Struktur mit den Anforderungen der Digitalisierung, veränderten Bedingungen auf dem globalen Arbeitsmarkt und den Vorgaben der Energiewende verknüpfen. Marcel Stephan, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Klimaschutz beim Landratsamt, betont: „Es gilt, die bestehenden Stärken erfolgreich mit den Anforderungen von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und globalem Wettbewerb zu verbinden und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.“

Mit Zuversicht in die Zukunft

Präsident Ralf Rothenburger über Mut zur Selbstständigkeit, den Wert des Handwerks und die Chancen einer Branche im Wandel.

Handwerk braucht Menschen mit Ideen, Tatkraft und Verantwortungsbewusstsein. Davon ist Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, überzeugt. Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten blickt er auf die Herausforderungen der Branche – und vor allem auf ihre großen Chancen. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten sieht er das Handwerk als einen der wichtigsten Zukunftsmotoren der Region. Wer heute als junger Handwerksmeister einen Betrieb übernimmt, trifft nach Rothenburgers Überzeugung eine Entscheidung mit Zukunft. Eine Betriebsübernahme bedeute weit mehr als die Fortführung eines Unternehmens: Sie sichere Arbeitsplätze, bewahre Lebenswerke und stärke die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Zwar stellten hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, zunehmende Bürokratie und eine schwächelnde Konjunktur viele Betriebe vor Herausforderungen. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen durch Energiewende, Wohnungsbau, Digitalisierung und den demografischen Wandel dauerhaft hoch. Viele Betriebe verfügten über gewachsene Kundenbeziehungen, erfahrene Teams und großes Entwicklungspotenzial. Wer Verantwortung übernehmen wolle und unternehmerisch denke, finde im Handwerk beste Perspektiven. Auch mit Blick auf die Zukunft sieht Rothenburger weniger die aktuellen Probleme als größte Gefahr, sondern die Gefahr, sich mit ihnen abzufinden. Fachkräftemangel, Bürokratie und wirtschaftliche Unsicherheit dürften nicht zum Normalzustand werden. Besonders die Vielzahl an Dokumentations- und Verwaltungspflichten koste Betriebe wertvolle Zeit, die für Kunden, Beschäftigte und Ausbildung fehle. Gleichzeitig müsse es gelingen, noch mehr junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Denn ohne qualifizierte Handwerker seien weder die Energiewende noch moderne Schulen, sanierte Gebäude oder eine funktionierende Infrastruktur denkbar. Dafür brauche es mehr Vertrauen in die Betriebe, schnellere Genehmigungen und eine Bildungspolitik, die berufliche und akademische Bildung endlich als gleichwertig anerkenne.

Tradition trifft moderne Technologien

Auch noch in 20 Jahren erwartet Rothenburger ein Handwerk, das seine Wurzeln bewahrt und gleichzeitig technologische Entwicklungen selbstverständlich nutzt. Häuser würden weiterhin gebaut, Fahrzeuge repariert, Möbel gefertigt, Brot gebacken und Haare geschnitten. Die Werkzeuge und Arbeitsweisen aber würden sich grundlegend verändern. Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz und nachhaltige Technologien seien künftig in nahezu allen Gewerken Alltag. Zimmerer arbeiteten mit digitalen Gebäudemodellen, Kfz-Mechatroniker an softwaregesteuerten Fahrzeugen, Maler mit innovativen Materialien und Bäcker mit hochmodernen Produktions- und Bestellsystemen. Gerade die Verbindung aus modernster Technik und traditionellem handwerklichem Können werde das Handwerk auch künftig unverwechselbar machen. Für junge Menschen sieht Rothenburger im Handwerk hervorragende Chancen. Eine handwerkliche Ausbildung biete genau das, wonach viele Jugendliche heute suchten: Sinn, Selbstbestimmung, Sicherheit und sichtbare Ergebnisse der eigenen Arbeit. Hinzu kämen ausgezeichnete Karrierechancen – vom Gesellen über den Meister bis hin zum eigenen Betrieb. Gute Fachkräfte würden heute mehr denn je gebraucht und entsprechend geschätzt. Wer sich für das Handwerk entscheide, gestalte außerdem aktiv die großen Zukunftsaufgaben der Gesellschaft mit – vom Klimaschutz über die Digitalisierung bis zur Modernisierung der Infrastruktur. Für Rothenburger ist das Handwerk deshalb keine Alternative zweiter Wahl, sondern für viele die beste Entscheidung ihres Berufslebens.

Zwischen Fachkräftemangel und digitalen Fortschritt

Ohne das Handwerk läuft im Alltag wenig. Hohe Kosten, politische Unsicherheit und die Herausforderungen von Klimawende und Digitalisierung setzen der Branche zu. Warum Handwerkskammer-Präsident Klaus Hofmann dennoch vom Fortbestand des Gewerbes überzeugt ist.

Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, in seiner Schreinerei in Mosbach-Diedesheim.

Eine CNC-Maschine zeigt beispielhaft, wie das Schreinerhandwerk inzwischen digitalisiert ist.

Die Bäckerei Dörr in Sennfeld schloss im Februar, weil sich keinen Nachfolger gefunden hatte.

Metzgereien wie „Morschhäuser“ in Buchen gibt es im Kreis immer seltener.

Neckar-Odenwald-Kreis. Ein tropfender Wasserhahn, ein kaputtes Fenster, eine Baustelle, die sich verzögert, weil Fachkräfte fehlen: Die Bedeutung des Handwerks wird meist dann sichtbar, wenn es dringend gebraucht wird. Viele Probleme, mit denen Betriebe im Kreis zu kämpfen haben, unterscheiden sich kaum von denen im Rest des Landes, sagt Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. Nach Corona, in Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche und wirtschaftlicher Unsicherheit, stehen zahlreiche Betriebe unter Druck. „Aus diesem Tal sind wir nie so richtig herausgekommen“, betont er. Vor allem im Handwerk sei spürbar, dass sich Investitionen verzögern, Kunden zurückhaltender werden und politische Entscheidungen, wie das geplante Gebäudeenergiegesetz, oft eher verunsichern, als Orientierung zu geben. Dieses Gewerbe spielt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Ob ein Dach oder eine Wand neu gedämmt, neue Fenster eingesetzt oder eine Wärmepumpe beziehungsweise Solaranlage installiert werden müssen – für all das sind Handwerksbetriebe verantwortlich. Hofmann sieht jedoch die Herausforderung, dass den Unternehmen die nötige Planungssicherheit fehlt. Dadurch seien auch die Käufer verunsichert: Sollen sie in eine Gasheizung, Wärmepumpe oder Solarpaneele investieren? Hinzu kommen hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, teure Materialien sowie Unklarheiten bei Förderprogrammen. Ob beim Wohnungsbau, bei Energiefragen, Maschinenanschaffungen oder der Digitalisierung: Viele Förderinstrumente gelten als kompliziert, kurzfristig oder schwer kalkulierbar.

Auch das Handwerk erlebt einen technologischen Wandel

Dabei mangelt es im Handwerk nicht an Ideen. Im Gegenteil: Viele Unternehmen im Neckar-Odenwald-Kreis sind längst moderner, als das verbreitete Klischee vom „traditionellen Handwerksbetrieb“ vermuten lässt. Digitale Büroorganisation, computergesteuerte Maschinen, CAD-Planung, automatisierte Fertigungsabläufe oder Kundenpräsentationen mit einer Virtual-Reality-Brille gehören in manchen Betrieben bereits zum Alltag. „Das Bild vom Handwerk als rein körperlichem und wenig technologischem Job ist in vielen Bereichen längst überholt“, sagt der Präsident. Gerade in größeren Betrieben ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten. Sie sei aber kein Selbstläufer, betont Hofmann. Sie koste Geld, Zeit und Schulung. Und sie funktioniert nur, wenn auch die Mitarbeiter bereit sind, diesen Weg mitzugehen. Besonders kleinere Unternehmen stoßen schnell an ihre Grenzen, weil im Tagesgeschäft die Ressourcen fehlen. Einige Betriebe beschäftigen sich inzwischen auch mit Themen wie Künstlicher Intelligenz und Robotik. So erwägt der Kammerpräsident, auf seinen Baustellen künftig Roboter einzusetzen. Seine Schreinerei in Mosbach-Diedesheim baut auch Zimmertüren ein, ein Arbeitsschritt, der sich häufig wiederholt. Gerade darin sieht er Potenzial, einen Roboter gezielt anzulernen, damit dieser die Mitarbeiter unterstützen kann. Er verspricht sich davon einen effizienteren Einsatz von Ressourcen. Zugleich könnte eine Maschine Aufgaben übernehmen, für die Hofmann auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Fachkräfte findet. Der Schreinermeister ist mit seiner Idee noch in der Anfangsphase. Aber die Frage, was technisch alles möglich ist, findet er spannend.

Es gibt immer weniger Bäcker und Metzger im Kreis

Ein Problem bleibt der Fachkräftemangel. Gerade bei Bäckern und Fleischern ist ein auffälliger Rückgang im Kreis zu beobachten. Das zeigt sich auch beim Nachwuchs in diesen Bereichen. Gab es in diesem Gewerbe vor rund 15 Jahren noch sieben bis acht Auszubildende, sind es aktuell nur noch ein Fleischerlehrling und vier Bäckerlehrlinge. Viele würden die Berufe mit unattraktiven Arbeitszeiten verbinden. Einige Backstuben mussten in den vergangenen Jahren aufgeben, weil geeignete Nachfolger fehlten, darunter auch die Bäckerei Dörr in Sennfeld, die im Februar nach mehr als 70 Jahren ihren Betrieb einstellte. Im Neckar-Odenwald-Kreis schrumpft die Zahl handwerklicher Backbetriebe seit Jahren deutlich: Waren es 2010 noch 43, sind es 2026 nur noch 20. Ein ähnlicher Trend zeigt sich im Fleischerhandwerk. Vor 16 Jahren zählte die Branche noch 68 Betriebe, inzwischen sind es nur noch 48. Es sei wichtig, dass die Gesellschaft die Notwendigkeit solcher Handwerksberufe erkennt, betont Hofmann. „Nachwuchsgewinnung, Ausbildung und moderne Arbeitsbedingungen werden deshalb zu Schlüsselfragen für die Zukunftsfähigkeit des Gewerbes in der Region.“ Außerdem ziehe es viele junge Menschen in die Städte, weil Ballungsräume als attraktivere Wohnorte und Standorte mit besseren Arbeitsplätzen wahrgenommen würden. Um Jugendliche für das Schreinerhandwerk zu begeistern, geht Hofmann zum Beispiel an die Realschule in Obrigheim. Dort wird in einer Unterrichtseinheit zunächst entschieden, welche Materialien für ein Projekt verwendet werden sollen. In einer weiteren Stunde entsteht dann das Design. Mithilfe der betrieblichen CNC-Maschine werden die Teile zugeschnitten, bevor die Schüler sie in einer weiteren Einheit gemeinsam zusammensetzen. So entstehen erste Kontakte. Insgesamt sieht er die Handwerksbetriebe in der Region stärker verwurzelt als Unternehmen in Städten wie Mannheim oder Heidelberg. Das komme daher, dass viele Unternehmen in Vereinen mitwirken und die Menschen sich dadurch besser kennen. Seiner Ansicht nach wird die Branche auch künftig eine Zukunft haben. Allerdings stehen große Veränderungen bevor. Durch die E-Antriebstechnik nähern sich etwa Kfz-Berufe zunehmend denen der Elektrotechnik an. Das bringt auch die Bildungsstätten vor neue Herausforderungen.

Wunde Finger: Als die Jagd nach den Ergebnissen noch körperlich schmerzte

Die Fußballberichte aus den regionalen Ligen wurden in den 80er Jahren noch telefonisch durchgegeben. Von Arno Boas

Es soll ja Leute geben, die nicht wissen, was ein Festnetzanschluss ist. Das sind in der Regel Menschen, die in einer Gegend mit guter Mobilfunkversorgung leben. Da wir uns aber in Deutschland befinden, gibt es immer noch blinde Flecken, an denen ein Festnetzanschluss zwingende Voraussetzung ist, um erreichbar zu sein. Erreichbar sein, das wollen wir alle. Früher war es einfacher, sich der permanenten Kommunikation zu entziehen. Früher heißt aber nicht etwa „19. Jahrhundert“. Es reicht, 40 Jahre zurückzugehen, etwa ins Jahr 1986. Wenn Sie da jemanden erreichen wollten, mussten Sie darauf hoffen, dass er neben seinem FESTNETZ-Telefon saß und das Klingeln nicht ignorierte. Es gab aber auch Fälle des Dauerbesetztseins. Und das ist für einen Journalisten eine echte Horrorvorstellung. Immer unter Zeitdruck, den Schlussdienst und die Deadline im Hinterkopf, machen dich vergebliche Anrufe bei einem wichtigen Gesprächspartner geradezu panisch. Sie werden die Telefonnummer 0791-7401 nicht kennen. Und Sie müssen da auch nicht anrufen, denn die Nummer ist nicht mehr vergeben. Aber in meinem Langzeitgedächtnis ist sie unauslöschlich eingebrannt, und ich könnte sie sofort herunterbeten, wenn man mich nachts weckt und „Helmut Bischoff“ in mein Ohr ruft – eigentlich würde vermutlich sogar „säuseln“ reichen. Und dabei habe ich besagte Nummer bestimmt seit über 30 Jahren nicht mehr angerufen. Wer nun ist beziehungsweise war Helmut Bischoff? Gehen wir zurück ins Jahr 1986 – oder auch 1983, -84 oder -85. Spielt keine Rolle. Wir müssen aber in einen Sonntag, in dem der Fußballbezirk Hohenlohe Spieltag hat. Die Spiele im Sommer starten auch damals um 15 Uhr und sind gegen 16.45 Uhr zu Ende. In den unteren Klassen gehen die Presseberichterstatter der Heimvereine – wenn wir Glück haben – gleich in sich, schreiben sich auf einen Block die wichtigsten Ereignisse zusammen und rufen uns dann auf dem FESTNETZ an, um den Bericht telefonisch durchzugeben. Oft ist’s aber auch andersrum: WIR rufen im Sportheim an und bitten den Berichterstatter ans Telefon. Da war man nicht immer auf Anhieb erfolgreich, etwa bei deftigen Heimniederlagen, wenn der Frust erst einmal am Bierstand bekämpft werden musste. Oder bei hohen Heimsiegen, wenn die Euphorie erst einmal am Bierstand noch zusätzlich beflügelt werden musste. Das Ergebnis war dasselbe: Wir saßen wie auf Kohlen und hofften darauf, dass wir die Infos endlich in den Kuli diktiert bekamen. Manchmal riefen wir auch vergeblich an, weil sich ohne unser Wissen der Spielort geändert hatte. Oder der Betreiber des Sportheims musste gerade eine neue Lieferung Bier abladen und hatte keine Zeit, ans Telefon zu gehen. Aber auch das alles war kein Grund zur Sorge, denn noch war genügend Zeit bis zum Redaktionsschluss. Neben der A- und B-Klasse gab es aber auch noch die Bezirksliga Hohenlohe. Und jetzt kommt Helmut Bischoff ins Spiel. Der lebte in Schwäbisch Hall und war gut 35 Jahre lang Vorsitzender des Fußballbezirks, eine Autoritätsperson der alten Schule, den man erst einmal fragen musste, ob man ihm eine Frage stellen darf. Ein absoluter Fußballfachmann und in Personalunion auch Presseberichterstatter für die Bezirksliga. Damals gab es zwar schon Faxgeräte, aber eben noch nicht in den Sportheimen und schon gar nicht bei Helmut Bischoff. Und wenn er eines hatte, dann nutzte er es nicht. An Sonntagen ab circa 16.45 Uhr war Helmut Bischoff jahrzehntelang der begehrteste Telefongesprächspartner von Sportredakteuren. Denn nur bei ihm bekam man die Infos über die Spiele der Bezirksliga. Wir FN-Redakteure waren ja nicht die einzigen, die sich ab circa 17.15 Uhr die Finger wund wählten an der 0791-7401. Da gab es die Tauberzeitungskollegen, das Hohenloher Tagblatt, das Haller Tagblatt, die Hohenloher Zeitung und, und, und … Ungelogen: Wir versuchten es an manchen Sonntagen länger als ein Spiel dauert, bis wir endlich durchkamen. Welch ein Glücksgefühl, statt des Besetztzeichens endlich die vertraute Stimme des Bezirksvorsitzenden zu hören: „Boas, sind Sie auch schon dran? Haben Sie heute kein Interesse an den Bezirksligaberichten?“ Wir liebten Helmut Bischoff trotzdem! Wirklich!! Er war in seiner Art unvergleichlich. Man nahm ihm seine etwas schroffe Herzlichkeit nicht übel, im Gegenteil: Schon kurz nach dem sonntäglichen Feierabend freute man sich schon auf den nächsten Spieltag und die Hatz nach den Bezirksliga-Berichten à la Helmut Bischoff. Nochmal zurück zu den Faxgeräten. Hatten wir die Spielberichte hektisch in die Schreibmaschinen gehackt, mussten sie noch nach Mannheim kommen, denn sonntags wurde es so spät, dass diese Arbeit die Kollegen und Kolleginnen der Mannheimer Texterfassung übernahmen. Am Ende der Faxschleife gab es dann den Kontrollanruf, ob alles angekommen sei. Bei Herrn Magin oder Herrn Günderoth. Die Mannheimer Nummer ist mir allerdings nicht im Gedächtnis haften geblieben, auch wenn die Leute dort viel netter waren als Helmut Bischoff. Was allerdings haften geblieben ist: In der Sonntagshektik ist manchmal ein Wort verrutscht – wo und durch wen auch immer. Und so trauten wir am nächsten Morgen bei der Lektüre der Sportseite manchmal – wirklich nur sehr selten – unseren Augen nicht. Unvergessen etwa ein Spiel der Bezirksliga zwischen dem FSV Hallenbad und dem TSV Marklosem … Ich lasse Sie jetzt im Unklaren, welche Vereine da tatsächlich gegeneinander angetreten waren – Auflösung in der nächsten Jubiläumsausgabe. Und rufen Sie mich bitte nicht an …



Wenn filigrane Redakteure an ihre sportlichen Grenzen stoßen

In den 80-er und 90-er Jahren erlebte die Fußballmannschaft der Redaktion einen Höhenflug, der durch die FN-Technik jäh gestoppt wurde

Journalisten kritisieren gerne – ob den Bundestrainer, den Bundeskanzler oder den OB von Bad Mergentheim. Es mag eine Form von Berufskrankheit sein. Manchmal wird uns entgegengehalten: Macht’s doch erst mal besser als nur zu meckern. Den blutleeren Auftritt unserer Fußball-Nationalmannschaft konnte man sich allerdings nicht mal schöntrinken, so gruselig irrlichterten die Jungs über den amerikanischen Rasen. Zugegeben: Wir würden es nicht besser hinkriegen. „Wir“: Das ist die Fußballmannschaft der FN-Redaktion. Heute schon mal gar nicht, weil es sie schlicht wegen Überalterung nicht mehr gibt. Aber auch zu ihren besten Zeiten in den 80-er und 90-er Jahren blieben die großen Erfolge leider Mangelware. Heute spielen die sportlichen FN-Angehörigen gemütlich Beachvolleyball oder nehmen gut aussehend an Firmenläufen teil, früher dagegen jagten sie abgehetzt dem runden Leder hinterher. Da zählte nicht das Aussehen, sondern das Ergebnis. Und das war leider meist ernüchternd. Gut, es gab sie durchaus, die zählbaren Erfolge. Etwa 1990 in Bad Mergentheim, als die FN-Redaktionsmannschaft einen überragenden Erfolg verbuchte. Gegner war ein furchteinflößendes Team aus dem Hohenlohischen, das sich Ü100 nannte. Das war leider keine Altersangabe, sondern bezog sich auf das Gewicht der Spieler. Jeder hatte über 100 Kilo Kampfgewicht auf den Rippen. Wir pfeilschnellen FN-Recken warfen uns todesmutig in jeden Zweikampf und hatten am Ende tatsächlich mehr Tore als der Gegner. Den Sieg feierten wir ausgelassen in der „Alten Münze“ in Bad Mergentheim, wo die Ü-100-Truppe uns dann eindrucksvoll zeigte, was wahrer ErfolgsHUNGER bedeutet. Jeder verdrückte mindestens zwei Schnitzel. Da hatten wir klar das Nachsehen, was aber unseren Erfolg auf dem grünen Rasen in keinster Weise schmälerte – geschmälert wurde lediglich das FN-Konto, weil die Fränkischen Nachrichten Veranstalter des Spektakels waren. Heute erfassen Computer ja alle Werte der Profis, jeder Meter wird exakt registriert. Das gab es in den 90er-Jahren noch nicht. Wir mussten uns da noch auf unsere Augen verlassen: „Der Boas rennt heute ja wieder blind über den Platz“, hieß es da etwa. Oder: „Der Fingerhut stolpert mehr über den Platz, als dass er rennt.“ Sei’s drum. Als wir Mitte der 90er Jahre in Blaufelden in einem Hobbyturnier auf eine Ü70-Mannschaft trafen, fühlten wir uns schon vor dem Anpfiff wie der sichere Sieger. Denn diesmal bezog sich die Zahl „70“ tatsächlich auf das Alter der Gegner. Was sollte uns dynamischen Jungspunden schon passieren gegen mindestens doppelt so alte und von Rheuma geplagte Kicker auf der Gegenseite? Tja, wir konnten zwar schneller rennen, aber irgendwann erinnerte das Spiel an das Märchen vom Hasen und dem Igel – die Ü70er in der Rolle der Igel. Sie waren immer schon da, denn sie hatten erstens ein scharfes Auge für den Nebenmann und zweitens ein phänomenales Stellungsspiel. In der Statistik hatten wir vermutlich 120 Kilometer abgespult und sie 850 Meter, aber am Ende stand es unentschieden. Besser als die Redaktionsmannschaft schnitt damals die Mannschaft der FN-Technik ab. Man muss es fairerweise erwähnen: Unsere Technik war meistens einen Tick besser als wir Schreibtischhelden. Nicht nur bei jenem Turnier, sondern auch im direkten Duell. Es war in Impfingen, irgendwann in den 80ern. Das FN-Gigantenduell quasi, das ein für allemal die Vormachtstellung der Redaktion untermauern sollte. Wir Redakteure stürmten voller Begeisterung nach vorn, doch unsere filigranen Körper prallten ein ums andere Mal ab an der knüppelharten, von Rudolf Bauer geführten Technik-Abwehr. Und dabei hatten wir uns prominent verstärkt: Edi Engert, freier Mitarbeiter der Redaktion und Oberliga-Spieler, stürmte in unseren Reihen, aber auch er konnte das Debakel nicht verhindern. Am Ende hatte die Technik die Nase mit 5:3 vorn, obwohl jeder Zuschauer sehen konnte, dass die Redaktion über die bessere Technik verfügte. Nach rund 30 Jahren ist der Blick zurück vielleicht getrübt, aber so viel lässt sich festhalten: Nicht immer gewinnen die Besseren. Und manchmal gewinnt gar niemand. Denn das einzige Spiel, das wir gegen eine andere Zeitungsmannschaft austragen wollten, fand gar nicht statt. Es war an einem Samstag angesetzt im Juli 1995. Und zwar wollten wir die Kollegen der Rhein-Neckar-Zeitung herausfordern. Spielort war das Stadion in Buchen. Wir waren auch alle da. Allerdings setzte ein Wolkenbruch das Gelände komplett unter Wasser, sodass wir unverrichteter Dinge wieder von dannen zogen. Natürlich hätten wir das Spiel haushoch gewonnen. Mindestens. So aber erlebte speziell ich nach der Heimkehr ein Waterloo, denn über meinem Heimatort Finsterlohr und den ganzen oberen Bezirk war an jenem Tag ein verheerendes Hagelunwetter hereingebrochen. Und so tat ich, was ich definitiv besser kann als Fußball: Kamera und Notizblock packen, rausgehen und berichten. Auch wenn es wehtat.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wie fast jedes Unternehmen erlebten die Fränkischen Nachrichten seit ihrer Gründung 1946 Hochphasen und Tiefphasen. In den Anfangsjahren gab es viele Wechsel in der Unternehmensleitung. 1969 brach eine Zeit der Stabilität an. Ende der 1970er begann das Zeitalter der elektronisch-digitalen Technik.

„Der Frieden für 85 Millionen“ überschrieben die Fränkischen Nachrichten am Dienstag, 30. Juli 1946, den Artikel auf ihrer ersten Seite ganz oben. Es ging um den Frieden für Millionen von Menschen in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Frieden also für 85 Millionen Deutsche? Nein, es ging um den Frieden für die Bürger in den „5 ehemaligen Feindstaaten – Italien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Finnland“, hieß es in dem Artikel. Diese fünf Staaten waren im Krieg mit dem Deutschen Reich verbündet gewesen. Am Kriegsende wurden sie von verschiedenen Siegermächten besetzt, die dann jeweils dort ihre eigenen Waffenstillstandsbedingungen durchsetzten. Nun sollte eine Konferenz in Paris erste Schritte unternehmen, um den Zustand des Waffenstillstands in jedem der fünf Länder durch Friedensverträge in einen dauerhaften Frieden umzuwandeln.

Interessanter als der Aufmacher

Was aber an diesem 30. Juli 1946 viel interessanter war als dieser „Aufmacher“, war der Umstand, dass es in Tauberbischofsheim überhaupt wieder eine Zeitung gab. Es war die allererste Ausgabe der neu gegründeten Fränkischen Nachrichten! Adolf Henning und Richard Reile – damals Landrat im Kreis Tauberbischofsheim – hatten von der amerikanischen Militärregierung zuvor eine Lizenz für die Herausgabe einer Tageszeitung erhalten. Die „Amis“ hatten damals das Sagen im Land, denn der Staat Bundesrepublik Deutschland mit einer eigenen Regierung war noch längst nicht gegründet. Zum Verständnis der Landratstätigkeit von Dr. Richard Reile: Damals gab es den heutigen Main-Tauber-Kreis noch nicht. Das Gebiet war seit 1938 aufgeteilt in den Landkreis Mergentheim im Süden und den Landkreis Tauberbischofsheim im Norden. Erst 1973 wurden die beiden Landkreise im Zuge der großen Kommunalreform in Baden-Württemberg zum Main-Tauber-Kreis vereinigt.

Erster Sitz in der Hauptstraße

Henning und Reile bauten also in Tauberbischofsheim einen Zeitungsverlag mit Redaktion und Druckerei auf und veröffentlichten am 30. Juli 1946 erstmals ihre Fränkischen Nachrichten. Vorher hatte es hier die Zeitung Tauber- und Frankenbote gegeben, die seit 1893 existierte und 1943 an die Zeitung Volksgemeinschaft in Heidelberg überging – ein NSDAP-Blatt für Heidelberg und Nordbaden. Der Sitz der Fränkischen Nachrichten befand sich 1946 in der Hauptstraße in Tauberbischofsheim, die heute eine Fußgängerzone von der Tauberbrücke im Osten bis zum Sonnenplatz im Westen ist. Das damalige „Startup“ verdiente sein Geld wohl weniger mit dem Zeitungmachen als vielmehr durch die Herstellung anderer Drucksachen für das Leben der Bürgerinnen und Bürger. Eine Zeitung herauszugeben, war damals im Nachkriegsdeutschland wohl ein hartes Geschäft, zumal in der Provinz. Nicht nur die wirtschaftliche Situation war schlecht, sondern viele Menschen hatten auch mit anderen Problemen im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich zu kämpfen. Jedenfalls verzeichnet die FN-Chronik in diesem und den folgenden Jahren einige personelle Wechsel an der Spitze des jungen Verlages.

Mysteriöses Verschwinden

Mysteriös: 1947 sei der zweite Geschäftsführer der FN, Dr. Richard Reile, „unauffindbar verschwunden“ gewesen, heißt es im Archivmaterial. Auch der Artikel über Reile in der Online-Enzyklopädie Wikipedia endet mit Angaben über seine Tätigkeit im Jahr 1946. Von einem Verschwinden ist dort nicht die Rede. Lediglich aus der Einleitung kann man entnehmen, dass er 1979 in seiner Geburtsstadt München gestorben sei. Dass in den Jahren unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Personen plötzlich von der Bildfläche verschwanden, dürfte wohl öfter vorgekommen sein. Die Menschen lebten in einer vielfach unsicheren Zeit. Die Nachwirkungen des Krieges mit all seinen Verwerfungen in den persönlichen Lebensbereichen der Menschen und im öffentlichen Leben, die wirtschaftliche Not und vieles mehr führten dazu, dass manch eine(r) „mit Sack und Pack“ den Wohnort wechselte. Inwiefern die damalige Verwaltung diese Vorgänge dokumentierte und inwiefern diese Dokumente noch erhalten sind, kann nur durch aufwendige Nachforschungen ergründet werden. Zurück zu den Geschicken der Zeitung selbst: 1947 wird Fritz R. Dietz als Hauptschriftleiter der FN genannt. Später wird Dietz im Handelsregister als Geschäftsführer bezeichnet, der damit gemeinsam mit Verlagsleiter Adolf Henning das Unternehmen leitete. 1948 stieß Hans Gomoluch zur Führung hinzu. 1949 löste August Haun, der damals Bürgermeister von Tauberbischofsheim war, den Chef Adolf Henning ab. 1950 schied Hans Gomoluch wieder aus der FN-Geschäftsführung aus. Nun standen Verlagsleiter August Haun und Chefredakteur Fritz R. Dietz an der Spitze des Unternehmens.

Umzug ins Frankoniahaus

1952 war ein weiteres Jahr großer Veränderungen bei den Fränkischen Nachrichten: Der Verlag zog von der Hauptstraße in das sogenannte „Frankoniahaus“ an der Ecke Schmiederstraße/Gartenstraße in Tauberbischofsheim um. Bis heute ist es der Hauptsitz der FN. Im selben Jahr gab die Zeitung ihre Vollredaktion auf. Der sogenannte „Mantel“, der Zeitungsteil mit den Berichten aus Deutschland und der weiten Welt, wurde redaktionell nun vom Heidelberger Tagblatt beigesteuert. Die Berichterstattung über das nationale und internationale Geschehen konnte in Tauberbischofsheim nicht mehr bewältigt werden. Auch der tägliche Druck der Zeitung wanderte ab: Er geschah fortan in der Mannheimer Großdruckerei. Des Weiteren beendete Fritz R. Dietz seine Tätigkeit als Chefredakteur und zweiter Geschäftsführer der Fränkischen Nachrichten, und Verlagsleiter August Haun erkrankte schwer. Der Aufsichtsrat der FN musste ihn schließlich von seinem Posten abberufen.

Kommissarischer Geschäftsführer

Kommissarisch übernahm der Betriebswirtschaftler und Steuerberater Hermann Thomas aus Lauda die Geschäftsführung der FN. Er profilierte sich in der folgenden Zeit als „Retter“ des angeschlagenen Unternehmens. Unter anderem holte er die Zeitungsverlagsrechte, die schon weitgehend an das Heidelberger Tagblatt übergegangen waren, nach Tauberbischofsheim zurück. Wenige Monate nach Hermann Thomas’ Einspringen wurde der Buchhalter Karl Herzmansky aus Lauda zum Geschäftsführer neben dem immer noch kommissarisch tätigen Thomas berufen. 1953 kamen die FN dann in ruhigeres Fahrwasser: Der Verlagskaufmann und Setzermeister Marcel Morvay aus Mähren wurde Geschäftsführer und leitete nun zusammen mit Karl Herzmansky das Unternehmen. Der kommissarisch tätige Hermann Thomas beendete seine Tätigkeit. Im August 1953 trat Oskar Haueisen die Stelle des Chefredakteurs an, die seit 1952 verwaist gewesen war. Zu erwähnen ist, dass die Fränkischen Nachrichten schon recht früh auch Ausgaben für die umliegenden Bereiche produzierten. Bereits eine Woche nach dem ersten Erscheinen der FN in Tauberbischofsheim kam eine Ausgabe für den damaligen Landkreis Mergentheim heraus. 1947 folgten nacheinander eine Ausgabe für Wertheim und eine für den damaligen Landkreis Buchen. In Bad Mergentheim, Wertheim und Buchen richteten die Fränkischen Nachrichten auch schon bald Geschäftsstellen ein. 1969 dann wieder ein Schicksalsschlag: Der Geschäftsführer Marcel Morvay starb. Der mit ihm tätige Anton Zügner übernahm daraufhin allein die Leitung des Verlagshauses. Seine Ära sollte mit einer Unterbrechung bis 1996 dauern. Unter Anton Zügner wurden wesentliche weitere Schritte in Richtung Zukunft getan. 1977 kam die erste Fotosatzmaschine ins Haus und läutete das Ende der „Bleizeit“ im Zeitungsdruck ein. Im selben Jahr gab es auch den ersten Bürocomputer für die Buchhaltung.

Umbau des Frankoniahauses

1979 begann das ganz große Projekt: Das aus dem Jahr 1908 stammende Frankoniahaus wurde modernisiert und erweitert. Am Nordteil entstand ein neuer, größerer Anbau, in dessen Erdgeschoss die Akzidenzdruckerei Einzug hielt. Bislang hatten die Geräte teilweise in alten Schuppen im Innenhof des Anwesens gestanden. Im ersten Stock richtete man einen topmodernen Raum für die neue Computertechnik ein. In dem klimatisierten Raum fand die neue Zentralrechneranlage ihren Platz, die dort von FN-Administratoren betreut und betrieben wurde. An dem großen Computer hingen Eingabeterminals in den verschiedenen Abteilungen der FN, jeweils bestehend aus einem großen Röhrenmonitor und einer Tastatur. Die Redakteure tippten ihre Artikel nun nicht mehr mit Schreibmaschinen, sondern gaben sie an den Terminals direkt in den Zentralrechner ein. Im Technikraum wurden die Artikel dann auf Spezialpapier ausgedruckt und anschließend von den „Metteuren“ – meist ehemaligen Schriftsetzern aus der Blei-Zeit – auf großen Bögen zu Vorlagen für die Zeitungsseiten zusammengesetzt. Diese Vorlagen brachten abends Kraftfahrer in die Großdruckerei des Mannheimer Morgens in Mannheim, wo auf fotochemischem Wege damit Druckplatten hergestellt wurden.

Ganz neue Technik

Diese Fotosatztechnik bestimmte die Abläufe bei der Zeitung bis in die Mitte der 1990er-Jahre hinein. Dann standen vernetzte PCs auf den Tischen der Mitarbeiter, und die Redakteurinnen und Redakteure tippten fortan nicht nur ihre Texte in die Computer, sondern platzierten sie abends auch auf den Zeitungsseiten. Bei diesem als „Ganzseitenumbruch“ bezeichneten Verfahren waren sie auch für das perfekte Erscheinungsbild der Zeitungsseiten verantwortlich. Es gab keine Metteure mehr. Die Zeilenabstände mussten exakt gleich sein, und das Gesamtarrangement sollte neuen ästhetischen Kriterien genügen. Das Größenverhältnis zwischen dem Aufmacher-Artikel oben auf der Seite und den anderen Artikeln darunter sollte ausgewogen sein, und die Texte durften jeweils nicht zu lang sein. Das Zeitalter der „Bleiwüsten“ in der Zeitung – also Seiten, die fast nur mit Text gefüllt waren – war vorbei. Der Journalist wurde somit ein Stück weit zum Techniker und Handwerker. Es war der Anfang einer großen Veränderung im Zeitungswesen. Die Digitaltechnik bestimmte immer mehr alle Bereiche in der Publizistik. Nicht nur die Arbeitsabläufe für den redaktionellen Teil einer Zeitung, sondern auch jene im Anzeigengeschäft sind mittlerweile komplett digitalisiert. Artikel und Anzeigen werden täglich auf vielen Wegen ausgespielt, vor allem auch in den sozialen Medien. Der Erlös dabei lässt sich nicht mehr mit jenem in der reinen Print-Ära vergleichen. Zeitungen müssen sich mehr denn je als wandlungsfähig erweisen.

1977
Einführung des Anzeigenblatts „Fränkische Wochenpost“.
1987
Eröffnung des ersten FN-Reisebüros in Bad Mergentheim.
1988
folgt ein Reisebüro in Wertheim, ab 1989 eröffnet die FN schrittweise Reisebüros in Tauberbischofsheim, Buchen und Walldürn. Ab 2003 firmieren die Büros in Buchen und Walldürn unter „Reisecenter Odenwald“ (RCO).
1993
Gründung der „Frankonia Presse-Vertriebs GmbH“ und der „Fränkischen Presse-Vertriebs GmbH“ für den Bereich der Zeitungszustellung.
2001
Schließung der hauseigenen Akzidenzdruckerei.
2002
Einstieg in das Briefzustellungsgeschäft. 2009 entsteht daraus die „FN BriefLogistik GmbH“.
2003
Einführung der „FN-Card“ für Abonnenten, die Rabatte und besondere Angebote bei Einkäufen und Freizeitaktivitäten in der Region bietet. 2011 wird daraus die „FN-Card PREMIUM“.
2007
Die „Fränkische Nachrichten Druck- und Verlags-GmbH“ firmiert um zur „Fränkische Nachrichten Verlags-GmbH“.
2009
Einführung des kostenlosen Anzeigenblatts „Extra zum Sonntag“; 2020 wird es wieder eingestellt.
2012
Start des Facebook-Auftritts der Fränkischen Nachrichten.
2013
Start der „Digitalen Zeitung“.
2014
Die „Neue Pressegesellschaft“ in Ulm will die Produktion der mit den FN konkurrierenden „Tauber-Zeitung“ in Bad Mergentheim aufgeben. Die FN erwerben den Titel und bieten den TZ-Abonnenten ab 1. April 2015 ihre Ausgabe Bad Mergentheim mit aus der „Tauber-Zeitung“ übernommenen Elementen an.
2014
Der YouTube-Kanal „FN Live“ geht an den Start.
2016
Einführung der ersten eigenen App, der „Main-Tauber-App“.
2020
Start des Instagram-Accounts.
2025
Der offizielle TikTok-Kanal der Zeitung FN startet.

Das 1908 erbaute Frankoniahaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals befand sich dort die Tauberboten-Druckerei. Die 1946 gegründeten Fränkischen Nachrichten zogen 1952 hier ein. Bild: Sammlung Geisler

Das Frankoniahaus in seinem Zustand vor der Sanierung und Erweiterung, die 1979 begann. Im Hof rechts stehen noch die Schuppen, die damals auch von den Fränkische Nachrichten genutzt wurden. Bild: Fränkische Nachrichten

30. Juli 1946: Die Seite eins der ersten Ausgabe der Fränkischen Nachrichten. Bilder: Fränkische Nachrichten

An solchen Setzmaschinen wurden früher Druckbuchstaben in Textzeilen aneinandergereiht. Bild: Fränkische Nachrichten

Anfang der 1980er Jahre im EDV-Technikraum der Fränkischen Nachrichten: Links Chefredakteur Friedrich Behr, rechts Geschäftsführer Anton Zügner. Bild: Fränkische Nachrichten

Bildimpressionen zum Jubiläumsfestakt 80 Jahre FN in Kloster Bronnbach

Prominente Gäste und Gastgeber beim Festakt (von links): FN-Geschäftsführer Jochen Eichelmann, Journalistin, Moderatorin und Autorin Nena Brockhaus, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart MdL, IOC-Ehrenpräsident Dr. Thomas Bach, Landrat Christoph Schauder und FN-Chefredakteur Fabian Greulich. Alle Bilder: Momentschmiede/Jonas Hahn

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